Rohstoffe 22.02.2013, 16:59 Uhr

Die umstrittene Verarbeitung Seltener Erden

Das australische Unternehmen Lynas möchte den Markt für Seltene Erden erobern. Doch seine Fabrik zur Verarbeitung der Rohstoffe in Malaysia hat Proteste der Bevölkerung ausgelöst.

Tagebau für Seltene Erden im chinesischen Ganxian.

Tagebau für Seltene Erden im chinesischen Ganxian.

Foto: dpa

640 Mio. € hat die Fabrik in der Nähe der malaysischen Stadt Kuantan gekostet. Es ist die größte ihrer Art weltweit und wurde jüngst in Betrieb genommen. Das Werk zur Weiterverarbeitung Seltener Erden sei gemäß internationaler Umweltstandards errichtet worden, sagt Eric Noyrez, Präsident von Lynas.

Protestgruppen in Malaysia behaupten hingegen, diese Standards würden klar verletzt. Tan But Teet leitet die Umweltinitiative „Save Malaysia – Stop Lynas“. Teet befürchtet eine ernstzunehmende Verschmutzung und radioaktive Belastung der Region. Bei der Produktion fällt auch das radioaktive Thorium an, das in den gleichen Mineralien wie Seltene Erden zu finden ist. Thorium wird in Auffangbecken gesammelt und könnte in das Grundwasser gelangen, gibt Teet zu bedenken. Der jährliche Monsunregen könnte radioaktiv belasteten Schlamm ins Meer spülen. Laut Noyrez besteht ein solches Risiko nicht. Er sagt: „Wir versuchen zu verhindern, dass Menschen irgendwie geschädigt werden.“ Abwässer und Gase würden bestmöglich im Produktionsprozess recycelt.

2006 hat Lynas die Kosten für Errichtung und Betrieb eines Werks in Australien, zuzüglich der anfallenden Transportkosten, als so hoch eingeschätzt, dass sich das Unternehmen für Malaysia als Standort entschied. In der momentan aufgeheizten Stimmung eine fragwürdige Maßnahme – ein Umweltaktivist drohte in diesen Tagen sogar öffentlich, das Werk anzuzünden. Doch Lynas-Vorstand Noyrez schreckt all das nicht: Malaysia verfüge über die notwendige Infrastruktur und biete niedrige Energiepreise.

Proteste von Umweltschützern gibt es schließlich auch in Australien: „Wir lehnen die Förderung Seltener Erden zwar nicht grundsätzlich ab“, sagt Scott Ludlam, Senator der australischen Grünen im Parlament in Canberra. „Lynas sollte es aber nicht erlaubt sein, Vorteile aus unterschiedlichen Umweltstandards zu ziehen und an der falschen Stelle zu sparen. Malaysia ist schließlich keine wilde Müllkippe.“

Anders als ihr Name vermuten lässt, kommen Seltene Erden häufig vor. Der Name lässt sich auf die umfangreichen Arbeitsprozesse zurückführen, die benötigt werden, um die Metalle vom umgebenden Gestein zu trennen. Gerhard Schmidt, Chemiker des Freiburger Öko-Instituts, hat im Auftrag der Initiative „Save Malaysia – Stop Lynas“ eine Studie zu umwelt- und gesundheitsgefährdenden Emissionen und gefährlichen Verarbeitungsrückständen erstellt. „Es fallen große Mengen Abfall mit radioaktivem Thorium und Schwermetallen an“, sagt Schmidt, „die möglichst vollständig eingeschlossen werden sollten.“ Zu einer ganzen Reihe von Nebenprodukten gebe es keine Daten von Lynas. Während Fabriken in China „noch ungünstigere Umweltbilanzen“ aufwiesen, könnte Lynas durch einen Verzicht auf die Verwendung radioaktiv belasteten Materials im Straßenbau seine Bilanz erheblich verbessern. Darüber hinaus empfiehlt Schmidt den Einbau effektiverer Filteranlagen oder ein verbessertes Wasserregime, um z. B. den Salzgehalt der Abwässer mithilfe von Regenwasser zu begrenzen. Selbst das andauernde Misstrauen in der malaysischen Bevölkerung ließe sich mit laufenden Veröffentlichungen von Emissionswerten im Internet verhindern.

Das Lynas-Werk in Kuantan könne ja „durchaus ordnungsgemäß errichtet worden sein“, sagt Michael Stelter, Professor der Technischen Universität Bergakademie im sächsischen Freiberg. „Aber wenn Sie an irgendeiner Stelle nicht richtig absaugen, wenn Teilkomponenten wie die Abluftreinigung abgeschaltet werden, um Stromkosten zu sparen, ist ein sauberer Betrieb nicht gewährleistet.“

Organische Lösemittel, von Menschen eingeatmet, schädigten deren Atemwege. Gifte, die in Flüsse, Seen oder in das Grundwasser gelangten, belasteten die Trinkwasserqualität. Bei der Verarbeitung Seltener Erden müsste „ein hoher technologischer Standard“ gewährleistet sein, „den viele Entwicklungs- und Schwellenländer derzeit leider nicht sicherstellen“.

Trotz der harschen Kritik deutscher Wissenschaftler: Die andauernden Proteste in Malaysia belegen, dass auch in Schwellenländern mittlerweile heftig über Umweltaspekte und Zumutbarkeiten gestritten wird. Ein halbes Dutzend Anhörungen musste auch der australische Seltenerdenproduzent laut Unternehmensgründer Nick Curtis in Malaysia bislang bestehen. Doch die Unterstützung der malaysische Regierung seit Projektbeginn lässt Curtis hoffen. Zwölf Jahre, so lautet das wohl wichtigste Versprechen, bleibt das Werk in Kuantan steuerfrei.  JÖRG SCHMILEWSKI

Von Jörg Schmilewski
Von Jörg Schmilewski

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