Kohle 05.11.2004, 18:34 Uhr

Die Kohle bleibt einstweilen knapp und teuer

VDI nachrichten, Barcelona, 5. 11. 04 – Kohle bleibt ein knappes Gut – zumindest über den kommenden Winter hinweg und vermutlich auch während des gesamten Jahres 2005. Das ist das wichtigste Resultat der Weltkohlekonferenz Coaltrans in Barcelona. Auch die Frachtraten haben ein selten hohes Niveau erreicht.

Eine Reihe verschiedener Umstände trägt dazu bei, dass Kohle knapp und teuer bleibt. Das beginnt mit der weltweiten, boomhaften Konjunktur der Stahlindustrie, die einen hohen Bedarf an Kokskohle hat. Dies strahlt auf den Markt für Kraftwerkskohle aus, weil die besondere Nachfrage der Stahlindustrie nach Kokskohle und Erz die Frachtraten der Schifffahrt auf ein bisher nie erlebtes Niveau getrieben hat, wie jetzt in Barcelona von der Londoner Baltic Exchange, der größten Börse der Welt für Schiffsraum, mit Zahlen belegt wurde. Und da die Exporteure von Kraftwerkskohle am Markt um den gleichen Schiffsraum kämpfen, müssen auch sie wesentlich höhere Frachten bezahlen, was dann Importkohle für die Energieerzeuger entsprechend verteuert.
Aber auch die Energieerzeuger benötigen immer mehr Kohle. Fast 40 % der Weltstromerzeugung geht auf Kohle zurück. 2003 ist der Weltverbrauch an Kohle um 6,9 % gestiegen, während der Primärenergieverbrauch insgesamt nur um 2,9 % in die Höhe ging. Damit hat die Kohle zwei Jahre hintereinander stärker zugelegt als der Primärenergieverbrauch, wie auf der Weltkohlekonferenz der Vorsitzende des World Coal Institute, Roger Wicks, darlegte. Die Kohleförderung nahm 2003 auf nahezu 5 Mrd. t zu. Vor 30 Jahren waren es erst 2 Mrd. t gewesen. Diese Zunahme geht wesentlich auf Veränderungen in der Weltwirtschaft zurück.
Wie Wicks erläuterte, verbrauchten vor 30 Jahren die OECD-Länder etwa die Hälfte der insgesamt geförderten Kohle, während sich dieser Anteil heute nur noch auf ein Drittel beläuft. Die neuen großen Kohleverbraucher sind besonders China, Indien und Südafrika. Nach wie vor werden 80 % der geförderten Kohle im jeweiligen Land verbraucht. In China werden gegenwärtig 77 % der erzeugten elektrischen Energie von Kohlekraftwerken geliefert. In Südafrika sind es sogar 90 %.
Insgesamt befinden sich gegenwärtig in der Welt (ohne Vereinigte Staaten) 90 000 MW an Kohlekraftwerks-Kapazität im Bau. Das entspricht rund hundert neuen Kohlekraftwerken. Da die ersten noch im bevorstehenden Winter ans Netz gehen, schlagen sie sich schon heute im Kohlebedarf der Kraftwerksbetreiber nieder. Wie in Barcelona zu hören war, gibt es inzwischen schon direkte Engpässe in der Kohleversorgung, die dazu führen, dass gelegentlich Kohlefrachter auf Hoher See zu anderen Bestimmungsorten umgeleitet werden müssen, um deren Weiterbetrieb zu sichern. Im Oktober war das beispielsweise auf den Philippinen der Fall. Ein chinesischer Frachter war beim Laden stark verzögert worden, so dass ein Frachter mit indonesischer Kohle zu den Philippinen umgeleitet werden musste. Diese Fälle dürften sich häufen – das war in Barcelona auf der Coaltrans von verschiedenster Seite zu hören.
Russland, das zu den ganz großen Kohleproduzenten der Welt zählt, wird auf absehbare Zeit hinaus seine Exportlieferungen nicht steigern können, wie Igor Gribanovsky, Export-Vorstand der Siberial Coal Energy Company, in Barcelona vortrug. Nach seinen Angaben liegt der Engpass im russischen Kohleexport bei der begrenzten Transportkapazität der russischen Eisenbahnen. Ihr fehlen moderne große Kohletransportwagen. Außerdem ist die erreichbare Geschwindigkeit der Kohlezüge zu niedrig. Nach Angaben von Gribanovsky sind dagegen die Verladekapazitäten der russischen Seehäfen hoch genug, um den Kohleexport steigern zu können. In Asien sind Südkorea und Japan die wichtigsten Abnehmer russischer Kohle. In Europa sind es Großbritannien und Finnland.
Der mit weitem Abstand größte Steinkohleproduzent der Welt ist die Volksrepublik China. Sie erzeugte 2003 insgesamt 1,67 Mrd. t Kohle und erwartet für das laufende Jahr 1,85 Mrd. t, wie Pan Wanze, Vorstandsmitglied der China National Coal Group Corporation, mitteilte. Da selbst die genannte Menge angesichts der massiven Industrialisierung und Produktionssteigerung in China nicht zur Bedarfsdeckung ausreicht, importiert die Volksrepublik sogar noch Kohle. Zugleich wurde der früher erhebliche Kohleexport mit einer Reihe von Abgaben und anderen Begrenzungen belegt. Wanze betonte aber, dass China ungeachtet des auf Jahre hinaus riesigen eigenen Kohlebedarfs auch in Zukunft in begrenzter Menge Kohle exportieren werde, um nicht den erreichten Weltmarktanteil leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Wanze nannte dabei eine Zahl von 80 Mio. t bis 90 Mio. t Exportkohle im Jahr, die sowohl 2004 wie auch im kommenden Jahr zu erwarten seien.
Soweit es um Deutschland geht, fiel es dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der RAG Coal International, Karl Friedrich Jakob, auf der Coaltrans sichtbar schwer, noch eine Brücke zwischen dem inzwischen besonders turbulenten internationalen Kohle-Geschehen und dem RAG-Konzern, der früheren Ruhrkohle in Essen, zu schlagen. Jakob betonte zwar, die RAG habe sich keineswegs aus dem internationalen Geschäft mit Kohle zurückgezogen, aber sie habe eben 2002 zugestimmt, 51 % der Degussa zu kaufen und „dafür jeden irgend verfügbaren Euro gebraucht“. Für die zuvor mit verschiedenen Chemietöchtern der E.on-Vorgängerkonzerne (Veba und Viag) angereicherte Degussa veräußerte die RAG ihren gesamten Auslandsbergbau mitsamt lukrativen Kohlelagerstätten in Australien, den USA und Venezuela – und das nur ein knappes Jahr vor dem immer noch andauernden Mengen- und Preis-Boom bei Kohle und Stahl.PETER ODRICH

Von Peter Odrich
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