Rohstoffe 29.08.2008, 19:36 Uhr

„Die deutsche Bergbau-Technologie ist viel effektiver geworden“  

Es will dort nach Zink, Gold und Öl schürfen, bohren und graben, wo in den vergangenen Jahren Minen und Stollen stillgelegt wurden, etwa in Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Fragen an Vorstandsmitglied Thomas Gutschlag.

Die Gold- und Wismut-Lagerstätte bei Gütting ist schon seit dem Spätmittelalter bekannt. In den 80er Jahren fanden hier bereits erste Bohrungen der Preussag statt, die von der Deutschen Rio Tinto GmbH fortgesetzt wurden. Aus diesen Phasen liegen uns umfangreiche Daten vor. Wir rechnen damit, im Herbst mit ersten Baggerschürfungen zu starten.

VDI nachrichten: Preussag und Rio Tinto haben die Goldsuche in Bayern nicht weiter verfolgt – wieso tun Sie es?

Gutschlag: Spitz gesagt, ist es so: Obwohl Gold im Gegensatz zu Öl oder Zink eigentlich niemand braucht, ist die Nachfrage stark angestiegen. Vor acht Jahren lag der Preis bei knapp 400 $ pro Feinunze. Mitte August notiert er bei mehr als 800 $. Daher lohnt es sich, auch in früher als nicht rentabel eingeschätzten Gebieten zu suchen. Aber auf dem Gold liegt nicht unser erstes Augenmerk.

VDI nachrichten: Sondern?

Gutschlag: Etwa auf Seltenen Erden. Das sind die chemischen Elemente der dritten Gruppe des Periodensystems. Cer, Yttrium und Neodym gehören dazu. Selten-Erden-Elemente besitzen einzigartige katalytische, optische und magnetische Eigenschaften und sind in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Bestandteil vieler Hightech-Produkte wie Flachbildschirmen, Energiesparlampen und Hybridmotoren geworden. Sie sind nicht so selten wie der Name klingt. Einzelne Elemente kommen ähnlich häufig vor wie Blei oder Arsen. Außerdem fokussieren wir uns auf Metalle wie Zink und Zinn.

VDI nachrichten: Wieso gerade Zinn?

Gutschlag: Marktbeobachter sagen, dass die Nachfrage jährlich um etwa 10 % steigen wird. Das Metall kommt in der Elektroindustrie zum Einsatz, auch Weißblechdosen haben einen hohen Zinnanteil. Und immer öfter ersetzt es Blei.

Mit 200 000 t stammen Zweidrittel der Jahresfördermenge an Zinn je zur Hälfte aus China und Indonesien. Bereits heute lässt China ausländische Investoren nicht im eigenen Land nach Zinn schürfen. Auch die Exportquote wird jährlich nach unten geregelt. Die Chinesen sichern die eignen Zinn-Vorräte. Raten Sie mal warum?

VDI nachrichten: Weil bis 2011 nur 50 000 t zusätzlich auf den Markt kommen. Und das reicht nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.

Gutschlag: Genau. Die Nachfrage steigt rasant an. Kostete 1990 die Tonne Zinn 5000 $, bezahlt man heute dafür locker das Vierfache, also 20 000 $. Deshalb haben wir uns in Sachsen für mehrere Vorkommen die Rechte sichern lassen. Insgesamt haben wir rund ein Dutzend Projekte ähnlicher Art in der Pipeline.

VDI nachrichten: Woher wussten Sie, dass gerade im Osten der Republik die Rohstoffe vorkommen?

Gutschlag: Die DDR wurde komplett auf Bodenschätze durchleuchtet. Man wollte ja autark sein. Auf diese Informationen können wir heute zurückgreifen. Daher wissen wir, wo es welche Vorkommen gibt. Zumal bis Anfang der 90er Jahre beispielsweise in Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge Zinn gefördert wurde. Dort in der Nähe wurden 130 Bohrungen abgeteuft, der Boden analysiert und die Daten archiviert. Wollten wir diese Vorarbeiten heute leisten, wären mehr als 10 Mio. € fällig.

VDI nachrichten: Und die Stollen und Minen, die nach der Wende stillgelegt wurden, weil sie infolge niedriger Rohstoffpreise unrentabel waren, wollen Sie reaktivieren?

Gutschlag: Ja, solche Vorkommen sind bei steigenden Preisen begehrt, da sie relativ schnell und mit geringerem Aufwand und Risiko entwickelt werden können. Wir sehen hier nicht nur einen schnellen Rückfluss der Investitionen. Wir versprechen uns auch eine Kapitalrendite, die deutlich über Bundesanleihen liegt – also im zweistelligen Bereich. Das Potenzial sehen wir bei 2000 t bis 3000 t pro Jahr.

VDI nachrichten: Wie hoch ist Ihr Investment?

Gutschlag: Gehen Sie von einem zweistelligen Millionenbetrag aus.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt die Fördertechnologie?

Gutschlag: Die deutsche Bergbauindustrie hat sich sehr gut entwickelt. Ein Beispiel: Heute sind an den Baggern Röntgenapparate angebracht. Diese durchleuchten das Gestein und zeigen, wo Metallvorräte liegen. Man baggert dann auch nur dort. Das spart Zeit und Geld. Die Technologie ist viel effektiver geworden.

VDI nachrichten: Liegt das auch daran, dass Deutschland immer noch der größte Braunkohleförderer weltweit ist?

Gutschlag: Das trägt sicher einen Teil dazu bei. Aber auch Finnen, Japaner und Kanadier sind starke Fördernationen, die den technologischen Fortschritt vorangetrieben haben. Es stimmt aber schon: In Deutschland ist viel Know-how vorhanden.

VDI nachrichten: Obwohl bergbauspezifische Berufe bei jungen Menschen nicht gerade als sexy gelten…

Gutschlag: Das mag stimmen, doch sind zum Beispiel die Studenten der Technischen Universität Bergakademie Freiberg sehr gefragt. Aktuell kartieren sie Boden in Brasilien. Wenn solche Ergebnisse vorliegen, sind sie für Fachbehörden, Planer und die Deutsche Rohstoff AG sehr gute Quellen.

VDI nachrichten: Sie konnten BASF als Geldgeber gewinnen. Was verspricht sich der Chemiekonzern von seiner Zwei-Millionen-Investition in die Rohstoff AG?

Gutschlag: BASF ist vor allem an der Erschließung von Selten-Erden-Vorkommen interessiert. Sie setzen diese vorwiegend zur Herstellung von Fahrzeug- und Industriekatalysatoren ein. Und hier verhält es sich noch extremer als bei Zinn. China liefert fast 100 % der Selten-Erden-Rohstoffe. Dieser Abhängigkeit will man entfliehen.

VDI nachrichten: Und wie sichern Sie sich die Schürfrechte?

Gutschlag: Das ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Grundsätzlich wollen wir nur dort abbauen, wo die politische Lage stabil ist. Unsere Zielmärkte sind daher Nordamerika, Europa und in Ausnahmen Asien.

In Deutschland vergeben die Rechte, wenn sie frei sind, die Bergämter. Die wiederum sind z. B. in Nordrhein-Westfalen der Bezirksregierung unterstellt. In einem Nachweisverfahren müssen wir darlegen, dass wir fachlich, technisch und finanziell in der Lage sind, die Vorkommen abzubauen. Pro Antrag sind das oft 60-Seiten-Dokumentationen. Dann findet eine öffentliche Beteiligung statt. Fachbehörden wie die Landrats- und Wasserämter werden angehört. Bis zu einem dreiviertel Jahr kann so ein Verfahren dauern, das oft auch negativ entschieden wird.

VDI nachrichten: Aktuell verhandeln Sie auch in Malaysia über Rechte an Zinnvorkommen. Wie ist da das Procedere?

Gutschlag: Wir haben eine Crew ehemaliger Ingenieure und Geologen in Malaysia. Das sind Leute, die als freie Berater Ende des vergangenen Jahrtausends auf den Markt gespült wurden, weil Rohstoffsicherung- und gewinnung politisch in Deutschland an Stellenwert verloren hatten, nach dem Motto: Was brauche ich eine Kuh, wenn ich Milch kaufen kann?

Seit die Rohstoffpreise wieder steigen sind diese Fachkräfte sehr gefragt. In Malaysia gibt es seit Anfang des Jahres eine neue Regierung. Auch hier waren alle Aktivitäten in Richtung Rohstoffabbau eingeschlafen. Vor Ort sprechen wir mit dem Ministerpräsidenten und zeigen, dass wir nicht nur Abbaupartner sind, sondern uns auch auf Rekultivierung verstehen.

Die Malayen fürchten, dass Rohstoff-Firmen ihr Land als Wüste hinterlassen. Wir können auf das ostdeutsche Know-how unserer freien Berater zurückgreifen. Dort sind ja ganze Landstriche rekultiviert worden. Teils ist es da jetzt schöner als zuvor.

MICHAEL SUDAHL

  • Michael Sudahl

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