Partnerschaft mit Bolivien 20.12.2018, 12:26 Uhr

Deutschland sichert sich wichtigen Zugang zu Lithium

Ein Joint Venture soll Deutschland künftig den Zugang zum so wertvollen Lithium sichern. Doch das stößt nicht nur auf Gegenliebe.

Salzberge türmen sich auf dem Salzsee in Bolivien

Wo bisher Salz gewonnen wird, könnten bald große Baumaschinen anrücken, um Lithium zu gewinnen.

Foto: panthermedia.net/shanin

Lithium ist einer der wichtigsten Rohstoffe für die Elektromobilität und bereits heute ein enorm begehrter Rohstoff. Das hoch gelegene Bolivien sitzt auf einem der größten Vorkommen dieses Rohstoffs und möchte nun mit der Förderung beginnen. Hierzu ist Bolivien eine strategische Partnerschaft mit Deutschland eingegangen, die Gründung einer gemeinsamen Firma für den Abbau von Lithium steht kurz bevor. Damit sichert sich Deutschland für viele Jahre einen direkten Zugriff auf den Rohstoff der Zukunft. Doch unkritisch wird das Projekt nicht betrachtet. Denn der Abbau wird an einem der schönsten Orte Boliviens stattfinden. Umweltschützer und Tourismusexperten sind gleichermaßen dagegen.

Salar de Uyuni – der Salzsee voller Bodenschätze

Das Hochland Boliviens bietet Touristen eine einmalige Attraktion, die den Höhepunkt vieler Reisen bildet: der größte Salzsee der Welt, der Salar de Uyuni. Das riesige Areal aus Salz mit seinen riesigen Lagunen und den verschiedenen Farben verblüfft beinahe jeden Besucher auf den ersten Blick. Mit einer Größe von mehr als 10.000 Quadratkilometern ist der Salzsee zudem so riesig, dass sich sein Anblick und seine Schönheit niemals im Ganzen erfassen lässt. Die karge Vegetation mit den hohen Kakteen, die schroffen Felsen und das den Horizont und die Umgebung dominierende Salz in türkis, rot und violett machen den Salar de Uyuni zu einem echten Highlight für Touristen und Naturliebhaber. Doch nicht nur die Schönheit zeichnet den riesigen Salzsee aus, sondern vor allem das, was niemand auf den ersten Blick sehen kann. Unter der Salzkruste des Sees schlummert einer der größten Lithiumvorräte der Welt.

Gemeinschaftsfirma soll den Lithiumabbau vorantreiben

Nun hat Boliviens Präsident Evo Morales beschlossen, den Abbau des Lithiums voranzutreiben und sich dabei auf das Know-how und die Erfahrung ausländischer Partner zu verlassen. Mit dieser Aufgabe wurde Juan Carlos Montenegro beauftragt, der als politischer Direktor dem Lithiumprogramm Boliviens vorsteht und der selbst in Heidelberg Mineralogie studierte. So ist die Verbundenheit mit Deutschland nicht verwunderlich. Auf seine Initiative soll zur Förderung des Lithiums eine Gemeinschaftsfirma gebildet werden. Sie wird aus dem deutschen Jungunternehmen ACI Systems Alemania, das im Mai 2018 im Rahmen der deutsch-bolivianischen Energie- und Mobilitätsinitiative gegründet wurde, und dem bolivianischen Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos bestehen. Zur Unterzeichnung des notwendigen Vertrages reiste nicht nur Montenegro nach Berlin, sondern auch der deutsche Außenminister Heiko Maas sowie der Energie- und Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Geplant ist der Abbau von rund 40.000 bis 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr. Nach Berechnungen des Öko-Instituts wird allein für die Elektromobilität der globale jährliche Bedarf im Jahr 2030 bei rund 160.000 Tonnen Lithium liegen. Und damit bei einer Vervierfachung gegenüber der Minenproduktion 2015. Neue Rohstoffquellen sind also gerne gesehen und so soll gemeinsame Förderung bereits im Jahr 2021 beginnen. Die Befristung des Vertrages läuft dagegen erst 2091 aus, sodass die Förderung für die nächsten 70 Jahre gesichert wäre. Doch diese gemeinsame Absicht bleibt nicht ohne Kritiker.

Umweltschützer und Tourismusbranche sind gegen den Abbau

Es hat sich eine breite Front gebildet, die den Abbau des Lithiums direkt am Salzsee als äußerst kritisch ansieht. Zum einen sind viele der direkten Anwohner gegen eine solche Lösung, auch wenn deren Stimmen in Bolivien nur wenig Gehör finden. Viel gewichtiger und zugleich ungleich lauter ist die Tourismusindustrie des Landes, die die eigenen Gewinne in Gefahr sieht. Schließlich ist der Salar de Uyuni eine der größten Attraktionen des Landes und bringt jährlich zahlreiche Touristen und ihre Devisen ins Land. Doch auch die Umweltschützer sind gegen eine Ausbeutung der Rohstoffe, da sie eine Störung der natürlichen Flora und Fauna fürchten. Die Umweltschutzbestimmungen in Bolivien sind zudem noch so rudimentär, dass eine Verschmutzung eines viel größeren Gebietes droht.

Der Direktor des Lithiumprogramms versucht diese Einwände gezielt zu entkräften. Montenegro betont, zuletzt bei seinem Besuch in Berlin, dass zunächst einmal nur eine Fläche von 40 Quadratkilometern industriell ausgebeutet werden sollen. Das entspräche gerade einmal einem Anteil von 0,4 % der gesamten Oberfläche des Salzsees. So soll der Lithiumabbau vorangetrieben werden, ohne dass das Projekt einen Einfluss auf den Tourismus oder die Anwohner nähme. Doch die meisten Kritiker fürchten, dass es aufgrund der steigenden Nachfrage nach Lithium nicht bei dieser kleinen Fläche bleiben werde. Eine verbindliche Zusage oder gar eine Beschränkung des Projektumfangs gibt es derzeit nicht.

Lithium ist der Rohstoff der Zukunft

Lithium ist ein wichtiger Rohstoff – nicht zuletzt für die Elektromobilität. Denn Lithium dient in Batterien mit hohen Kapazitäten als Schmierstoff und ist somit für deren Betrieb beinahe unerlässlich. Nachdem die großen Vorkommen in Argentinien, Chile und Bolivien entdeckt wurden, geriet der Preis für diesen teuren Rohstoff zunächst einmal unter Druck. Doch aufgrund der steigenden Anzahl an Elektroautoproduzenten und aufgrund der zu erwartenden, steigenden Nachfrage nach diesen Fahrzeugen, wird auch die Nachfrage nach Lithium in Zukunft weiter ansteigen.

Am Salar de Uyuni sollen sowohl Lithiumkarbonat als auch Lithiumhydroxid gefördert werden. Beide Verbindungen des Rohstoffs werden für die Produktion von starken Batterien benötigt. Und wer Zugriff auf diesen Rohstoff hat, kann in Zukunft von steigenden Preisen und somit von deutlichen Mehreinnahmen profitieren. Boliviens Staatschef Morales hat aus diesem Grund beim Vertrag mit Deutschland sehr darauf geachtet, dass ein großer Teil der Gewinne in Bolivien verbleiben und dem eigenen Land zugutekommen. Dennoch sichert sich Deutschland mit diesem Deal einen Zugriff auf einen der wichtigsten Rohstoff der Zukunft.

Nachfrage nach Lithium wird weiter wachsen

Betrachtet man nur einmal die aktuellen Pläne der verschiedenen Automobilhersteller, so wird schnell klar, dass beinahe alle großen Hersteller auf die Elektromobilität umschwenken. Das bedeutet allerdings auch eine enorme Nachfrage nach leistungsstarken Batterien und somit auch nach den verschiedenen Lithiumverbindungen. Der aktuelle Schatz von Bolivien kann also im Laufe der nächsten Jahre noch erheblich an Wert gewinnen. Wird die Förderung nachhaltig aufgebaut, können sich Bolivien und Deutschland gleichermaßen über satte Gewinne freuen.

 

Verschärfen Elektroautos den Kampf um Rohstoffe? Der Faktencheck zu Lithium, Kobalt & Co. mit dem Experten für nachhaltige Ressourcenwirtschaft, Matthias Buchert vom Öko-Institut.

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