Rohstoffe 10.06.2005, 18:38 Uhr

China beherrscht den Wolframmarkt  

Bernd Bähring ist kfm. Geschäftsführer der Wolfram Bergbau- und Hütten GmbH im österreichischen St. Martin.

Der Aufstieg Chinas zur Industrieweltmacht hat die Rohstoffmärkte nachhaltig verändert. Die Preise für Eisenerz und Kokskohle schossen in die Höhe und die Stahlschmelzer mussten ihre Kosten an die Abnehmer im Automobilbereich und im Maschinenbau weitergeben. Und schon gehen vom Reich der Mitte neue Turbulenzen aus: Die Preisexplosion des strategischen Rohstoffs Wolfram beunruhigt viele Industriezweige, vor allem aber die Hersteller von Hartmetall, das hauptsächlich aus Wolfram besteht, und die Werkzeughersteller.

Noch 2003 konnte sich die Wolfram verbrauchende Welt auf ein leichtes Überangebot an Wolfram-Vorstoffen auf dem Markt einrichten – bedingt durch reichlich und preiswert fließende Lieferungen aus China und zu dieser Zeit noch genügende westliche Bergbaukapazität. Aufgrund nicht auskömmlicher Preise mussten die Bergbaubetriebe Canada Tungsten in Kanada und Beralt/Panasqueira in Portugal Ende 2003 jedoch Insolvenz anmelden. Damit fehlten für die weltweite Versorgung 3500 t Wolfram-Inhalt.

Der Gesamtweltmarkt verbraucht über 60 000 t/a, von denen 25 % bis 33 % aus Recycling stammen. Der Rest muss aus Bergbauproduktionen herrühren. Allein 40 000 t benötigt die weltweite Hartmetallindustrie und davon wieder 14 000 t die europäische.

China, als Hauptlieferant mit 40 % der weltweiten Wolfram-Reserven ausgestattet, aber z.T. ein über 80 %iger Versorger der Weltmärkte, hatte schnell realisiert, dass man bei Preiserhöhungen mangels Alternativen auf wenig Widerstand stieß und versuchte aufgrund der nun erzielbaren besseren Preise, die Bergbaureserven zu schonen und mehr Umwelt- und Grubenschutz herbeizuführen. Auch bedingt durch Mangel an Energie kam es plötzlich zu einer Verknappung von Rohstoffen auf den Weltmärkten. Dazu kam, dass Provinzen und Handelsorganisationen sich spekulativ betätigten.

Damit schossen die Preise explosionsartig in die Höhe. Ein weiterer Anstieg aufgrund des Wegfalls von Exportsubventionen in China und drohender Wechselkursänderung zwischen dem Renmimbi und dem US-$ ist wahrscheinlich. Alternativen zum Einkauf in China gibt es kaum, da namhafter westlicher Bergbau nicht mehr vorhanden ist. Außer dem Betrieb der Wolfram Bergbau- und Hütten-GmbH Nfg. KG im Salzburger Land, der ca. 1400 bis 1500 t/a Wolfram-Inhalt produziert und dem mühsam am Leben gehaltenen Betrieb von Beralt/Panasqueira in Portugal mit einer Produktion von ca. 800 t/a, gibt es derzeit keinen größeren produzierenden Bergbaubetrieb in der westlichen Welt. Die noch existierenden russischen Produktionen halten sich preislich konform zu den chinesischen Betrieben.

Die Auswirkungen der chinesischen Spekulationspolitik und künstlichen Verknappung von Rohstoffen auf die Folgemärkte sind desaströs. Die Wolfram- und Wolframkarbid-Pulverhersteller haben Mühe, die von den Vorstofflieferanten durchgereichten Preiserhöhungen an die Folgemärkte wie Automobil- und Flugzeughersteller sowie Maschinenbau-, Bergbau- und Elektronikindustrie weiterzugeben.

Auch nach einer Wiedereröffnung der Grube Canada Tungsten in den Northwest Territories von Kanada ist nicht damit zu rechnen, dass sich der Lieferengpass bessert. Das nächste Bergbauvorkommen, das eröffnen will, dürfte King Island in Tasmanien sein. Man rechnet aber dort nicht mit einem Anfahren der Produktion vor 2006. Auch die übrigen Bergbauvorkommen dürften sich erst 2007 oder 2008 realisieren.

Die Pulverhersteller sind gezwungen, ihre Vorstoffe weit voraus zu finanzieren. Sie haben z. T. eine Finanzierungsstrecke von über neun Monaten zu überwinden.

Die Tendenz wird dahin gehen, dass künftig nur kurzfristige Preisabschlüsse möglich sein werden und promptere Zahlungen gefordert werden müssen, um weitere Ablieferungen an die Folgeindustrien zu gewährleisten. Es ist klar, dass das in der gegenwärtigen Lage nicht ganz einfach durchzuholen sein wird. B. BÄHRING

Von B. Bähring

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