Öl 20.07.2001, 17:30 Uhr

BP will Aral übernehmen

Die Konzentration im deutschen Tankstellengeschäft hält an. Der Multi BP erhält die Mehrheit an Aral von der E.on, die im Gegenzug bei der Ruhrgas einsteigt – wenn die Kartellämter zustimmen. RWE und Shell haben ihre Tankstellen bereits vereint.

Der BP-Konzern, London, und der deutsche Energieversorger E.on in Düsseldorf haben einen milliardenschweren Tausch ihrer Öl- und Gasgeschäfte vereinbart, mit dem BP die Nummer Eins auf dem deutschen Benzinmarkt werden könnte. Beide Konzerne teilten am Montag mit, zum Jahreswechsel werde der britische Ölkonzern 51 % an der E.on-Tochter Veba Oel mit deren Tankstellennetz Aral übernehmen. E.on erhalte im Gegenzug 51 % Anteile der BP-Tochter Gelsenberg und so Einfluss auf den größten deutschen Gasversorger Ruhrgas in Essen.

Nach Firmenangaben entsteht durch den Tausch eine einheitliche Tankstellenkette mit 3500 Stationen in Deutschland, wobei der Markenname Aral erhalten bleiben soll. BP kündigte bereits an, nach der Zusammenlegung sei ein Abbau von 1500 Stellen zu erwarten.

Vor einigen Wochen hatte bereits der Essener RWE-Konzern die Zusammenlegung seiner DEA-Tankstellen mit denen der niederländisch-britischen Shell angekündigt, wodurch Aral von der Spitzenposition in Deutschland verdrängt würde. Branchenexperten gehen davon aus, dass das Zusammengehen von BP und Aral den Druck auf kleine Tankstellenpächter weiter erhöht.

BP-Chef John Browne nannte den Tausch am Montag in Düsseldorf „ein hervorragendes Geschäft“. E.on-Vorstandschef Ulrich Hartmann sprach von einem angemessen Preis für Veba Oel. Außerdem biete das Vorhaben „sehr interessante Wachstumsperspektiven“. Wie es hieß, haben die Partner weitere Schritte vor. Nach der Übernahme von zunächst 51 % an Veba Oel zum Jahreswechsel könne BP im zweiten Quartal 2002 auch Alleineigentümer werden. Bei der Zusammenführung sollen die Kosten um 15 % sinken und rund 1500 Arbeitsplätze entfallen. Dies würde rund einem Zehntel der jetzigen Belegschaft von Veba Oel und BP in Deutschland entsprechen.

Die Einsparungen bei der Zusammenführung der Geschäfte von Aral und BP sollen nach Brownes Angaben pro Jahr mindestens 200 Mio. Dollar betragen. Aral unterhalte 2560 Tankstellen in Deutschland, BP besitze in der Bundesrepublik rund 950 Tankstellen. Nach Brownes Worten würden beide Konzerne damit in Deutschland auf einen Marktanteil von gut ein Viertel kommen und damit den von DEA und Shell zusammen übertreffen. DEA und Shell betreiben insgesamt rund 3200 Tankstellen im Inland. In Europa werde BP mit dem Tauschgeschäft seinen Marktanteil von 10 % auf 16 % ausbauen, sagte Browne.

Im Gegenzug für die Abgabe der Veba Oel erhält E.on unter anderem die Mehrheit an der BP-Tochter Gelsenberg, die wiederum eine 25,5-%-Beteiligung am größten deutschen Gasversorger Ruhrgas hält. E.on-Chef Hartmann sagte, damit erreiche sein Konzern nun bei der Ruhrgas eine maßgebliche Position. Ruhrgas zähle zu den drei großen europäischen Gasunternehmen. Die Ruhrgas-Aktivitäten in der Fernversorgung ergänzten die gute Stellung seines Unternehmens in der Gasendverteilung ideal. Konkurrenten von Ruhrgas sind beispielsweise die British Gaz und die Gaz de France.

Analysten werteten die Vereinbarungen übereinstimmend positiv. Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Opp sagte: „E.on hat einen sehr guten Preis für Veba Oel erzielt und bezahlt hingegen für die Gelsenberg-Anteile an der Ruhrgas nur den Marktpreis.“ Phillip Bonhoeffer, Analyst bei Merck Fink, hob hervor, das Geschäft passe trefflich in die E.on-Strategie. Vor allem im Gasbereich eröffneten sich gute Chancen. E.on könne nun versuchen, von den anderen Gesellschaftern Ruhrgas-Anteile aufzukaufen, um damit die Kontrolle über den größten deutschen Gasversorger zu gewinnen. Beide Experten wiesen aber darauf hin, das Risiko sei sehr groß, dass deutsche und Brüsseler Kartellbehörden Einwände gegen das Vorhaben vorbringen könnten.

rtr/mab/mg

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