Naturwerkstoffe 09.10.2009, 19:43 Uhr

Biorohstoffe florieren in der Industrie  

Statt auf begrenzt verfügbare fossile Rohstoffe setzt die Industrie immer öfter auf nachwachsende Biomaterialien. Die Produkthersteller reagieren damit nicht nur auf steigende Rohstoffpreise, sondern stärken zugleich ihr Öffentlichkeitsprofil als nachhaltig wirtschaftende Unternehmen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 10. 09, Si

Der Weltmarkt für Chemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen wird bis zum Jahr 2015 auf einen Marktwert von über 5 Mrd. $ ansteigen und sich damit gegenüber 2008 (1,63 Mrd. $) verdreifachen. Das prognostiziert die Unternehmensberatung Frost & Sullivan, Frankfurt/Main, in einer Studie, in der die Anwendungen für Milchsäure, Bernsteinsäure, Glyzerin und 1,3-Propandiol in Biokunststoffen, Bioverbundstoffen und im Bereich der „grünen“ Chemikalien untersucht wurden.

„Die wichtigsten Argumente für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe sind die Stabilität und Planbarkeit der Preise sowie die einfache Verfügbarkeit“, begründet Senior Research Analyst Phani Raj Kumar Chinthapalli die guten Wachstumsaussichten. Denn so enorme Preisschwankungen, wie sie bei fossilen Rohstoffen festgestellt wurden, gebe es bei nachwachsenden Rohstoffen wie Weizen oder Zucker nicht.

Zudem ließen sich die Unternehmen auch von den ökologischen Vorzügen nachwachsender Rohstoffe leiten, wie der Unternehmensberater erklärte. So würden beispielsweise beim Herstellungsprozess des Biokunststoffs Sorona von DuPont aus nachwachsenden Rohstoffen bis zu 50 % weniger Treibhausgase freigesetzt als bei der Herstellung des Polyamids Nylon 6 aus nicht erneuerbaren Ausgangsstoffen.

Allerdings fehle dem Markt für Chemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen noch eine gute Integration von Unternehmen zu Unternehmen, wie sie etwa in der etablierten petrochemischen Industrie vorhanden sei. Dazu, so Chinthapalli, müssten erst zwei völlig unterschiedliche Lieferketten – nämlich die der Lebensmittel- und die der chemischen Industrie – miteinander verknüpft werden.

Marktreife kompostierbare Schrumpffolie für den Vertrieb von Getränke-Sixpacks

Chinthapalli: „Die Lebensmittelindustrie ist für die erste Hälfte verantwortlich – bis zur Produktion der Chemikalie durch Fermentierung oder andere Prozesse aus biologischen Ausgangsstoffen für die zweite Hälfte ist dann die chemische Industrie zuständig, die den Anwendungsmarkt bedient.“

Erfolgreich aktiv auf dem Gebiet der Biokunststoffe ist beispielsweise Alesco in Langerwehe. Der Folienhersteller präsentierte jüngst eine kompostierbare Schrumpffolie aus nachwachsenden Rohstoffen. Die „Bioshrink“ genannte Folie ist zunächst für 6 x 0,5 l PET- und PLA-Getränkegebinde verfügbar, weitere Anwendungsgrößen sollen folgen.

„Als wir vor zwei Jahren unsere ersten Biofolien präsentierten, hätten wir es selbst nicht für möglich gehalten, in so kurzer Zeit auch eine kompostierbare Schrumpffolie marktreif präsentieren zu können“, erläuterte Alesco-Geschäftsführer Philipp Depiereux die große Herausforderung für den Kunststoffverarbeiter. Es musste eine Rezeptur gefunden werden, die ein verlässliches Schrumpfverhalten und Oberflächeneigenschaften für eine optimale Gleitfähigkeit ermöglicht.

Inzwischen wurde dieses Problem gelöst, wie Testläufe bei einem Erfrischungsgetränkeabfüller bestätigten. „Das Folienverhalten auf den Verpackungsmaschinen war sehr gut und absolut marktreif“, erklärte Daniel Gebels, der bei SDI in Erftstadt für den Einkauf verantwortlich ist. Der Getränkeabfüller führt bereits Gespräche mit interessierten Kunden, um die neue Folie zukünftig auf den Markt zu bringen.

Biopolymere können zunehmend auch in der Automobilproduktion und in der Bautechnik herkömmliche Kunststoffe ersetzen, die aus fossilen Rohstoffen hergestellt wurden. So präsentiert beispielsweise das Land Baden-Württemberg auf der Messe Biotechnica vom 6. bis 10. Oktober in Hannover als jüngstes Erfolgsbeispiel seiner Clusterpolitik zwei Kunststoffprodukte auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Der von Biopro Baden-Württemberg, Stuttgart, initiierte Cluster Biopolymere/Biowerkstoffe hat mit seinen Partnern BASF, Bosch, Daimler und Fischerwerke das neue, zu 100 % biobasierte Polyamid Nylon-5,10 entwickelt und daraus einen Pkw-Motorlüfter und einen Wanddübel hergestellt. Basiskomponenten des neuen Materials sind biotechnologisch erzeugtes Diaminopentan und Sebazinsäure aus Rizinusöl. Die serientauglichen Produkte können somit ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. ROLF MÜLLER-WONDORF/Si

Entwicklungscluster Biopolymere/ Biowerkstoffe

-Mit biotechnologischen Verfahren Grundstoffe für die Chemie herzustellen ist das Ziel des Clusters Biopolymere/Biowerkstoffe in Baden-Württemberg.

-Neuestes Entwicklungsbeispiel ist ein Polyamid aus nachwachsenden Rohstoffen, dessen Basiskomponenten Diaminopentan und Sebazinsäure aus Rizinusöl hergestellt werden.

-Der Nylon-5,10 bezeichnete technische Kunststoff eignet sich insbesondere dort, wo von Konstrukteuren Gewichtsersparnis gewünscht und zugleich hohe Stabilität gefordert werden. Si

Von Jürgen Siebenlist
Von Jürgen Siebenlist

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