2700 Meter tief 29.07.2014, 12:40 Uhr

Bayerische Firma bohrt in Brandenburg nach Erdgas

Das Energiehandelsunternehmen Bayerngas hat in der Nähe der Kleinstadt Beeskow in Brandenburg mit Testbohrungen begonnen. Die Experten vermuten in 2700 Metern Tiefe zwischen fünf und zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas. Genug, um eine mittlere Großstadt zehn Jahre lang zu versorgen. 

Vibrationsfahrzeuge suchen zwischen Beeskow und Schneeberg nach Erdgasvorkommen. Falls Bayerngas bei der Testbohrung auf Erdgas stößt, werden in der Umgebung weitere Bohrtürme zum Einsatz kommen. 

Vibrationsfahrzeuge suchen zwischen Beeskow und Schneeberg nach Erdgasvorkommen. Falls Bayerngas bei der Testbohrung auf Erdgas stößt, werden in der Umgebung weitere Bohrtürme zum Einsatz kommen. 

Foto: Bayerngas

Hinweise auf den unterirdischen Energieträger zwischen Beeskow und Schneeberg haben frühere Testbohrungen ergeben, die von der DDR zwischen 1964 und 1989 durchgeführt wurden. Jetzt will es das Unternehmen Bayerngas aus München genau wissen. „Wir machen hier erst einmal eine Nachweisbohrung. Wir wollen herausfinden, wie viel Gas wir tatsächlich haben und wie die Fließeigenschaften der Lagerstätte sind“, sagte Projektleiter Jens Nissen von Bayerngas dem Rundfunk Berlin Brandenburg. „Und wenn wir uns entschieden haben zu fördern, dann würde diese Bohrung auch als Förderbohrung verwendet werden.“ Die Probebohrungen sollen mindestens bis September dauern.

Fracking als Fördermethode wird ausgeschlossen

Der 40 Meter hohe Bohrturm steht auf einem Acker bei Beeskow. Das Gas wird in 2700 Metern Tiefe im Sandstein vermutet. Falls das Unternehmen auf Erdgas stößt, werden in der Gegend weitere Bohrtürme aufgestellt. Die anfängliche Skepsis unter den knapp 8000 Einwohnern in Beeskow scheint auch schon verflogen zu sein. Bayerngas hat von Anfang an auf Gespräche in der Kleinstadt gesetzt.

Gasfackel in Assing bei Taching: Anfang Januar 2012 hatte Bayerngas das Gasfeld im oberbayerischen Landkreis Traunstein offiziell in Betrieb genommen. Täglich gelangen rund 20.000 Kubikmeter umweltschonendes Gas zu bayerischen Kunden.

Gasfackel in Assing bei Taching: Anfang Januar 2012 hatte Bayerngas das Gasfeld im oberbayerischen Landkreis Traunstein offiziell in Betrieb genommen. Täglich gelangen rund 20.000 Kubikmeter umweltschonendes Gas zu bayerischen Kunden.

Foto: Bayerngas

Sollten die Bohrungen erfolgreich sein, soll das Gas unterirdisch transportiert werden. Fracking als Fördermethode wird ausgeschlossen. Bei dieser umstrittenen Technologie wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst. So wird das Gestein aufgespalten und das darin enthaltene Erdgas kann aus den tiefen Schichten gefördert werden. Doch die Folgen dieser Methode für die Umwelt sind bisher kaum erforscht. Weil Chemikalien eingesetzt werden, könnte möglicherweise das Trinkwasser verunreinigt werden. 

Niedersachsen ist das erdgasreichste Bundesland

Deutschland ist beim Erdgas in hohem Maße auf Importe angewiesen. Nur etwa zwölf Prozent des Bedarfs werden im eigenen Land produziert. Das sind jedes Jahr etwa elf Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das erdgasreichste Bundesland ist Niedersachsen. Sein Anteil an der deutschen Förderung beträgt laut Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) 96 Prozent. Mehr als die Hälfte der deutschen Erdgasproduktion stammt aus der Förderregion Weser-Ems. Schleswig-Holstein trägt als zweitgrößtes Erdgasproduktionsland mit zwei Prozent zur Förderung bei.

Rund 88 Prozent des Erdgasaufkommens importiert Deutschland. Das meiste Gas kommt aus Russland. Zweitgrößter Lieferant ist Norwegen. Für die weltweiten Vorräte gibt es unterschiedliche Schätzungen. Demnach reicht das Erdgas noch weitere 60 bis 160 Jahre. 

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