Asphalt und Astronautenfutter 20.10.2015, 07:55 Uhr

5 verblüffende Einsatzmöglichkeiten für Algen

Algen können viel mehr als im Teich rumdümpeln: Sie entpuppen sich weltweit als perfektes Basismaterial für umweltfreundliche Hightech-Anwendungen. Das sind 5 der verblüffendsten. 

Am Forschungszentrum Jülich wurde im Sommer 2014 das "Algen Science Center" in Betrieb genommen, in dem Algen gezüchtet und drei Produktionssysteme für diese Biomasse miteinander verglichen werden. 

Am Forschungszentrum Jülich wurde im Sommer 2014 das "Algen Science Center" in Betrieb genommen, in dem Algen gezüchtet und drei Produktionssysteme für diese Biomasse miteinander verglichen werden. 

Foto: Matthias Balk/dpa

1. Algen produzieren Öl für Biokraftstoff

Denso will mit Algen Biokraftstoff herstellen. Der zur Toyota-Gruppe gehörende Autoteile-Zulieferer nimmt 2016 ein Testzentrum in Amakusa im Westen Japans in Betrieb. In drei Zuchtteichen startet die Massenproduktion der Algenart Pseudochoricystis ellipsoidea. Sie produziert mittels Fotosynthese ein Öl, das leichtem Mineralöl ähnelt. Denso will es mit Hilfe von Mikrowellen in Biotreibstoff umwandeln.

Werksbus von Isuzu fährt mit Biodiesel auf Algenbasis.

Werksbus von Isuzu fährt mit Biodiesel auf Algenbasis.

Foto: Isuzu

Im Vergleich zu Mais oder Zuckerrohr vermuten die Forscher in den Algen eine wirtschaftlichere Basis für Biokraftstoff, da sie schneller wachsen. Der japanische Automobilkonzern Isuzu Motors hat 2014 bereits einen Bus in Betrieb genommen, der mit Algendiesel unterwegs ist.

2. Aus Algen lässt sich Straßenasphalt herstellen

Recht ungewöhnlich klingt auch das, was französische Forscher an der Universität Nante herausgefunden haben. Aus Mikroalgen lässt sich ein Bioasphalt herstellen, der ebenso haltbar ist wie klassische Straßenbeläge. Das funktioniert so: Die Wissenschaftler verrühren Algen mit Wasser zu einem Brei und erwärmen ihn in einem Druckbehälter auf 200 °C.

Herstellung von Biobitumen: Die Forscher verrühren Mikroalgen mit Wasser zu einem Brei und erhitzen ihn unter Druck auf maximal 200 °C. Die erdölartige Flüssigkeit wandeln sie anschließend in Biobitumen um. 

Herstellung von Biobitumen: Die Forscher verrühren Mikroalgen mit Wasser zu einem Brei und erhitzen ihn unter Druck auf maximal 200 °C. Die erdölartige Flüssigkeit wandeln sie anschließend in Biobitumen um. 

Foto: Algosource

Dabei entsteht eine erdölähnliche Flüssigkeit, die sich in sogenanntes Bitumen umwandeln lässt – das ist die klebrige Masse, in die Splitt eingebettet ist. Bislang besteht sie aus Erdöl. „Mikroalgen bieten uns eine attraktive Lösung zur Schonung der Erdölvorräte“, sind die Wissenschaftler überzeugt.

3. Algen filtern Schadstoffe der Landwirtschaft

Die Rinderhaltung verursacht schädliche Emissionen. Besonders problematisch ist Ammoniak, das frei wird, wenn Mikroorganismen Harnstoff und Eiweiß in Exkrementen der Nutztiere zersetzen. Es kann den Zellstoffwechsel der Bäume stören und Böden und Gewässer versauern. Was also tun? Die Mikroalgenart Chlamydomonas acidophila als Filter einsetzen, sind Forscher des baskischen Instituts Neiker-Tecnallia überzeugt.

Mikroalgen absorbieren im Labor Ammoniak aus organischen Abfällen. 

Mikroalgen absorbieren im Labor Ammoniak aus organischen Abfällen. 

Foto: Basque Research

Im Labor waren sie schon erfolgreich: Die Algen absorbieren Ammoniak aus organischen Abfällen und verhindern ein Entweichen in die Atmosphäre. Nach der Verwendung als Filter könnten Landwirte die Algen als Futter oder Material für Biogasanlagen nutzen.

4. Algen eignen sich als Nahrungsmittel für Astronauten 

Algen eignen sich auch hervorragend für die Raumfahrt. Warum? Weil sie mit ihrem wertvollen Eiweiß perfekte Nahrung für Astronauten auf Langzeitmission sind. Gleichzeitig sind sie Luftverbesserer: Bei der Photosynthese nehmen die Mikroorganismen Kohlendioxid aus der Atemluft auf und wandeln es in Sauerstoff um.

Prototyp eines Photobioreaktors der Uni Stuttgart, in dem Algen als Nahrungsquelle im Weltall gezüchtet werden.

Prototyp eines Photobioreaktors der Uni Stuttgart, in dem Algen als Nahrungsquelle im Weltall gezüchtet werden.

Foto: Daniel Naupold/dpa

Sie könnten sich zudem in Kombination mit Wasserstoff in Brennstoffzellen in elektrische Energie umwandeln lassen. 2018 wollen Forscher der Universität Stuttgart den Prototypen einer Zuchtanlage zur Internationalen Raumstation ISS schicken und darin die Blaualge Spirulina züchten.

5. Auf Algen kann Ski gefahren werden 

Skifahren auf einer Algenpiste? Klingt komisch, ist aber gar nicht so unwahrscheinlich. Forscher der Technischen Universität Dresden haben einen Algenteppich namens BioGlizz entwickelt. Er wächst auf einem textilen Nährboden, der wiederum auf einer dämpfenden Schaumstoffschicht liegt. Die weichen Algen sind robust und gleichzeitig verformbar, sodass ein Gleiten auf ihnen möglich ist. Über Nacht könnten sie in Skihallen einfach nachwachsen. Doch werden Skienthusiasten sich mit einem grünen Untergrund anfreunden können? Das steht in den Sternen.

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