Robotik 07.11.2008, 19:38 Uhr

Weltweiter Robotereinsatz lässt Zukunftsmärkte erkennen  

VDI nachrichten, Frankfurt/Main, 7. 11. 08, ciu – Wie sich die weltweite Finanzkrise auf die Automatisierungsbranche auswirkt, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Die größten Perspektiven liegen dabei zunehmend in Branchen außerhalb der Automobilindustrie. Aufschlüsse über Marktchancen kann da eine aktuelle Studie der internationalen Robotervereinigung IFR, Frankfurt/Main, geben. So lässt sich anhand von „Roboterdichte“ und Absatz erkennen, wo die Akzeptanz für Automation steigt.

Bereits 2011 sollen laut der IFR-Studie „World Robotics 2008“ über 18 Mio. Roboter in der Industrie und im privaten Umfeld Menschen bei Arbeitsprozessen unterstützen und für Freizeitunterhaltung sorgen. Vergangenes Jahr waren weltweit 5,5 Mio. Roboter im Einsatz.

Laut der Studie gilt die „Roboterdichte“, also die Anzahl der Industrieroboter pro 10 000 Produktionsarbeiter, als Gradmesser für die Automation. „Der Automatisierungsgrad der verschiedenen Industrien hängt stark mit den Lohnkosten der Länder zusammen“, erklärte Gudrun Litzenberger, Direktorin des Statistical Department der International Federation of Robotics (IFR). „Allerdings erfordern hohe Qualitätsanforderungen auch in Billiglohnländern eine entsprechende automatisierte Fertigung.“ Generell gelte aber immer noch: Dort, wo Arbeit billig ist, werden viele Produktionsprozesse zum großen Teil von Hand erledigt.

Mit 310 Industrierobotern auf 10 000 Beschäftigte in der verarbeitenden Industrie ist Japan das Land mit der höchsten Roboterdichte. Obwohl der Markt mittlerweile stagniert, findet sich hier nach wie vor der größte Absatz. Es folgen Deutschland mit 234 und Südkorea mit 185 Industrierobotern. Deutlich höher ist die Dichte in der Automobilindustrie: Der wichtigste Kunde von Industrierobotern hat in Japan 2100 und in Italien 1772 Roboter pro 10 000 Produktionsarbeiter im Einsatz. Dann folgt Deutschland mit einer Dichte von 1439, vor den USA mit 997.

Glaubt man der Studie der internationalen Vereinigung von Roboterherstellern, so sind die Aussichten trotz schwächelnder Automobilindustrie weiterhin gut. „Die Roboterlieferungen werden zwischen 2009 und 2011 jährlich um durchschnittlich 4 % zunehmen“, so Litzenberger. Grund: Der Industrieroboter ist eine Schlüsselkomponente für automatisierte Produktionsprozesse. „Stagnierende oder nur langsam wachsende Investitionen der Autoindustrie werden bis zu einem Grad durch eine enorme Nachfrage aus allen anderen Industrien kompensiert“, erklärte die Direktorin.

Absatzschwierigkeiten der Automobilbranche schlagen sich auch in der Roboterstudie nieder. Steigender Absatz von Autos könne demnach nur noch in den Wachstumsmärkten Indien, Südostasien, Russland und anderen Ländern erreicht werden. In den gesättigten Märkten Westeuropa, Nordamerika, Japan und Südkorea seien verbesserte Technologien der Schlüssel für weiteres Umsatzwachstum.

Darauf reagierten Roboterhersteller vermehrt mit Lösungen, die den spezifischen Anforderungen ihrer Kunden gerecht werden. Die automatisierte Handhabung und Bereitstellung von Teilen gewinne z. B. in der Metall-, Nahrungs- und Getränke-, Pharma- und Photovoltaikindustrie sowie der Medizintechnik stark an Bedeutung. So könne die Automatisierung mit Robotern die Einsatzdauer in ihren Fabriken erhöhen: Palettieren, Verpacken, Greifen und Platzieren – bei Bedarf rund um die Uhr.

Die zunehmende Automatisierung in diesen Branchen sorgt bei Roboterherstellern bereits im laufenden Jahr für gute Bilanzen. Für 2008 ermittelte das IFR für ein weltweites Wachstum von 4 %. „Die Nachfrage aus China, Indien, Asien, Mittel- und Osteuropa sowie Südamerika wird weiter überdurchschnittlich steigen“, betonte Litzenberger. Produktivität, demografisch bedingter Arbeitskräftemangel, hohe Qualitätsstandards, Umweltschutz, die Reduzierung von gefährlicher und gesundheitsschädigender Arbeit, Energie- und Infrastrukturkosten, unflexible Produktion usw. würden laut Studie die Nachfrage nach Roboter weiter stimulieren.

Auch der Markt für Serviceroboter wächst. Mit 25 % hatte 2007 der Bereich Verteidigung, Service und Sicherheit den größten Anteil. Die Landwirtschaft, wo z. B. Melkroboter eingesetzt werden, folgte mit einem Anteil von 20 %. An dritter Stelle fanden sich mit 12 % die Reinigungsroboter und Unterwassersysteme wieder. Einen Marktanteil unter 10 % verzeichneten Bau- und Abbruchroboter, Medizinroboter und mobile Plattformen. Bis Ende 2007 wurden weltweit insgesamt 49 000 Einheiten, mit einem Gesamtwert von 7,8 Mrd. $, installiert. Zwischen 2008 und 2011 werden laut Studie 54 000 weitere Serviceroboter hinzukommen.

Litzenberger: „Unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung entsteht in den nächsten zehn Jahren zur Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen ein Schlüsselbereich der Service-Robotik“. Für den Einsatz im privaten Haushalt, z. B. als Staubsauger, Bodenreiniger oder Rasenmäher, wurden 2007 allein 3,4 Mio. Einheiten auf den Markt gebracht. Hinzu kamen noch mal 2 Mio. Serviceroboter für die Unterhaltung.

Zwischen 2008 und 2011 wird die Automatisierung mithilfe von Robotern weiter ausgebaut: Laut Studie werden professionelle Serviceroboter für mehr als 9 Mrd. $ verkauft. Der Markt von Haushaltsrobotern könne im gleichen Zeitraum ein Gesamtvolumen von 3,3 Mrd. $ erreichen. D. VEISER

„World Robotics 2008“, International Federation of Robotics, c/o VDMA Robotics + Automation, Frankfurt, 450 S., ab 119 €.

www.worldrobotics.org

 

Von D. Veiser
Von D. Veiser

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