Testlauf für AlphaDog 16.07.2014, 11:05 Uhr

US-Marines trainieren Seite an Seite mit einem Roboter

Nein, es ist kein Science-Fiction-Film oder Computerspiel, sondern Realität: US-Marines trainierten bei einer Übung auf Hawaii erstmals Seite an Seite mit einem Roboter. Gebaut wurde der fortschrittlichste vierfüßige Roboter der Welt namens LS3 AlphaDog von Boston Dynamics. 

Im simulierten Kampfeinsatz machte AlphaDog auf Hawaii erste Gehversuche. Er hat 80 Prozent des Geländes und sogar Steigungen bis zu 35 Prozent gemeistert. 

Im simulierten Kampfeinsatz machte AlphaDog auf Hawaii erste Gehversuche. Er hat 80 Prozent des Geländes und sogar Steigungen bis zu 35 Prozent gemeistert. 

Foto: screenshot ingenieur.de/BBC News

In einem simulierten Kriegsgebiet auf Hawaii versorgte der mechanische Packesel LS3 AlphaDog von Boston Dynamics erstmals Soldaten mit Vorräten. Und eroberte ihre Herzen dabei scheinbar im Sturm. Nachdem er 80 Prozent des Geländes und sogar Steigungen bis zu 35 Grad zuverlässig meisterte, gaben sie ihm kurzerhand den Spitznamen Cujo. Dieser war während der Übung zwar noch auf eine elektronische Leine angewiesen, ein Soldat steuerte die metallene Wuchtbrumme mit einem Funk-Joystick. Später aber soll er auf Sprachbefehle und Gesten reagieren, Soldaten hinterherlaufen und mit einem GPS-Navigationssystem sogar ohne Begleitung Aufträge ausführen können.

Prototyp rennt mit 180 Kilogramm Gepäck 11,3 km/h schnell

Was Cujo alles kann, bestaunten über 16 Millionen Menschen auf YouTube schon zu Beginn der Entwicklung im Jahr 2008. Dem Roboter knickten zwar im matschigen oder eisigen Gelände regelmäßig die Beine weg, trotzdem fand er in einem sekundenschnellen Balanceakt immer das Gleichgewicht wieder. Und genau darauf kommt es an, wenn er in Zukunft in echten Kampfeinsätzen mithalten will.

AlphaDog bringt Soldaten während der Übung auf Hawaii Wasser. Er kann 180 Kilogramm an Vorräten transportieren. Mit einer Tankfüllung geht er 32 Kilometer weit. 

AlphaDog bringt Soldaten während der Übung auf Hawaii Wasser. Er kann 180 Kilogramm an Vorräten transportieren. Mit einer Tankfüllung geht er 32 Kilometer weit. 

Foto: Screenshot ingenieur.de/BBC News

Machten frühe Prototypen mit einem Verbrennungsmotor noch unerträglichen und verräterischen Lärm, bewegte sich die neue Version auf Hawaii schon zehnfach leiser und sogar schneller: Alphadog ist in schwerem Gelände mit 4,8 km/h in etwa so schnell wie ein spazierender Soldat, im Rennmodus beschleunigt er auf ebener Fläche auf 11,3 km/h – und das mit bis zu 180 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken. Eine Treibstofffüllung reicht für bis zu 32 Kilometer.

Kritiker befürchten bewaffnete Roboter wie in Terminator

Ursprüngliches Herrchen des Alphadogs ist Boston Dynamics. Der US-amerikanische Roboterhersteller arbeitet im Auftrag der US-Behörde Darpa, gehört mittlerweile zu Google und hat auch schon Atlas entwickelt. Der 1,90 Meter große und 150 Kilogramm schwere humanoide Roboter aus Titan und Aluminium ist für den Einsatz im Freien konzipiert. Er kann genau wie Alphadog über unebenes Gelände gehen, sein Gleichgewicht wiederfinden, aber auch Dinge hochheben, auf Leitern klettern und sogar Auto fahren. Möglich machen das Kameras, Sensoren und Laser an allen Gliedmaßen, die pro Sekunde ein Gigabyte an Daten aufzeichnen.

Google will kein Auftragnehmer des Pentagon werden

Kritikern gefällt diese Kombination Boston Dynamics, Google und Darpa allerdings garnicht. Sie fürchten, dass irgendwann bewaffnete Roboter in den Krieg ziehen – in etwa wie im Science-Fiction-Film Terminator. Google gibt aber Entwarnung: Der Konzern will die Verträge zwischen Boston Dynamics und dem Militär anerkennen, selbst aber nicht zum Auftragnehmer des Pentagons werden. 

Von Patrick Schroeder

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