Schutz für Wohngebiete 20.11.2014, 06:55 Uhr

Überwachungsroboter K5 soll Sicherheitsgewerbe revolutionieren

R2D2 lässt grüßen: Ein aufrecht stehender, eiförmiger Roboter auf Rädern soll in amerikanischen Wohngebieten für Sicherheit sorgen. Das Start-up Knightscope bringt das rollende Überwachungsgerät Anfang 2015 auf den Markt und will damit das Sicherheitsgewerbe revolutionieren. 

K5 erkennt jede Abweichung der gewohnten Umgebung: Eine 360-Grad-Kamera für sichtbares Licht, eine Infrarotkamera, Ultraschall und Radar informieren ihn über Entfernung, Geschwindigkeit und Abmessungen aller Objekte in seiner Nähe. 

K5 erkennt jede Abweichung der gewohnten Umgebung: Eine 360-Grad-Kamera für sichtbares Licht, eine Infrarotkamera, Ultraschall und Radar informieren ihn über Entfernung, Geschwindigkeit und Abmessungen aller Objekte in seiner Nähe. 

Foto: Knightscope

Er rollt, blinkt, funkt und glänzt weiß, wiegt 130 Kilo, ist 152 Zentimeter groß und vollgestopft mit Technik. Außerdem ist er extrem neugierig, und seine Form erinnert ein wenig an eine Kreuzung zwischen aufrecht stehender Zigarrenhülle und Eierkocher: der Sicherheitsroboter Knightscope Autonomous Data Machine der amerikanischen Firma Knightscope – oder kurz K5. Das Start-up will den kleinen Bruder des Star-Wars-Helden R2D2 Anfang 2015 auf den Markt bringen. Genau wie das große Vorbild soll K5 ebenfalls zur Rettung der Menschheit beitragen – allerdings nicht in ganz so großem Stil, sondern eher auf individueller Ebene. 

Immer auf der Suche nach Ungewöhnlichem 

K5-Roboter sollen in Wohngebieten, Einkaufszentren und Schulen für Sicherheit sorgen, indem sie dort patrouillieren und ungewöhnliche Vorfälle erkennen, die sie dann an menschliche Überwacher melden. Das können Brände oder Gaslecks sein, aber auch Personen, die sich unberechtigt in dem überwachten Gebiet aufhalten, oder unbekannte Autos, die dort nichts zu suchen haben. 

Das funktioniert, indem K5 die Gegend ständig scannt, filmt, mit früheren Aufnahmen vergleicht und jeden Winkel seines Reviers in- und auswendig kennt, um nicht zu sagen: totalüberwacht. Das haben seine menschlichen Kollegen, die üblicherweise für diese Aufgaben eingesetzten Sicherheitsleute, bisher ebenfalls gemacht. Aber die haben die Ergebnisse nicht digital gespeichert, gesammelt, weitergeleitet und sich nicht auf Algorithmen und Datenbanken verlassen, sondern auf Erfahrung, Menschenkenntnis und Intuition – zumindest idealerweise. 

K5 ist vollgestopft mit Technik

Allerdings verfügen Wachleute auch nicht über die Technik, mit der K5 daherkommt: Der rollende Dreikäsehoch ist bis zur Halskrause vollgestopft mit Technik, die ihn bei seinen Aufgaben unterstützt. Eine 360-Grad-Kamera für sichtbares Licht, eine Infrarotkamera, Ultraschall und Radar verschaffen ihm Überblick über die Umgebung und informieren ihn über Entfernung, Geschwindigkeit und Abmessungen aller Objekte in seiner Nähe. 

K5 auf Patrouille: Seine Ohren bestehen aus Mikrophonen, seine Nase ist ein Sensor, der die Luftqualität überwacht und eventuelle Schadstoffe erkennt. Eine Akkuladung reicht für eine 24-Stunden-Schicht. 

K5 auf Patrouille: Seine Ohren bestehen aus Mikrophonen, seine Nase ist ein Sensor, der die Luftqualität überwacht und eventuelle Schadstoffe erkennt. Eine Akkuladung reicht für eine 24-Stunden-Schicht. 

Foto: Knightscope

Seine Ohren bestehen aus Mikrophonen, seine Nase ist ein Sensor, der die Luftqualität überwacht und eventuelle Schadstoffe erkennt. Wenn er müde wird, ihm also die Energie ausgeht, findet er per Laserscan und GPS selbst den Weg zurück zur Aufladestation. Dort hängt er sich für rund 20 Minuten ans Stromnetz, bevor er wieder frisch und ausgeruht für die nächste 24-Stunden-Schicht ist.

Alles im Griff mit GPS, Gesichts- und Texterkennung

Wo er gerade ist, erfährt der kleine Kontrolleur über GPS und WLAN. Er verfügt über 3D-Mapping, um Objekte und Gebäude von allen Seiten erfassen zu können. Menschen erkennt er per Gesichtserkennung, und er ist in der Lage, Kennzeichen von Autos zu lesen und mit seinen Daten abzugleichen – wenn sich ein fremdes Fahrzeug nähert, bleibt das nicht lange verborgen. Durch eine Kombination von Gesichts- und Kennzeichenerkennung könne K5 auch erkennen und melden, wenn zum Beispiel ein Kind in das falsche Auto steigt, so die Hersteller. 

Der neugierige Geselle registriert nicht nur, sondern ruft auch um Hilfe, versprechen die Hersteller: zum Beispiel, wenn jemand auf dem Boden liegt und durch Gesten auf sich aufmerksam macht. Dann schließt der Roboter auf eine hilflose Person und sorgt für Unterstützung. Überhaupt setzt Knightscope mit dem intelligenten Blecheimer vor allem auf Prävention. Verbrechen und Unglücke sollen im Vorfeld verhindert werden, indem rechtzeitig Alarm gegeben, Gebäude evakuiert oder ein Eindringling erkannt wird. 

K5 alarmiert bei Bedarf menschlichen Kollegen

Bemerkt K5 etwas Ungewöhnliches, alarmiert er die Einsatzstelle, wo echte Menschen reagieren – entweder über den integrierten Lautsprecher, durch persönliches Auftreten oder indem sie die Polizei informieren. Selbst agieren kann und soll K5 zumindest nach derzeitigem Stand nicht: Waffen, Elektroschocker, Fangnetze oder Ähnliches sind im aktuellen Modell nicht vorgesehen. 

Bemerkt K5 etwas Verdächtiges in der Umgebung, alarmiert er seine menschlichen Kollegen. Sie können vor Ort eilen oder über den integrierten Lautsprecher des Roboters sprechen. 

Bemerkt K5 etwas Verdächtiges in der Umgebung, alarmiert er seine menschlichen Kollegen. Sie können vor Ort eilen oder über den integrierten Lautsprecher des Roboters sprechen. 

Foto: Knightscope

Derzeit führt Knightscope letzte Tests an ihren K5-Robotern durch, die ab Anfang 2015 in abgeschlossenen Wohngebieten, Shoppingcentern oder vor Schulen Dienst tun könnten. Besitzer und Betreiber bleibt die Entwicklerfirma: Die Roboter sollen nicht verkauft, sondern vermietet werden. Von einem Stundenpreis von rund fünf Euro ist die Rede – weniger als ein menschlicher Wachmann bekommen würde. 

Knightscope sieht seine Erfindung als Dienst an der Menschheit: nicht nur an den überwachten Bewohnern, Besuchern und Schülern, sondern auch an den Wachleuten selbst, die von den kleinen Maschinen ersetzt werden sollen. Schließlich sei der Job „gefährlich, repetitiv und langweilig“, so Geschäftsführer William Santana Li. Roboter sind übrigens auch im havarierten Atomkraftwerk in Fukushima im Einsatz

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