Porträt 14.08.2009, 19:42 Uhr

Tief im Westen entsteht Robotertechnik für die Welt  

Männer wie Gerd Grube (49) braucht das Revier. Der Maschinenbauingenieur hat im Ruhrgebiet mit zwei anderen ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Eine wichtige Abnehmer-Branche ist die Automobilindustrie, die zurzeit schwächelt. Doch trotz Krise ist Grube optimistisch und sieht bereits erste positive Signale am Horizont. VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 8. 09, cha

Im Technologiepark in Dortmund steht Gerd Grube in der 1000 m2-Werkhalle des Robotersystemhauses Carat Robotic Innovation, das er vor 17 Jahren mit zwei anderen Ingenieuren gegründet hat, und blickt zufrieden auf die Roboter, die da gerade die Zierleisten für das Fahrzeugmodell eines großen deutschen Autobauers bearbeiten. Es ist ein Versuchsstand: Der Roboter, den die Zuliefer-Firma bestellt hat, wird hier entwickelt und erprobt. Gerd Grube, 49 Jahre alt, Professor Dr.-Ing., Vater von zwei Kindern, hat kurz zuvor etwas Verblüffendes gesagt, so ehrlich, wie es wohl nur Leute im Revier über die Lippen bringen.

Das sind kurz zuvor seine seine Worte gewesen: „Wir wussten nicht, was auf uns zukommt, als wir gegründet haben, wenn man es gewusst hätte, hätte man es wahrscheinlich auch gelassen.“ Wow, das sitzt, für einen Augenblick steht das so im Raum. Gerd Grube wirkt aber nun wirklich nicht unglücklich, im Gegenteil. Der Sohn eines Ingenieurs wirkt souverän und optimistisch, aber bodenständig und auf angenehme Weise ernsthaft, eine Ausstrahlung, die nur jemand haben kann, der eine Menge geleistet und Erfolg hat – trotz vieler Widerstände.

Er erklärt nun, wie das zu verstehen ist: Die Automobilindustrie sei mehr als humorlos und der Druck enorm. Die ganzen Fragen die auf einen zukommen, das sei schon sehr schwierig gewesen. All das, Fragen der Finanzierung, Produkthaftung, Gewährleistung, der Verfügbarkeit, der Sicherheit, der Servicesicherheit, das sei so umfassend, dass, wüsste man das im Vorfeld, hätte man es eher gelassen. Wissen sei ein Lernprozess, der durch Netzwerke und Persönlichkeiten, die man kennenlerne, sukzessive wachse.

„Meine Empfehlung an junge Gründer ist, sich als erstes einen guten Anwalt zu suchen, mit dem man im besten Fall womöglich auch befreundet ist, denn das Thema Vertragsrecht ist außerordentlich wichtig.“ Grube lächelt, aber er meint es ernst. Zudem sei es sehr wichtig, einen guten Banker zu haben und einen guten Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Zumindest, wenn die Gründer das Know-how von Haus aus nicht mitbringen. Die ersten Jahre seien schwierig gewesen: „Wir haben das Unternehmen aus dem Nichts gegründet, wir hatten definitiv kein Geld, ich habe damals mein gerade begonnenes Haus für ein Projekt verpfändet, meine beiden Mitgesellschafter haben ihre Elternhäuser verpfändet, und so haben wir die Firma carat gegründet, wir haben auch sechs, sieben Jahre schlecht geschlafen.“

Ihr höchstes Ziel sei immer gewesen, so eine Art Freiheit zu finden, das sei der Motor gewesen, nicht reich zu werden. Dafür sei Geld allerdings wichtig, sie hätten nie einen Kredit aufgenommen und sich von Banken abhängig gemacht, und auch nicht von Kunden. Sie würden sparen und wären jetzt in der Lage, ohne Aufträge durchzuhalten.

Kürzlich hat carat einen Auftrag aus der Gießerei-Branche erhalten. „Das ist doch ein positives Signal, es wird wieder investiert“, sagt Grube und ergänzt mit Blick auf die Automobil- und auch die Maschinen- und Anlagenbaubranche: „Die Finanzkrise ist von der Auftragseingangslage her dramatisch, das muss man schon sagen, und die Automobilindustrie hat massive Einbrüche, aber man muss das auch so kommunizieren: 2007, 2008, das waren Bombenjahre, das wissen wir alle, da wird aber auch gern schnell darüber geschwiegen.“ Man müsse das schon mit dem Jahr 2006 vergleichen und ein vernünftiges Maß dagegensetzen. CLAUDIA HANTROP

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

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