Bonn auf Platz 4 08.06.2015, 16:26 Uhr

Südkoreanischer DRC-Hubo gewinnt WM der Rettungsroboter

DRC-Hubo hat es geschafft: Der humanoide Roboter hat die WM der Rettungsroboter gewonnen und seinen südkoreanischen Entwicklern ein Preisgeld zwei Millionen US-Dollar eingebracht. Auf Platz 4 landeten Ingenieure aus Bonn. 

DRC-Hubo im Finale der Robotic Challenge: Der Rettungsroboter musste unter anderem autonom ein Ventil schließen – die Kommunikation erfolgte über Funk. 

DRC-Hubo im Finale der Robotic Challenge: Der Rettungsroboter musste unter anderem autonom ein Ventil schließen – die Kommunikation erfolgte über Funk. 

Foto: Darpa

In Pomono östlich von Los Angeles (Kalifornien) kam es am Wochenende zum Showdown der Rettungsroboter: Bei der Robotics Challenge der Forschungsbehörde Darpa des US-Verteidigungsministeriums fuhren 24 Modelle aus aller Welt Rettungseinsätze. Sie schafften Hindernisse aus dem Weg, bewegten sich geschickt über unwegsames Terrain, öffneten Ventile, zogen Stecker aus einer Steckdose und durchschlugen Wände.

Keiner war bei der Robotic Challenge besser als DRC-Hubo

Am besten überwand DRC-Hubo den Parcours: Der humanoide Rettungsroboter aus Südkorea brauchte dafür nur 44:28 min. Das sicherte dem Team Korea Advanced Institute of Science and Technology (Kaist) ein Preisgeld von zwei Millionen US-Dollar. Auf Platz zwei landete das Team IHMC Robotics aus Florida (eine Million US-Dollar), auf Platz drei das Team Tartan Rescue aus Pittsburgh (500.000 US-Dollar).

Auch Autofahren war für den WM-Sieger DRC-Hubo kein Problem. Für den gesamten Parcours brauchte der Rettungsroboter 44:28 min.

Auch Autofahren war für den WM-Sieger DRC-Hubo kein Problem. Für den gesamten Parcours brauchte der Rettungsroboter 44:28 min.

Foto: Darpa

Ingenieure der Universität Bonn freuten sich über Platz vier. Insgesamt nahmen 23 Teams am Finale teil – 12 kamen aus den USA, 11 aus Japan, Italien, Südkorea, China und Deutschland.

Was hatte DRC-Hubo seinen Konkurrenten voraus? Laut Team Kaist besteht die Einzigartigkeit des 1,80 m großen und 80 kg schweren Retters darin, dass er sich aus dem Stand in eine kniende Position begeben und zugleich schnell fortbewegen kann. Außerdem hatte er mit den scharfen Regeln im Finale kein Problem. Sie sahen vor, dass die Roboter ohne kabelgebundene Stromversorgung und Absturzsicherung auskommen und die Kommunikation ausschließlich über Funk erfolgt.

Bonner Roboter Momaro orientierte sich mit Rundum-3D-Sensorkopf

Doch auch das Bonner Team Nimbro erbrachte eine respektable Leistung: Ihr Roboter Momaro bewältigte den Parcours sogar in nur 34 min., machte dabei allerdings weniger Punkte als DRC-Hubo. „Der Roboter vereint ein innovatives Fortbewegungskonzept mit einem menschenähnlichen Oberkörper und einem Rundum-3D-Sensorkopf“, erklärt Prof. Sven Behnke vom Institut für Informatik der Universität Bonn.

Geschafft: Der Bonner Roboter Momaro hat ein Loch in eine Wand gebohrt.

Geschafft: Der Bonner Roboter Momaro hat ein Loch in eine Wand gebohrt.

Foto: Darpa

Vier lenkbare Radpaare, die an den Beinen befestigt sind, treiben Momaro an. Dadurch kann sich die Maschine unebenem Gelände anpassen und Hindernisse übersteigen. Der Oberkörper ist beweglich, die beiden Arme verfügen über jeweils sieben Gelenke. Die Hände haben vier Finger, damit der Rettungsroboter mit Schraubenschlüsseln und Schneidwerkzeugen umgehen kann.

Zudem hat Team Nimbro zahlreiche Sensoren zur Erfassung der Umgebung eingebaut: Momaro verfügt über einen 3D-Laserscanner mit sphärischem Sichtfeld, acht Kameras für die Messung der Farbe und Tiefe, drei Panoramakameras und eine Weitwinkelkamera, die von oben auf Roboter und Gelände schaut.

So sieht der Bonner Roboter Momaro die Welt: Die Aufnahme zeigt den Moment, bevor die Maschine mit dem Bohren des Loches beginnt.

So sieht der Bonner Roboter Momaro die Welt: Die Aufnahme zeigt den Moment, bevor die Maschine mit dem Bohren des Loches beginnt.

Foto: Universität Bonn

Das zweite deutsche Team von der TU Darmstadt erreichte im Finale den 19 Platz. Ihr Roboter Hector brauchte 2:44 h für den Parcour. Damit war er der langsamste Roboter. Langsam, aber immerhin im Ziel. Das schafften nämlich längst nicht alle Finalteilnehmer. Vier Roboter schafften es erst gar nichts ins Ziel. 

Der Roboter Hector der TU Darmstadt beim Autofahren.

Der Roboter Hector der TU Darmstadt beim Autofahren.

Foto: Darpa

Roboter sollen in Krisenfällen Rettungsmannschaften unterstützen

Mit der Roboter-WM möchte die Darpa die Entwicklung menschenähnlicher autonomer Maschinen vorantreiben, die in Krisenfällen Rettungsmannschaften unterstützen könnten. „Roboter haben das Potential, als nützliche Assistenten in Situationen einzugreifen, in denen Menschen nicht sicher operieren können“, erklärte die Behörde in ihrer Ausschreibung.

Der MIT-Roboter Helios auf dem Weg durch den Darpa-Parcour.

Der MIT-Roboter Helios auf dem Weg durch den Darpa-Parcour.

Foto: Darpa

Bei der Zusammenstellung der Disziplinen hatte sie die Havarie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im Blick. 2011 war dort nach einem Erdbeben das Kühlsystem ausgefallen, was in drei Reaktoren zu Kernschmelzen führte. Roboter kamen dort bereits zum Einsatz. Sie haben beispielsweise den Zustand in den für Menschen unreichbaren Inneren der Reaktoren erfasst. 

Übrigens ging bei der Roboter-WM längst nicht alles glatt. Eine Menge Roboter fielen beim Aussteigen aus dem Auto, beim Drücken einer Türklinke oder einfach im Stehen um. Roboter-Slapstick. Das Darpa-Video fasst die schönsten Stürze zusammen. Der Klick lohnt sich unbedingt.

Von Patrick Schroeder

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