Robotik 09.06.2006, 19:22 Uhr

Studenten erstreben „Excellence“  

Zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft der Fußballroboter in Bremen fand voriges Wochenende in Catania auf Sizilien „Eurobot 2006“ statt. Auf einer 2 m x 3 m großen Fläche müssen zwei konkurrierende autonome mobile Roboter möglichst viele Bälle einputten.

Die Zeit läuft: Nur 90 s. Am Spielfeldrand stehen junge Menschen. Sie haben den Roboter gebaut, kennen jedes Kabel, jede Zeile des Programms.

„Ready?“ Kurz und knapp kommt die Frage vom Schiedsrichter. Und dann: „Go!“ Ein Ruck an der Reißleine und der Roboter, der bisher im Stand-by-Modus schlief, erwacht zum Leben. Vor ihm liegt ein 2 m × 3 m großes Spielfeld. Hindernisse gibt es da. Und einen zweiten Roboter. Den Gegner, der genau das gleiche Ziel hat: In 90 s möglichst viele weiße Tischtennisbälle in die Löcher seiner Farbe (die muss erkannt werden) zu platzieren. Dazu fährt der Roboter über das Loch und gibt den Ball nach unten ab.

Mit schwarzen Bällen können Löcher blockiert werden und es können Bälle aus dem „feindlichen“ Loch abgesaugt werden. Einige Bälle sind an unbekannten Punkten auf dem Spielfeld platziert. Der Roboter kann aber auch durch elektrischen Kontakt mit einem „Totem“ an unbekannter Stelle Bälle auf das Spielfeld bringen.

Die Roboter rollen über das Spielfeld. Kommen den Hindernissen gefährlich nahe. Sind auf Kollisionskurs und weichen einander doch kurz vor dem Zusammenprall aus. Aufatmen am Spielfeldrand. Oder sie prallen aufeinander, weil die an und für sich erwünschte Kollisionskontrolle nicht eingebaut war.

Noch 60 s. Etwas weiter weg vom Spielfeld, auf der Tribüne, sitzt der Rest des Teams. Inmitten hunderter anderer Roboterbegeisterter.

Noch 30 s. Jede Bewegung des Roboters wird genau verfolgt. Sein Verhalten ist programmiert. Die Strategien gibt ein PC aufgrund von Sensordaten vor. Und doch hat der Roboter, so scheint es, manchmal seinen eigenen Willen, bleibt z. B. stehen.

10 s noch. Die Zuschauer zählen mit. Der Schlusspfiff des Schiedsrichters geht unter im tosenden Applaus, in einem Getöse mit Rasseln, Hupen, Glocken, Blasinstrumenten.

Eurobot ist eine offene Meisterschaft, an der Studenten und Studentinnen aus aller Welt teilnehmen können pro Land höchstens drei Teams. Vom 1. bis 3. Juni kamen 57 aus 26 Ländern nach Catania, um sich zu messen. Anders als z. B. beim Robocup-Fußball – in zwei Wochen in Bremen – ist der Wettbewerb so gestaltet, dass Studenten und Amateure eine faire Chance gegen Universitäten und wissenschaftliche Institute haben.

Jedes Jahr gibt es andere Aufgaben, die zu bewältigen sind. Eurobot findet seit 1998 alljährlich statt. Von 1998 bis 2004 wurde er in La Ferté-Bernard in Frankreich ausgetragen, 2005 wechselt die Veranstaltung erstmals nach Yverdon-les-Bains in der Schweiz.

Der Wettbewerb entstand aus der 1994 begonnenen französischen Meisterschaft „Coupe de France de Robotique“ – sie existiert weiterhin als französische Qualifikationsrunde für Eurobot und hat mehr als 200 Teilnehmer, von denen die drei besten zum Eurobot dürfen.

In Deutschland ist die Wettbewerbssituation anders: Es gibt nur sieben Teams, nämlich: Eurobot Team Münster FH Heidelberg Gymnasium Kerpen Leo Bots, HTWK Leipzig Roboterclub Aachen, Robotik-AG, TU Chemnitz Turag, TU Dresden. Für den Eurobot 2006 in Catania qualifizierten sich Aachen Dresden, Münster. Aachen kam zwar nicht in die Finalrunde der Roboterclub Aachen (RCA) erhielt aber einen Preis für „Best Communication“. Der „Best Concept“-Preis ging an das französische Team CIRC.

Sieger beim Robotergolf wurde RCVA, ein studentisches Team aus Ville d“Avray, wo sich die Technologie-Außenstelle der Universität Nantes befindet. Den zweiten Platz belegte das „Team Dare“ aus Eindhoven. Auf den dritten Platz kam BVP-M86 aus Novi Sad in Serbien.

Was so toll ist an Eurobot, weiß Rolf Biesenbach als Leiter des Mechatronik-Zentrums NRW (Fachhochschule Bochum), im international zusammengestellten „Refereeing Committee“ des Eurobot verantwortlich für die Entwicklung und Umsetzung der Regeln des jährlichen Wettbewerbs und in Catania Präsident der Wettbewerbsjury: „Hier kommen alle kreativen Fähigkeiten eines Teams zur Geltung.“ Es müsse nicht nur Software entwickelt werden, sondern ein vollständiger Roboter, der nach bestimmten Regeln gegen andere Roboter selbstständig spielt.

Außerdem, so Biesenbach: „Der Austausch mit internationalen Teams ist ein besonderer Anreiz.“ Das deutsche NOC (National Organising Committee) mit Rolf Biesenbach arbeitet zurzeit daran, solche Perspektiven in ganz Deutschland bekannt zu machen.

Jedes Jahr wird beim Eurobot mit neuen Spielregeln, einer neuen Aufgabe und einem neuen Spielfeld gearbeitet. So können auch neue Teams in den Wettbewerb einsteigen. Die Vorgaben für 2007 liegen schon fest, es geht um das Einsammeln von Party-Abfall: Aluminium-Dosen, PET-Flaschen, kleine Batterien. Jeweils zwei Roboter werden zeigen, wer von ihnen der beste ist. EUR/KÄM

Von Eur/Käm
Von Eur/Käm

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Automatisierungstechnik

AGCO GmbH-Firmenlogo
AGCO GmbH Planungsingenieur (m/w/d) Technik- und Systemplanung/programmierung im Werk Traktor Marktoberdorf
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Jungheinrich Aktiengesellschaft Systems Architect (m/w/d) AGV Lüneburg, Norderstedt
A. Eberle GmbH & Co. KG-Firmenlogo
A. Eberle GmbH & Co. KG Technischer Support Spezialist (w/m/d) – Spannungsregelungs- / Kommunikations- / Fernwirktechnik für Energieversorger Nürnberg
MV Pipe Technologies GmbH-Firmenlogo
MV Pipe Technologies GmbH Ingenieur / Techniker (m/w/d) Automatisierung & Instandhaltung (Perspektive: Leiter) Wittenberge
Rollon GmbH-Firmenlogo
Rollon GmbH Außendienstmitarbeiter / Key Account Manager (m/w/d) Deutschland
ALFRED TALKE GmbH & Co. KG-Firmenlogo
ALFRED TALKE GmbH & Co. KG Elektroingenieur / Projektingenieur (m/w/d) Hürth
ASIS GmbH-Firmenlogo
ASIS GmbH Roboter Systemprogrammierer (m/w/d) Landshut, Lüneburg
ATLAS TITAN-Firmenlogo
ATLAS TITAN Techniker (m/w/d) Automatisierungsprojekte Werder (Havel)
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Jungheinrich Aktiengesellschaft Embedded Softwareentwickler (m/w/d) Norderstedt
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Systemtestingenieur E/E (w/m/d) Böblingen

Alle Automatisierungstechnik Jobs

Top 5 Robotik

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.