Akrobatin auf acht Beinen 29.04.2014, 16:30 Uhr

Roboterspinne Tabbot könnte auf dem Mars Purzelbäume schlagen

Auf den ersten Blick sieht die Spinne aus wie ihre namibische Verwandte: Doch die Cebrennus rechenbergi verfügt über ein besonderes Talent: Wie keine andere kann sie sich rasend schnell im Flickflack durch die Dünen der marokkanischen Wüste fortbewegen. Forscher haben nach ihrem Vorbild nun einen Roboter gebaut. 

Die Flickflack-Sprünge der marokkanischen Wüstenspinne Cebrennus rechenbergi hat Prof. Rechenberg bei der Konstruktion eines Roboters Tabbot nachgeahmt, der besonders für unwegsames Gelände geeignet sein soll.

Die Flickflack-Sprünge der marokkanischen Wüstenspinne Cebrennus rechenbergi hat Prof. Rechenberg bei der Konstruktion eines Roboters Tabbot nachgeahmt, der besonders für unwegsames Gelände geeignet sein soll.

Foto: TU Berlin

Die Spinne Cebrennus rechenbergi hat eine besondere Art sich fortzubewegen: Mit ihren acht Beinen stößt sie sich vom Boden ab und hüpft im Flickflack durch die Dünen der marokkanischen Wüste. Rasend schnell ist die Spinne aufgrund ihrer Fortbewegungsart, die Purzelbäumen ähnelt. Anders als beispielsweise die verwandte Goldene Radspinne aus Namibia kann sich Cebrennus recherbergi dadurch in jedem Terrain rollend bewegen, sei es bergauf oder bergab oder auf ebenem Gebiet.

Bionischer Roboter nach dem Vorbild einer in der marokkanischen Wüste lebenden Spinne: Wie die Spinne kann auch der Roboter springen.

Bionischer Roboter nach dem Vorbild einer in der marokkanischen Wüste lebenden Spinne: Wie die Spinne kann auch der Roboter springen.

Foto: Prof. Rechenberg

Diese Flickflack-Sprünge kommen speziell dann zum Einsatz, wenn die Spinne vor Gefahren durch Artgenossen, einen Menschen oder einen Skorpion flieht. Dann bewegt sie sich mit etwa zwei Metern pro Sekunde im Flickflack doppelt so schnell wie im Laufmodus. Es ist die bisher einzig bekannte Spinne, die über solch ein Talent verfügt.

Springende Spinne hat neun Zentimeter Beinspannweite

Die nachtaktive Spinne hat eine Beinspannweite von bis zu neun Zentimentern. Sie lebt in der Sandwüste Erg Chebbi im Südosten Marokkos. Um sich dort vor Sonne und ihren Feinden zu schützen, baut sie sich ein röhrenähnliches Gebäude aus Spinnenfäden und Sand. Ihre Nahrung sind andere Spinnen sowie kleine Insekten.

Der Berliner Bionik-Professor Ingo Rechenberg vom TU-Institut für Prozess- und Verfahrenstechnik mit einem Modell, das die Fortbewegung der Rollspinne aus der Sahara simuliert.

Der Berliner Bionik-Professor Ingo Rechenberg vom TU-Institut für Prozess- und Verfahrenstechnik mit einem Modell, das die Fortbewegung der Rollspinne aus der Sahara simuliert.

Foto: TU Berlin

Das einzigartige Fortbewegungstalent dieser Spinne beschreibt der Spinnenforscher Peter Jäger des Forschungsinstitutes Senckenberg in Frankfurt am Main erstmals in der Fachzeitschrift „Zootaxa“. Die Spinne entdeckt hat der Berliner Bioniker Ingo Rechenberg. Er forscht an den technischen Effekten der Natur und ist einer der Mitbegründer des Einsatzes von evolutionsbiologischen Algorithmen in den Ingenieurwissenschaften.

Doch erst die morphologische Untersuchung der Spinne machte deutlich, dass es sich um eine neue Art handelt. Es gibt nur minimale Unterschiede der Geschlechtsorgane zur nahen verwandten Spinne aus Tunesien Cebrennus villosus. „Aber auch die einmalige Fortbewegungsweise ist ein Kriterium zur Abgrenzung der beiden Arten“, erklärt Jäger.

Wüstenspinne als Inspiration für Roboter Tabbot

Begeistert und inspiriert von der besonderen Fortbewegungsart baute Rechenberg mit seinem Team die Spinne nach dem Purzelbaum-Prinzip nach. Heraus kam der 25 cm große Spinnenroboter „Tabbot“. Er kann wie die Spinne selbst laufen und rollen, in dem er Purzelbäume schlägt. Der Name ist zusammengesetzt aus dem nordafrikanischen Namen für Spinne „Tabacha“ und dem Wort Roboter.

Die Flickflack-Spinne Cebrennus rechenbergi kann sich durch Sprünge deutlich schneller fortbewegen als durch Laufen.

Die Flickflack-Spinne Cebrennus rechenbergi kann sich durch Sprünge deutlich schneller fortbewegen als durch Laufen.

Foto: Prof. Rechenberg

„Der Roboter könnte sich für den Einsatz in der Landwirtschaft, auf dem Meeresboden oder auf dem Mars eignen“, so Rechenberg. Das wäre ein weiteres Beispiel, wie man nach dem Vorbild der Natur neue Maschinen konstruieren kann. Erst auf der Hannover Messe hatte der auf dem Feld der Bionik stark engagierte Maschinenbauer Festo einen Roboter in Känguru-Form vorgestellt.

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