KLM setzt auf Lotsen 18.04.2016, 14:12 Uhr

Roboter zeigt Fluggästen Weg durch die Terminals auf dem Flughafen

Der Roboter Spencer hat seinen ersten Praxiseinsatz bestanden: In den ersten beiden Aprilwochen hat Spencer Passagiere im Flughafen Amsterdam-Schiphol zum richtigen Gate geführt. Vor allem seine sozialen Fähigkeiten waren dabei gefragt. Ist die Gruppe noch vollzählig? 

Der 250 kg schwere Lotsenroboter Spencer hat seinen Testeinsatz am Flughafen Amsterdam-Schiphol erfolgreich absolviert. Jetzt werden die Ergebnisse ausgewertet. Koordiniert wird das Projekt von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Der 250 kg schwere Lotsenroboter Spencer hat seinen Testeinsatz am Flughafen Amsterdam-Schiphol erfolgreich absolviert. Jetzt werden die Ergebnisse ausgewertet. Koordiniert wird das Projekt von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Foto: KLM

Die meisten Flugpassagiere müssen zu ihm aufschauen. Zu Spencer, dem freundlichen Lotsenroboter, der am Flughafen Amsterdam-Schiphol dafür sorgt, dass die Passagiere der niederländischen Fluggesellschaft KLM pünktlich über das riesige Flughafengelände zum richtigen Abfluggate gelangen. Denn Spencer kommt auf eine Körpergröße von 193 cm.

Seine Sache macht Spencer gut: In einer ersten fünftägigen Testphase Anfang Dezember 2015 lotste Spencer nur ausgewählte Testpersonen durch das Flughafenlabyrinth. Nun hat Spencer Ende März 2016 seinen ersten echten Praxiseinsatz am Flughafen Amsterdam-Schiphol erfolgreich absolviert. Wichtigstes Ergebnis: Spencer hat auch im Flughafenalltag seine Aufgabe gemeistert. Wie gut er das getan hat, wird jetzt gerade ausgewertet. Denn natürlich wurde jede einzelne Fahrt aufgezeichnet.

Das schweizerische Unternehmen BlueBotics baute den Roboter für die Fluggesellschaft KLM, die ihn künftig als Lotsen einsetzten möchte. Neben der Universität Twente sind die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die TU München, die RWTH Aachen, das Centre National de la Recherche Scientifique in Toulouse sowie die schwedische Örebro Universität am Projekt Spencer beteiligt.

Das schweizerische Unternehmen BlueBotics baute den Roboter für die Fluggesellschaft KLM, die ihn künftig als Lotsen einsetzten möchte. Neben der Universität Twente sind die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die TU München, die RWTH Aachen, das Centre National de la Recherche Scientifique in Toulouse sowie die schwedische Örebro Universität am Projekt Spencer beteiligt.

Foto: KLM

Mit dem Test will die Fachgruppe Human Media Interaction um Professorin Vanessa Evers von der University of Twente in Enschede die sozialen und kognitiven Fähigkeiten des Roboters erproben, die er braucht, um von den Reisenden überhaupt als Helfer akzeptiert zu werden.

Spencer steckt voller Technik

Um seine Lotsenfunktion im Gewusel eines Flughafens zuverlässig und auch sicher erfüllen zu können, steckt in Spencer ein ganzer Strauß an Technik. Er ist mit zwei 2D-Laserscannern, einem 3D-Laserscanner bestückt und hat gleich vier Asus Tiefendetektoren an Bord. Dazu gesellen sich zwei Stereokameras und ein Berührungssensor.

Seinen Kopf kann Spencer horizontal drehen und auch vertikal kippen, seine Augen können nach rechts und links blicken. Ein 17-Zoll-Touchscreen für die Kommunikation ist ebenfalls integriert. Spencer hat auch Lautsprecher und natürlich den Scanner für den KLM-Bordpass der Passagiere eingebaut.

Roboter passt seine Geschwindigkeit der Gruppe an

Spencer agiert äußerst umsichtig. Wenn er die Bordpässe der zu lotsenden Passagiere eingescannt hat, wartet er erst einmal solange ab, bis eine Reisegruppe auch wirklich vollständig beisammen ist. Erst dann fährt er los und führt seine Gruppe bis zum richtigen Fluggate. Spencer bewegt sich dabei auf dem Flughafengelände mit einer Geschwindigkeit von 1,3 m/s, das sind 4,68 km/h. Das entspricht so ziemlich der Geschwindigkeit eines gehenden Menschen.

Der Roboter Spencer ist mit zwei 2D-Laserscannern, einem 3D-Laserscanner bestückt und hat gleich vier Asus Tiefendetektoren an Bord. Zudem verfügt er über zwei Stereokameras und einen Berührungssensor. 

Der Roboter Spencer ist mit zwei 2D-Laserscannern, einem 3D-Laserscanner bestückt und hat gleich vier Asus Tiefendetektoren an Bord. Zudem verfügt er über zwei Stereokameras und einen Berührungssensor. 

Foto: KLM

Spencer weicht bei seiner Lotsentätigkeit jedem Hindernis elegant aus und passt seine Geschwindigkeit der ihm folgenden Gruppe an. Wenn zum Beispiel jemand aus der Gruppe stehen bleibt und sich bückt, um die losen Schnürsenkel neu zu binden, so hält Spencer ebenfalls an und wartet.

„Jeden Tag verpassen Passagiere ihre Anschlussflüge“

René de Groot, Chief Operating Officer bei der Airline KLM, erwartet die Ergebnisse der Praxistests mit großem Interesse. „Jeden Tag verpassen Passagiere ihre Anschlussflüge, weil sie auf Flughäfen nicht rechtzeitig den richtigen Weg finden oder mit Sprachbarrieren zu kämpfen haben. Da 70 Prozent der KLM-Passagiere auf Schiphol umsteigen, untersuchen wir hier, wie dieser Umsteigeprozess vereinfacht werden kann. Uns interessiert, wie Roboter ihn erleichtern können.“

Spencer ist laut KLM der erste Roboter mit sozialen Fähigkeiten, der jemals auf einem Flughafen im Einsatz war. „Er kann die Menschen in seiner Umgebung ’sehen‘ und analysiert diese mit seinen Sensoren“, so de Groot. Auch wägt der Roboter die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen ab, die er durch den Flughafen lotst. Er erfühlt also, ob es sich um eine Familie oder nur um eine Reisegruppe handelt.

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