Robotik 27.01.2006, 18:42 Uhr

Privater Robotermarkt überholt Industrieanwendungen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 1. 06, käm – In den USA halten elektronische Spielgefährten und Dienstleistungsroboter Einzug in den privaten Haushalt, auch als Fitnesspartner soll es sie bald geben. Diese Roboter für Konsumenten – sie werden zu den Servicerobotern gerechnet – stehen in den USA für 1 Mrd. $ Umsatz; das ist so viel, wie für Fabrikroboter investiert wird. Weltweit könnten 2008 eine Million Industrieroboter installiert sein, aber neun Millionen für den Privatgebrauch.

Service- und Spielroboter sind in vielen US-Haushalten bereits genau so selbstverständlich wie das Bügeleisen oder die Kaffeemaschine. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die alljährliche Consumer-Electronics-Show in Las Vegas sich dieses Themas annahm – schließlich geht es um einen Massenmarkt.

So gab es in diesem Januar im neu geschaffenen Innovationsbereich des Sands-Centers erstmals eine Sonderausstellung „Robotics“. 20 Aussteller hatten sich eingefunden, um vom staubsaugenden Roomba bis zum Boxroboter AF 1 von Self Defence Technologies Inc. alles zu präsentieren, was heute zu einem Hightech-Home gehört.

„Haushaltsroboter werden in Zukunft den Löwenanteil im Robotergeschäft ausmachen“, prophezeit Greg White, Chef des Consumer-Bereichs von iRobot aus Burlington, Massachusetts. Sein Unternehmen präsentierte „Scooba“, eine Weiterentwicklung des Staubsaugerroboters Roomba, von dem inzwischen 1,5 Millionen Stück verkauft wurden. Scooba saugt nicht nur Teppiche ab, sondern schrubbt Fliesen oder wischt Parkettfußböden. Je nach Ausstattung kostet Scooba 150 $ bis 400 $. Laut White arbeitet das Unternehmen an einer neuen Generation Putzroboter, die die Wände hochklettern können, um Fenster oder Duschen zu putzen.

Derartige Spezialroboter scheinen das Erfolgsrezept für diesen Markt zu sein. „Statt menschenähnlicher Allround-Genies sind solche Expertensysteme billiger, haben weniger Probleme und werden schneller im Markt akzeptiert“, sagt Dana Kara, Präsidentin der Consultingagentur „Robotics Trends“ aus Boston. Ihrer Ansicht nach wird der nächste Schritt darin bestehen, diese Spezialroboter zu vernetzen. „Ein Team von WLAN-verbundenen elektronischen Heinzelmännchen macht sich demnächst tagsüber über die Wohnung her, so dass abends alles blitzblank ist“, lautet ihre Vision über den Einsatz von Haushaltsrobotern.

Doch der Markt hat noch nicht richtig abgehoben. „Die meisten potenziellen Benutzer haben Zweifel an der Wirksamkeit der neuen elektronischen Haushaltshilfen.“ Dies sei eine ähnliche Situation wie bei der Einführung von Spül- und Waschmaschinen, meint Dana Kara über die gegenwärtig mangelnde Akzeptanz.

Doch das ändert sich schon: Bereits in diesem Jahr soll der Umsatz mit Consumer-Robotern in den USA 1 Mrd. $ übersteigen, sagen die Marktforscher von iSuppli in El Segundo/Kalifornien. Dieser Emerging Market hätte damit dieselbe Größenordnung wie der US-Industrierobotermarkt. Der ist laut VDMA-Fachverband Robotik + Automation 914 Mio. $ groß (2004). Nach Angaben des Statistical Department der International Federation of Robotics, das vom VDMA geführt wird, ist für 2008 ein Bestand von rund einer Million Industrierobotern zu erwarten, denen aber neun Millionen Serviceroboter für den Privat- und Hausgebrauch gegenüberstehen.

Zu dieser Gruppe zählen auch Spiel- und Unterhaltungsroboter, wie sie das Handelsunternehmen WooWee (Hongkong) mit dem neuen Robosapien V2 in Las Vegas vorstellte. Der 60 cm große Roboter kann z. B. Gegenstände aufheben und werfen. Laut WooWee wurden bislang über zwei Millionen Robosapien weltweit verkauft. Diese etwa 60 cm großen Roboter kosten im Handel je nach Leistungsklasse zwischen 80 $ und 500 $.

Honda, ebenfalls Aussteller in Las Vegas macht zwar viel Werbung für seinen humanoiden Asimo – hat aber offiziellen Angaben zufolge noch keine Vermarktungspläne. Anders dagegen das Programm von Vex-Robotics, die ihre Lego-ähnlichen Spiel- und Lernroboter ab sofort über die 7000 Radio-Shack-Filialen vertreiben werden. Das Vex-System erinnert an die „Stabilo-Baukästen“ der 50er- und 60er-Jahre, das Starterset kostet 300 $.

Lego stellte sein neues Mindstorms-NXT-System vor, das sich vor allem durch eine leichtere Programmierbarkeit und einen neuen leistungsstarken 32-bit-Prozessor auszeichnet. Das System kommt mit vielen vordefinierten Funktionsprogrammen von National Instruments. Das neue System soll im August für 250 $ in den Handel kommen.

Eine Messe in Las Vegas lebt von Show-Effekten: Google-Mitgründer Larry Page kam zu seiner CES-Keynote im Roboterfahrzeug „Stanley“ auf die Bühne des Hilton-Kongress-Zentrums gefahren. Stanley ist der umgebaute VW-Tuareg, mit dem das Team der Stanford-Universität den mit 2 Mio. $ dotieren Grand-Challenge-Preis gewonnen hat.

Larry Page wollte mit dieser Aktion weltweit Werbung für die Stanford-Universität machen, an der er einst gemeinsam mit Sergey Brin den Google-Search-Algorithmus als Forschungsprojekt gestartet hatte.

Im Gespräch mit Mike Montemerlo, Assistent am Institut für Künstliche Intelligenz der Stanford Universität, kamen beide sehr schnell darin überein, dass die „bessere Idee immer gewinnt“ – in der Wüste genauso wie im Internet. HARALD WEISS/Käm

Von Com Org

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