Industrie 09.08.2002, 18:21 Uhr

Mit Roboter-Forschung und Engineering aus der Absatzkrise

Massenabsatz von Industrierobotern stößt an Grenzen, wenn die Automobilindustrie weniger investiert. Deshalb wird der Engineering-Markt immer interessanter für die Roboterbauer. Reis in Obernburg z.B. setzt auf diesen Trend und macht Geschäfte damit, Fremdgeräte in Automationslieferungen zu integrieren.

Roboter alleine bewirken nicht viel. Das erfahren alle Anwender, die ein „nacktes“ Gerät in eine Produktionsanlage integrieren wollen. Mit dem Argument „alles aus einer Hand“ expandiert Reis Robotics deshalb in der Automobilindustrie, „einem Bereich wo wir früher nicht so stark waren“, sagt Eberhard Kroth, Geschäftsführer Reis Robotics. Bisher hätten die Lieferungen in die Automobilindustrie nur 10 bis 15 % des Jahresumsatzes von augenblicklich 100 Mio. ! ausgemacht. Das soll sich ändern. Denn: „Wir waren auch schon Systemintegrator bei Projekten mit Kuka, ABB und Fanuc, da sich die Automobilwerke aufgrund der Vereinheitlichung zum Teil auf andere Roboterprodukte als Reis festgelegt hatten.“ Damit nimmt Reis den Kuka nahe stehenden Systemhäusern oder ABB-Tochterfirmen einen Teil von deren Integrationsgeschäft ab.
Mit speziellen Bearbeitungsverfahren, wie dem Laserschneiden von Kunststoffbauteilen oder dem Verkleben von großflächigen Kunststoffelementen konnte Reis mit seinen eigenen Robotern, z.B. bei VW und Opel, komplette Anlagen bauen. Aber auch bei Aufgaben, die nicht oder nur in geringem Maße prozessorientiert sind, wurden Komplettsysteme bei VW, BMW, DaimlerChrysler und Opel realisiert, in denen Roboter anderer Hersteller eingebunden sind. „Durch diese neue parallele Engineering-Strategie konnte unser Wachstum erheblich forciert werden“ resümiert Eberhard Kroth.
Es muss also nicht immer Reis sein, wohinter Reis steht. Immerhin hat das mainfränkische Unternehmen in den letzten 25 Jahren weltweit 12 000 Roboter in Systeme integriert, soviel wie der weltgrößte Hersteller Fanuc allein im Jahr 2001 herstellte – oder ABB mit 10 000 im Jahr und Kuka mit 7300. „Unser Globus ist die Technik“, formuliert Eberhard Kroth die Expansionsstrategie von Reis.
Als Roboterentwickler, Roboterbauer und gleichzeitiger Systemintegrator für seine Produkte und die anderer Hersteller beschäftigt Reis allein 250 Ingenieure und Techniker bei einer Mitarbeiterzahl von 700. Entsprechend hoch ist die F&E-Quote mit 9 %, das sind 50 % mehr als im Maschinenbaudurchschnitt.
Den hohen Aufwand will Reis durchhalten, auch wenn der Umsatz nicht mehr um 15 % steigt wie 2001. Für 2002 ist hingegen nur einstelliges Wachstum angesagt. Damit steht der breit aufgestellte mittelständische Hersteller noch relativ gut da in einer Branche, die Auftragseingangsrückgänge von durchschnittlich 14 % verzeichnet. Das sind die neuesten Zahlen des Fachverbandes Robotik und Automation im VDMA für den Vergleich 1. Halbjahr 2001 zu 1. Halbjahr 2002.
Neue Wege zur Erweiterung des Produkt-Portfolios sind gerade in Zeiten gefragt, in denen die Expansion in konventionellen Anwendungen ausläuft, sich der Markt erschöpft und unter Preisdruck steht. „Nomad“ heißt ein solches Projekt, an dem sich Reis mit acht anderen europäischen Firmen und Instituten beteiligt. Der EU war das unter Referenz-Nr. G1RD-2000-00461 immerhin 2 1/2 Mio. ! Fördermittel wert. Im August 2004 läuft das Programm Growth aus. Ende 2002 sollen die ersten „Trockenübungen“ abgeschlossen werden. Ziel ist ein autonomes, flexibles Roboter-Schweißsystem für große Stahlbauteile mit Volumina bis zu einigen Kubikmetern, Massen bis etwa 5 t und Materialdicken von 3 mm bis 50 mm.
Zur Zeit werden solche großen Werkstücke entweder manuell geschweißt oder in speziell zugeschnittenen Roboter-Schweißanlagen hergestellt. Manuelles Schweißen hat den Vorteil äußerst flexibel zu sein, was die Größe und Form der produzierten Strukturen angeht. Die Nachteile der manuellen Fertigung liegen jedoch in den hohen Kosten, der geringen Produktionsrate und in der wechselnden Qualität. Darüber hinaus sinkt die Anzahl qualifizierter Schweißer in Europa. Durch speziell zugeschnittene Roboter-Schweißanlagen können hohe und gleich bleibende Produktqualität und hohe Produktionsraten erzielt werden. Diese Systeme sind aber teuer und unflexibel, da sie nur für spezielle Produkttypen eingesetzt werden können. Der Baggerhersteller Caterpillar hatte daher die Idee zum „Autonomous Manufacture of Large Steel Fabrications“.
Caterpillar Belgium, Gosselies, wurde Koordinator. Das TWI-Institut, Cambridge/Großbritannien,?trägt Schweißforschung bei. Esab, Göteborg/ Schweden, ist für die Schweißaurüstung zuständig. Delfoi Oy, Espoo/Finnland, besorgt die Produktionssimulation zur automatischen Prozessplanung und Systemüberwachung in Echtzeit. Reis Robotics, Obernburg, stellt den Roboter, die Steuerung und Integrations-Know-how. Das Fraunhofer-Institut IFF, Magdeburg, organisiert die Bildverarbeitung mit Kameras, in Magdeburg wird die ganze Anlage aufgebaut. Robosoft, Bidart/Frankreich, liefert die mobile Plattform. Nusteel Structures, Lympne Hythe/Großbritannien, arbeitet mit als potentieller Anwender bei Schweißen von Stahlbaukonstruktionen wie Brücken oder Hallen.? US/KÄM

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