Keine Leben riskieren 21.07.2016, 13:59 Uhr

Mine Kafon Drone: Diese Drohne beseitigt Landminen

Sie sind eine gefährliche Altlast bewaffneter Konflikte: Weltweit liegen etwa 100 Millionen scharfer Landminen versteckt im Boden. Täglich werden zehn Menschen von diesen Altlasten getötet oder verstümmelt. Zwei Brüder aus Afghanistan haben jetzt eine Methode entwickelt, diese versteckten Landminen schnell zu beseitigen. Ohne Leben zu gefährden.

Die Mine Kafon Drone fliegt im Abstand von nur vier Zentimetern über den zuvor kartierten Boden und scannt das Gelände mit einem Metalldetektor.

Die Mine Kafon Drone fliegt im Abstand von nur vier Zentimetern über den zuvor kartierten Boden und scannt das Gelände mit einem Metalldetektor.

Foto: Massoud Hassani

Die Brüder Massoud und Mahmud Hassani wuchsen am Rande von Kabul in der kleinen Stadt Qasaba in Afghanistan auf. Und machten beide schon in der Kindheit Erfahrungen mit den Schrecken versteckter Landminen.

Rund 100 Millionen Landminen in der Erde

Weltweit liegen in den Böden ehemaliger Konfliktregionen etwa 100 Millionen Landminen. Jeden Tag werden zehn Menschen Opfer einer explodierenden Landmine. Heute ist es ein mühseliges Geschäft, die versteckten und vergessenen Landminen aufzuspüren. Da werden Spürhunde durch das Terrain gehetzt, Minensucher mit Detektoren arbeiten sich langsam ins Feld vor oder Räumfahrzeuge streifen durch die Ebene.

Gefährlich: Mensch und Hund auf der Suche nach versteckten Landminen.

Gefährlich: Mensch und Hund auf der Suche nach versteckten Landminen.

Foto: Katia Christodoulou/dpa

Das dauert. Und den beiden Brüdern, die heute in den Niederlanden leben, dauert es entschieden zu lange. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, in weniger als zehn Jahren sämtliche versteckten Landminen auf der Erde zu beseitigen. Und zwar so, dass keine Menschen mehr in die minenverseuchten Gebiete gehen und ihr Leben riskieren müssen.

20-mal schneller, 200-mal billiger

Sie haben ein ferngesteuertes Fluggerät entwickelt, das Landminen aus der Luft aufspürt und dann gezielt sprengt. Mit der Mine Kafon Drone soll es 20-mal schneller und sogar 200-mal billiger werden versteckte Sprengfallen zu finden und zu beseitigen, als dies mit den konventionellen Methoden möglich wäre.

In ihrer neuen Heimat, den Niederlanden, präsentierten die Brüder ihre Drohne bereits Königin Maxima.

In ihrer neuen Heimat, den Niederlanden, präsentierten die Brüder ihre Drohne bereits Königin Maxima.

Foto: Massoud Hassani

Prototypen der sechsrotorigen Drohne existieren bereits. Eine Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter soll nun 70.000 Euro erzielen. Damit wollen die beiden Afghanen die Drohne optimieren, Basisstationen entwickeln, Praxistests in verschiedenen Landumgebungen durchführen und Piloten ausbilden. Aktuell steht der Zähler auf 14.000 Euro. Bis zum Kampagnenende sind es noch 41 Tage.

Landminenräumung in drei Schritten

Die Landminenräumung mit der Mine Kafon Drone geschieht in drei Schritten. Zunächst wird das aktuell abzusuchende Gebiet von einer Kamera an der Drohne kartiert und eine dreidimensionale virtuelle Landkarte erstellt. Im nächsten Schritt wird das Fluggerät mit einem Detektorsystem ausgestattet. Dann fliegt die Drohne über das zuvor kartierte Gebiet in einer Flughöhe von nur vier Zentimetern.

Die Beseitigung der Landminen geschieht in drei Schritten. Zunächst wird das Gelände kartiert, dann werden die im Boden befindlichen Minen detektiert. Im dritten Schritt werden sie kontrolliert gesprengt.

Die Beseitigung der Landminen geschieht in drei Schritten. Zunächst wird das Gelände kartiert, dann werden die im Boden befindlichen Minen detektiert. Im dritten Schritt werden sie kontrolliert gesprengt.

Foto: Massoud Hassani

Alle erkannten Minen oder Sprengsätze werden bei diesem Überflug in die virtuelle Karte eingezeichnet. Im dritten Schritt wird an der Drohne ein Roboterarm montiert. Im darauf folgenden finalen Überflug setzt die Mine Kafon Drone an allen markierten Punkten einen kleinen Sprengsatz ab, der dann jeweils per Zeitzünder kontrolliert zur Explosion gebracht wird. Die Landmine detoniert dadurch ebenfalls und stellt keine Gefahr mehr dar.

In Kolumbien Minen per Radar aufspüren

Ingenieure aus Bochum haben ein Minenräumungs-Projekt gestartet, welches helfen soll, die rund 100.000 Landminen in Kolumbien aufzuspüren. Das Gerät nutzt Radar, denn die Minen in Kolumbien wurden von den Rebellentruppen oft aus Alltagsgegenständen aus Plastik zusammengebaut und mit Metalldetektoren nicht zu erkennen.

Landminen sind extrem heimtückisch. Auch Jahrzehnte nach einem kriegerischen Konflikt bieten sie das Potential, völlig unschuldige Menschen zu töten oder grausam zu verstümmeln. Es ist in vielen Ländern extrem gefährlich, abseits der ausgewiesenen Straßen und Wege unterwegs zu sein. Schätzungen zufolge sind 79 % der Opfer von Landminen Zivilisten, 18 % gehören dem Militär an und 3 % der Opfer sind professionelle Minenräumer.

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