Experiment in Cambridge 14.08.2015, 09:13 Uhr

Künstliche Evolution: Roboter baut eigenständig Artgenossen

Ein Roboter, der andere Roboter baut und dabei immer besser wird? Klingt unglaublich, ist an der Cambridge Universität aber Realität geworden. Dort setzten Ingenieure eine künstliche Evolution in Gang. 

Laufroboter auf der Teststrecke: Er bewegt sich durch Ruckelbewegungen auf den Kanten vorwärts.<strong> </strong>

Laufroboter auf der Teststrecke: Er bewegt sich durch Ruckelbewegungen auf den Kanten vorwärts. 

Foto: University of Cambridge

Bei dem Experiment zur künstlichen Evolution in Cambridge hatte ein schlichter Roboterarm die Aufgabe, kleine rudimentäre Laufroboter zu bauen. Dafür standen ihm viereckige Kästen mit unterschiedlichen Eigenschaften zur Verfügung – sie symbolisieren in den Augen der Wissenschaftler Gene in der menschlichen Evolution. Der Roboter klebte die Kästen zu einer Generation aus zehn Laufrobotern zusammen, die sich durch Ruckelbewegungen auf den Kanten vorwärtsbewegen. 

Dann prüfte die Roboter-Mama die Ergebnisse ihrer Arbeit: Die kleinen Laufroboter zuckelten vor ihren kritischen Kameraaugen über eine Teststrecke. „Die schnellsten Individuen wurden unverändert in die nächste Generation übernommen, um ihre Fähigkeiten zu erhalten“, erklären die Wissenschaftler.

Roboterarm bei der Arbeit: Er klebt aus zwei viereckigen Kästen einen rudimentären Laufroboter zusammen. 

Roboterarm bei der Arbeit: Er klebt aus zwei viereckigen Kästen einen rudimentären Laufroboter zusammen. 

Quelle: University of Cambridge

„Bei den weniger erfolgreichen Kindern wurden Mutationen und Kreuzungen eingebaut.“ Der Roboter stellte immer neue Designvariationen her. Pro Roboter brauchte er zehn Minuten.

Künstliche Evolution verdoppelte Geschwindigkeit der Laufroboter

Mit der Zeit verbesserte sich zur Überraschung der Wissenschaftler die Leistungsfähigkeit der Generationen ­­– wie bei einer biologischen Evolution: In der letzten Generation waren die schnellsten Roboter doppelt so schnell wie die Spitzenreiter der ersten Generation. „Die Mutter hat im Laufe der Zeit neue Formen und Gangarten für die Kinder entwickelt“, schreiben die Forscher. „Auch einige Designs, die ein menschlicher Designer nicht hätte bauen können.

Die Forscher wollen mit ihren Experimenten das Phänomen Intelligenz enträtseln: „Eine der größten Fragen der Biologie ist, wie Intelligenz entstanden ist. Wir nutzen Robotik, um dieses Mysterium zu erforschen“, sagt Forschungsleiter Fumiya Iida.

„Es ist noch ein langer Weg, bis Roboter wie wir aussehen, handeln und denken. Aber wir haben schon einige Technologien, die uns dabei helfen, Aspekte der Biologie in die Welt des Ingenieurswesens zu bringen.“

Stephen Hawking und Elon Musk warnen vor Wettrüsten

Das Forschungsfeld der evolutionären Robotik könnte eines Tages autonome Roboter hervorbringen, die ohne den Menschen auskommen. Sie könnten in Kriegen kämpfen. Ein Szenario, vor dem Prominente wie Physiker Stephen Hawking und Tesla-Gründer Elon Musk in einem offenen Brief gegen das Wettrüsten warnten.

Im Brief heißt es: „Künstliche Intelligenz ist an einem Punkt angelangt, an dem der Einsatz solcher Systeme innerhalb weniger Jahre, nicht Jahrzehnte möglich wird.“ Das Wettrüsten mit Kampfrobotern könnte ein Wettlauf wie bei der Entwicklung der Atombombe werden. Es sei für die Menschheit eine entscheidende Frage, ob man das nicht von vornherein verhindern wolle. 

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