Affe als Vorbild 29.06.2013, 10:00 Uhr

Konkurrenz für das Mondauto

Deutsche Wissenschaftler haben einen Laufroboter namens „iStructDemonstrator“ entwickelt. Sein Bewegungsablauf ist dem Affen abgeschaut. Die wendige Maschine soll einmal schwieriges Gelände auf Himmelskörpern erkunden.

Der vierbeinige Laufroboter in der künstlichen Kraterumgebung. 

Der vierbeinige Laufroboter in der künstlichen Kraterumgebung. 

Foto: Daniel Kühn/DFKI GmbH

Die Entwickler von Robotern sind ganz vernarrt in Tiere. Sie haben Katzen, Hunde, Robben, Vögel und andere Lebewesen nachgebaut. Jetzt ist der Affe dran. Das Original bewegt sich, wie jeder Zoobesucher und Gibraltar-Besucher weiß, äußerst geschickt. Felsen etwa sind für Affen kein Hindernis. „iStruct Demonstrator“, wie seine Väter das jüngste künstliche Tier nennen, soll der NASA als Scout für die Erkundung des Mondes angeboten werden. Das dortige Gelände könnte er, anders als rad- oder kettengetriebene Fahrzeuge, locker bewältigen.

Wissenschaftler des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern und der Universität Bremen haben den Roboteraffen gebaut. Dass er die Fähigkeit hat, auf dem Mond herum zu klettern, bestätigt Lars Witte vom Institut für Raumfahrtsysteme im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Das Mondfahrzeug der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA etwa, genannt Lunar Roving Vehicle, könne allenfalls 30 Zentimeter hohe Hindernisse überwinden. Der Sprössling aus Kaiserslautern und Bremen schaffe dagegen selbst die Krater auf dem Mond, von denen Forscher wertvolle Informationen erwarten.

CAD-Zeichnung der Wirbelsäule des affenähnlichen Roboters.

CAD-Zeichnung der Wirbelsäule des affenähnlichen Roboters.

Foto: Frank Beinersdorf/DFKI GmbH

Der künstliche Affe hat, wie sein natürliches Vorbild, eine Art Wirbelsäule. Daran sind die Arme und Beine befestigt. Die Wirbelsäule ist zudem ein Datenkanal, der die Extremitäten vernetzt, sodass sie koordiniert bewegt werden können. Arme und Beine haben Gelenke wie sie die Natur vorgegeben hat. Zahlreiche Sensoren simulieren die berührungsempfindlichen Nervenenden in den Affenarmen, -beinen und -füßen. Diese melden Hindernisse an den Bordcomputer, der daraufhin die Steuerung der Arme und Beine anpasst, sodass es weiter vorangeht.

Der Stromverbrauch ist noch zu hoch

18 Kilogramm bringt „iStruct Demonstrator“ auf die Waage. Bisher gibt es nur einen einzigen Prototypen, der noch einen entscheidenden Nachteil hat. Sein Stromverbrauch ist so hoch, dass längere Missionen nicht möglich sind. Auch die Störanfälligkeit ist noch zu hoch. Die Entwickler glauben, dass es noch eine Reihe von Jahren dauert, bis er so zuverlässig und sparsam im Energieverbrauch ist, dass ein Einsatz im Weltraum möglich ist. Auf der Erde könnte er allerdings schon früher tätig werden, etwa als Kundschafter für das Militär oder bei Katastropheneinsätzen.

Von Wolfgang Kempkens

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