Roboter fragen die Cloud 12.03.2013, 13:38 Uhr

Know-how-Austausch mit „Kollegen“

Wissenschaftler fünf europäischer Hochschulen und Philips entwickeln eine Cloud-Computing-Plattform, die Roboter mit Wissen versorgt. Jetzt stellen sie die Beta-Version vor.

Mit RoboEarth können Pflegeroboter künftig ihren Handlungsspielraum eigenständig erweitern. 

Mit RoboEarth können Pflegeroboter künftig ihren Handlungsspielraum eigenständig erweitern. 

Foto: ETH Zürich

Menschen sind schon drin in der Cloud. Sie speichern dort ihre Daten und zapfen Software an, die sie nicht selbst kaufen, sondern gegen eine Art Leihgebühr zeitweise nutzen wollen. Künftig schweben auch Roboter über den Wolken. Sie sollen Hochleistungscomputer in Rechenzentren via WLAN anzapfen, um dort gesammeltes Know-how zu nutzen. Eigenes Wissen wiederum geben sie weiter in die Cloud, sodass andere Roboter davon profitieren können. Wissenschaftler von Hochschulen in Zürich, Stuttgart, München, Saragossa und Eindhoven sowie der Industriepartner Philips haben die Rapyuta genannte Cloud-Computing-Plattform entwickelt. Sie präsentieren die Beta-Version von RoboEarth, so die Bezeichnung des Projekts, vom 19. bis 21. März beim EU Robotics Forum in Lyon. Rapayuta ist in dem computeranimierten japanischen Film „Das Schloss im Himmel“ ein Schloss in den Wolken, in dem Roboter wohnen.

RoboEarth: Cloud Computingspeziell für Roboter

RoboEarth: Cloud Computingspeziell für Roboter

Quelle: TU München

Die Züricher Forscher beschreiben die Möglichkeiten der Plattform so: Ein Pflegeroboter hat die Aufgabe, einen Patienten mit Mineralwasser zu versorgen. Kein Problem, das hat er schon oft gemacht. Er rollt zum Kühlschrank und öffnet ihn. Doch statt der vertrauten Ein-Liter-Flaschen liegen halb so große drin.

Normalerweise müsste er jetzt kapitulieren oder zumindest menschliche Hilfe anfordern. Aber  besagter Pflegeroboter weiß sich zu helfen. Er nimmt Kontakt mit der Plattform auf, schildert sein Problem und erhält Anweisungen, wie er die Flaschen mit der ungewohnten Form packen und transportieren kann. Mit kaum messbarer Verzögerung kommt er beim durstigen Patienten an.

Mit entsprechend hoher Computerleistung an Bord könnte der Pflegeroboter das Problem auch selbst lösen. Doch dann wäre er erheblich teurer, größer und schwerer. Zudem könnte er nur die neuen Aufgaben bewältigen, die seine Programmierer vorausgesehen haben. Wenn sie sich aber der enormen Leistung eines Rechenzentrum und des Wissens anderer Roboter bedienen sind sie neuen Herausforderungen besser gewachsen.

Lernalgorithmen für Roboter

Wissenschaftler am Institut für Dynamische Systeme und Regelungstechnik der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich entwickeln die Lernalgorithmen für das Projekt. Diese ermöglichen Robotern einfache Aufgaben – wie beispielsweise das Öffnen einer Tür – selbst zu lernen. Die Wissenschaftler nutzen auch statistische Methoden, um den Robotern beizubringen, aus einer großen Datenmenge das herauszufiltern, was ihnen bei der Lösung einer neuen Aufgabe hilft. Die Europäische Union fördert das Projekt mit 5,6 Millionen Euro.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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