Robotik 04.06.2010, 19:47 Uhr

„Kleinstunternehmer brauchen Automation“

Er ist an wichtigen Innovationen auf dem Feld der Robotik maßgeblich beteiligt, der studierte Elektroingenieur Eberhard Kroth, Geschäftsführer bei Reis Robotics, Obernburg, sowie Geschäftsführer der Holding über der gesamten Unternehmensgruppe Reis. Schon als Kind habe er beruflich mit Dingen zu tun haben wollen, wo ganz viele Schrauben dran seien, sagt Kroth im Gespräch mit den VDI nachrichten.

„Roboter, die Bauteile hin und her bewegen, verbunden mit Sensorik und Bildverarbeitung – das wäre für mich als Kind Science-Fiction gewesen“, bekennt Eberhard Kroth. Heute bewegt er sich an der Spitze jener Entwicklungen, bei denen die Eigenschaften von Robotern fast schon menschliche Dimensionen annehmen. „Als ich anfing zu studieren, war die Robotik noch gar nicht so präsent“, sagt er.

Doch der studierte Elektroingenieur spezialisierte sich auf einem Gebiet, das sich für seinen beruflichen Werdegang als sehr nützlich erweisen sollte. Seine Diplomarbeit an der TH (heute TU) Darmstadt befasste sich mit Mikroprozessoren, und die Promotion über die Regelung von hochdynamischen Antrieben durch Mikroprozessoren vertiefte und verfeinerte die zuvor schon erlangten Erkenntnisse. Dass er später bei der Firma Reis, an der er auf dem Weg zur Hochschule immer vorbeigefahren sei, mit der Softwareentwicklung für Antriebsregelung und Bahnsteuerung betraut wurde, passte perfekt zum Studium. „Das war die logische Fortsetzung meines Promotionsthemas“, berichtet der Geschäftsführer, der seine berufliche Karriere ausschließlich bei Reis Robotics machte.

Zu den spannendsten Entwicklungen, an denen er beteiligt war, zählt Kroth unter anderem den Tankroboter, eine Technik, die allerdings bis heute nicht in der Praxis angekommen ist. „Die Tankrobotik ist eine faszinierende Entwicklung, aber am Ende standen wohl hohe Kosten der Tankstellen-Nachrüstung einer Umsetzung entgegen“, so Kroth.

Gewiss könne man sich zwar auch für das künftige Elektroauto Batterieaustausch-Roboter vorstellen, doch würden dafür letztlich sehr simple Roboter genügen. Die Firma Reis suche eigentlich größere Herausforderungen, weswegen man sich bei Reis mit dem Thema Batterieaustausch wohl nicht befassen werde.

Zu wirklich komplexeren Robotiklösungen gehöre etwa die Integration eines Lasers in den Roboterarm. Reis sei ungemein erfolgreich in der Zusammenführung der beiden Welten Lasertechnik und Maschinenbau. Nicht minder interessant sei z. B. auch die Bearbeitung von Elementen für die Flugzeuginnenverkleidung, bei der es um die extrem genaue Produktion von Einzelteilen geht. Auf diesem Gebiet seien mithilfe der modernen Robotik beachtliche Fortschritte erzielt worden.

Bei der Roboterentwicklung gehe es neuerdings aber nicht nur um die Schaffung von Produkten für Großunternehmen, kleine und mittelständische Betriebe sollten ebenso von der Robotik profitieren können. „Auch beim Kleinstunternehmer wird es nötig sein zu automatisieren“, meint Kroth. Eine Schreinerei, die effizient produzieren will, müsse wiederkehrende Aufgaben wie das Bohren von Dübellöchern oder bestimmte Fräsarbeiten automatisieren. Erschwinglich müssten solche Roboter sein. „Da müssen die Preise runter“, so der Roboterexperte.

In der Produktion für kleinere Betriebe liege jedenfalls ein großes Zukunftspotenzial. Zudem würden Roboter künftig portabel. „Wenn bei einer Baggerschaufel ein Zahn rausbricht, muss der Reparaturroboter hin zur Baggerschaufel.“ Das umgekehrte Verfahren sei ineffizient.

Lange Zeit belieferte die Firma Reis hauptsächlich Unternehmen der Kfz-Branche. Man sei bis 2004 stark abhängig gewesen von der Automobilindustrie und deren Zulieferern, sagt Kroth. Doch dann habe sich das Unternehmen z. B. mit der Photovoltaik ein neues Marktsegment erschlossen. So produziere man z. B. Komplettsysteme für die Fertigung von Solarmodulen und Solarkollektoren samt kundenspezifischen Prozessentwicklungen. Mittlerweile mache Reis auf diesem Gebiet etwa 50 % des Umsatzes und sei bereits Weltmarktführer mit Exportgeschäften mit den USA und China.

Als wichtige Entwicklung bewertet Kroth Assistenzroboter zur Entlastung von Werkern. Selbst Beschäftigte mit Bandscheibenproblemen könnten mithilfe dieser Roboter eingesetzt werden, weil sie nichts mehr heben müssten. Auch behinderte Menschen würden durch die künstlichen Assistenten im Alltag Hilfe erhalten. Die Assistenzroboter könne er sich auch gut in der Altenpflege vorstellen. Kroth: „Das Essenaustragen könnte mit Robotern automatisiert werden.“ Dies sollte aber nicht Pflegepersonal ersetzen, sondern Freiräume schaffen, sich mehr mit den Menschen zu beschäftigen.

Den Roboter der Zukunft stellt sich Kroth „menschlicher“ vor. Im Jahr 2020 würden diese Maschinen noch flexibler und mobiler sein als heute, vermutet Kroth. Sie seien dann geeignet für wechselnde Arbeitsplätze, einfacher zu programmieren, funktionierten über Sprachsteuerung und könnten durch eine immer feinere Sensorik und Bildtechnik Informationen über die Umwelt scannen – und das alles zu immer günstigeren Preisen. LARS WALLERANG

Bisherige Teile der Serie stehen unter:

www.vdi-nachrichten.com/fruehling

Von Lars Wallerang
Von Lars Wallerang

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