Robotik 02.05.2003, 18:24 Uhr

Japaner mögen Bi-Ped-Robots

menschenähnlich müssen sie sein; Industrieroboter sind weniger gefragt.

Staunend blicken deutsche Ingenieure nach Japan angesichts der Vielfalt an humanoiden Robotern, die sich von Generation zu Generation in ihrer Funktion, aber auch in ihrem gefälligen Aussehen steigern. Ob im mobilen Pflege- und Seniorendienst oder als Helfer, der Menschen beim Essen assistiert, Blutdruck misst oder auch nützlicher Begleiter beim Einkauf: Auf der Messe Robodex 2003 im April in Yokohama bei Tokio wurden 100 Robotertypen gezeigt nach dem Motto: „New Society Living with Robot, now takes off“. Laut Sony-Direktor Toshitada Doi, Organisator der Robodex und Entwickler des Roboterhundes Aibo, wird die Robotertechnik zu einem Bereich werden, gleichgestellt mit der Automobil- oder Computerindustrie.
Seit der Roboter Dream Exhibition in Yokohama im Jahr 2000, auf der nach menschlichem Vorbild gestaltete Humanoide ihren großen Auftritt hatten, gab es erhebliche Entwicklungsfortschritte, z.B. Verbesserungen der Bild- und Stimmenerkennungstechnik. Der Asimo Roboter von Honda Motor, weltweit bekannt für sein Debüt als erster Humanoid, der die Eröffnungsglocke am New York Stock Exchange läutete, reagiert z.?B. auf menschliche Befehle, wie „Komm her!“. Inzwischen kann Asimo zwischen zwölf Befehlen unterscheiden und zehn Gesichter erkennen, einschließlich das seines Besitzers. Asimo reagiert dabei nicht auf die Befehle Fremder.
Roboter können heute ihren Gemütszustand je nach den Bedürfnissen verändern. Der „ApriAlpha“-Roboter von Toshiba wurde so konstruiert, dass ihm im Bedarfsfall jeweils neue Eigenschaften verliehen werden können, z.?B. durch neue Software für die Stimmerkennung, Kommunikationsfähigkeit und Bewegungssteuerung. So kann der Roboter E-Mails laut lesen oder mit einer Kamera einen Ort überwachen.
Das Advanced Telecommunications Research Institute International (ATR) hat einen Roboter entwickelt, der seine Reaktionen und sein Verhalten verändert, je nachdem wie er berührt wird. Ähnlich wie sein Vorgänger, der Robovie2, verfügt das Nachfolgemodell über die Kommunikationsfähigkeiten eines drei bis vierjährigen Kindes. Der Mantel des Roboters besteht aus einer „Haut“ aus schaumartigen PUR und Silikon mit 48 Piezo-Elementen als taktile Sensoren. Klopft man Robovie2S leicht auf die Schulter, reagiert er freundlich. Wird er geschlagen, reagiert er mit Schmerz oder dem Ausruf „Au“.
Mehr und mehr Roboter halten heute Einzug als Haushaltsgehilfe oder als Hilfspersonal in Büros und Pfleger in Krankenhäusern. Matsushita Electric Works hat einen Roboter entwickelt, der in Krankenhäusern als Gehilfe in der Verwaltung Aufgaben übernimmt. Seit vorigem Jahr testet das Krankenhaus Shiga University of Medical Science einen Roboter, der Röntgenaufnahmen und medizinische Charts an die stark beschäftigten Ärzte und Krankenschwestern ausliefert.
Der von Mitsubishi Heavy Industries entwickelte Wakamaru-Roboter kann alte und kranke Menschen überwachen. Der Roboter kann fragen, ob sie gegessen haben und unterrichtet Familienmitglieder oder den Hausarzt per E-Mail, sollte er eine Unregelmäßigkeit feststellen. Mitsubishi will Wakamaru im kommenden Geschäftsjahr für 17 000 Dollar auf den Markt bringen. Sohgo Security Services Co und Tmsuk Co haben unterdessen einen Sicherheits-Roboter entwickelt. Dieser Roboter läuft im 24-h-Betrieb auf der Basis einer Brennstoffzelle.
Der SDR-4X II von Sony Corp., das Nachfolgemodell des Humanoiden SDR-3X, ist mittlerweile in der Lage sich wieder aufzurichten, wenn er aus der Balance gerät. Der Roboter kann sich zudem abfedern, sollte er stolpern oder fallen. Sony will den Roboter in Haushalten einsetzen. „Wenn Roboter als Hausgehilfen agieren sollen, müssen sie auf zwei Beinen laufen können, erläutert Satoshi Amagai, Präsident von Sony Entertainment Robot Co.
Japans besondere Beziehung zu menschenähnlichen Robotern kann bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Damals beschrieb ein Konjaku Monogatari Shu eine mechanische Puppe. Der erste moderne Humanoid Gakutensoku wurde 1927 entwickelt, er zeigte eine menschenähnliche Gesichtsmimik und konnte schreiben.
Auf der einen Seite geht es Japanern bei ihren Entwicklungen um die Verwirklichung eines alten Menschheitstraums, vergleichbar mit der Geschichte des mittelalterlichen Golem in Prag; andererseits geht es aber ganz einfach ums Geschäft. Die großen Konzerne mit ihren Elektronik-Abteilungen suchen neue Absatzmärkte.
Das weiß auch Martin Hägele, Abteilungsleiter Robotersysteme am Stuttgarter Fraunhofer-Insitut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA): „Die Verkaufszahlen von Roboterhunden und Spielzeugrobotern belegen, dass es um weit mehr als nur um Experimente zur Einführung komplexer mechatronischer Produkte in unserem Alltag geht.“ Aus Sicht des führenden deutschen Roboter-Instituts IPA bedauert Martin Hägele, dass Servicerobotern, etwa für Krankenhäuser, Pflegeheime oder private Haushalte, hierzulande noch immer mit Skepsis begegnet werde.
Laut Hägele werden jedoch Verfahren zur Mensch-Roboter-Interaktion erarbeitet, um sowohl die sichere Kooperation zwischen Mensch und Roboter als auch die intuitive Bedienung zu ermöglichen so z. B. im BMBF-Leitprojekt Morpha mit 16 Partner aus Industrie und Forschung, das nach vier Jahren zum Juli 2003 ausläuft. „Ein Teil davon, „Heim- und Pflege“, koordiniert von Siemens, zeigt“, so Hägele, „dass die Systeme den Vergleich mit japanischen nicht zu scheuen brauchen“. Roboterforscher Hägele erhofft sich nun, dass diese Ergebnisse mutig umgesetzt werden. B. ODR/IPA/KÄM
www.robodex.org

 

Von B. Odr/Ipa/Käm
Von B. Odr/Ipa/Käm

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