Navigation im Lager 07.01.2014, 12:48 Uhr

Intelligente Fahrzeuge übernehmen selbstständig Lagerarbeiten

Interaktive, fahrerlose Transportfahrzeuge, die sich in Fabrikhallen alleine orientieren können und Lagerarbeiten selbstständig ausführen, sollen in der Fabrik der Zukunft rollen. Ein Zuruf und eine Geste und das Fahrzeug weiß, welcher Artikel wohin transportiert werden soll. Ingenieure arbeiten in einem Forschungsprojekt an der Sprach- und Gestensteuerung, um Fahrzeugen das Hören und Sehen beizubringen. 

Die Ingenieure Dr. Sebastian Behling (links) und Hans-Heinrich Götting von der Uni Hannover testen einen Prototypen, der mit Gesten und Sprache gesteuert wird.

Die Ingenieure Dr. Sebastian Behling (links) und Hans-Heinrich Götting von der Uni Hannover testen einen Prototypen, der mit Gesten und Sprache gesteuert wird.

Foto: Susann Reichert /IPH

„Bring diese Palette zu Regal 12, Fach 3“ – diese Anweisung eines Lagerarbeiters könnte künftig von einer Maschine ausgeführt werden und Lagerarbeitern die Arbeit erleichtern. Der Lagerarbeiter zeigt auf die entsprechende Palette und die Maschine weiß Bescheid. Diese führt den Auftrag aus, da sie Sprache und Geste erkennt.

Transporter wird per Gesten und Sprache gesteuert

An der Umsetzung dieser Idee arbeiten Ingenieure des Instituts für Integrierte Produktion in Hannover (IPH). In dem Forschungsprojekt  „FTF out of the box“ entwickeln sie eine Sprach- und Gestensteuerung für Transportsysteme, die die Steuerung von Fahrzeuge durch Sprachbefehle und Gesten wie Winken erlaubt.

Damit die Fahrzeuge Aufträge zuverlässig ausführen können, müssen sie sich im Lager zurechtfinden. Bisher waren dazu Führungslinien oder Magnetsensoren auf dem Boden zur Orientierung erforderlich. Jetzt sollen sich die Maschine ähnlich wie ein Mensch im Raum an markanten Punkten orientieren. Die Ingenieure arbeiten daran, dass die Fahrzeuge die Umgebung erfassen und abspeichern. Auch Umbauten werden auf diese Weise von den Fahrzeuge erkannt. Dabei erlaubt die Software, dass die Geräte dazu lernen und auch verstehen können, wenn im Lager umgeräumt wird, Waren an anderem Ort gelagert werden oder ein Regal zur Seite gerückt wird. Die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, der sich problemlos an eine sich wandelnde Umgebung anpassen kann, sollen damit auf Maschinen übertragen werden.

Forscher entwickeln neuartige Navigationstechnik

Dafür arbeiten Wissenschaftler des Instituts für technische Informatik der Universität Lübeck (ITI) an der Entwicklung eines Navigationssystems für fahrerlose Transportfahrzeuge. Unternehmen aus der Industrie beteiligen sich an der  Entwicklungsarbeit. Der Hamburger Staplerhersteller Jungheinrich hat die Koordination des Projektes übernommen. Dazu gehören auch die Entwicklung eines neuen Systems zur automatischen Palettenein- und auslagerung und die Integration sämtlicher Komponenten in zwei Schubmaststapler. Die Sicherheitstechnik übernimmt die Firma Götting aus Lehrte bei Hannover.

Vier Logistik- und Produktionsunternehmen wollen den Prototypen unter realen Bedingungen testen. Das Projekt „FTF out of the box“ startete am 1. Oktober 2013 und läuft insgesamt drei Jahre. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützt es im Rahmen des Forschungsprogramms „Autonomik für Industrie 4.0“. 

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