Roboter an der Front 30.05.2013, 15:00 Uhr

In Afghanistan kämpfen längst mehrere Tausend Roboter

Längst kämpfen im Irak und in Afghanistan nicht nur unbemannte Drohnen. Inzwischen sind auch Roboter am Boden im Einsatz, beispielsweise um Minen aus dem Weg zu räumen. Aber auch kämpfende Roboter sind schon in Planung.

Das Rüstungsunternehmen Talon hat einen Roboter entwickelt, der Minen erkennt und anschließend per Greifarm aus dem Weg räumt.

Das Rüstungsunternehmen Talon hat einen Roboter entwickelt, der Minen erkennt und anschließend per Greifarm aus dem Weg räumt.

Foto: Talon

Der Talon-Roboter ist ein harter Bursche. Als er bei einem Anschlag auf ein amerikanisches Militärfahrzeug im Irak von dessen Ladefläche über das Brückengeländer in den Euphrat geschleudert wurde, hatten die Soldaten keine große Mühe, den Roboter zu retten, ohne selbst nasse Füße zu bekommen. Per Remote Control steuerten sie ihn aus dem Fluss an Land, die Böschung hoch und bis auf die Straße. Dort luden sie ihn wieder auf und weiter ging es.

„Talon“ ist als Markenname für den amerikanischen Hersteller Foster-Miller Inc. geschützt. Das 1956 von drei Absolventen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston gegründete Entwicklungsunternehmen gehört heute zu QinetiQ, der in Europa wohl größten ganz auf Auftragsforschung und -entwicklung konzentrierten Unternehmensgruppe. Neben der Entwicklung beschäftigt sich Foster-Miller allerdings längst auch mit der Produktion von Robotern.

Ein Talon wiegt 45 Kilo und rollt auf Hartgummi-Raupen

Allein die alliierten Truppen in Afghanistan haben schon mehr als tausend Talon-Roboter erhalten. Der 45 Kilo wiegende gleicht einem Mini-Bagger, weil er sich auf Raupen aus Hartgummi bewegt. Einsetzbar in Schnee, auf Eis, über Treppen und in felsigem Gelände nimmt „Talon“ verschiedene Sensor-Packs auf und sucht nach den jeweiligen Anweisungen nach Bomben und Minen, die am Straßenrand oder in der Fahrspur vergraben sind.

Sieben Vorwärtsgänge erlauben auch schnelle Bewegung. Charakteristisch ist die Betriebssicherheit. In New York nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 9. September 2001 durchsuchten verschiedene Talons die Trümmerberge 45 Tage lang ohne jeglichen Ausfall. Die ersten Roboter bekamen die amerikanischen Truppen in Bosnien bereits im Jahre 2000. Weil sie sich dort bewährten, begann die Serienproduktion. Abnehmer sind das Militär und die Polizei in den Vereinigten Staaten und in kleinerem Umfang auch in Europa und wenigen anderen Ländern der Welt.

Der Roboter kann mit seinem Greifarm auch Minen packen und transportieren.

Der Roboter kann mit seinem Greifarm auch Minen packen und transportieren.

Quelle: Talon

Entsprechend der unterschiedlichen Anforderungen der Hauptabnehmer hat Foster-Miller den Talon-Roboter mittlerweile zu einer vielseitigen Roboter-Familie ausgebaut, zu der auch die Swords gehören. Swords, auf Deutsch Schwerter, heissen die  schnellen, bewaffneten Aufklärungsfahrzeuge, die ebenfalls schon in Afghanistan Dienst tun.

Auch Roboter mit Grantwerfern in Planung

In Erprobung sind Fahrzeuge, die mit Granatwerfern bestückt sind. Aber selbst die schwersten dieser Roboter wiegen maximal nur 170 Kilogramm, um so ihren Luft- und Straßentransport zu erleichtern. Charakteristisch für sie  ist die Vielseitigkeit. Das reicht bei größeren Modellen bis zum Bordkran, mit dem sich ferngesteuert die Nutzlast automatisiert auswechseln lässt, etwa Waffen gegen  Sensor-Systeme.

Das Bedienungspersonal, das die Talons oder Swords fernsteuert, braucht keine besondere Ausbildung. „Plug and Play“ reicht soweit, dass das Bedienungspersonal sich allein auf das Steuern des Fahrzeugs konzentrieren kann. Erspähen die Sensoren Verdächtiges, so melden sie sich visuell oder mit Ton. Fernsehkameras liefern Bilder. Notfalls ist per Lautsprecher auch mündlicher Kontakt mit Verdächtigen möglich.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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