Roboter von Fraunhofer 07.01.2016, 12:10 Uhr

Dieser Sprengstoffexperte sieht durch Koffer und Bombe hindurch

Aufregung, Panik: Ein herrenloses Gepäckstück steht am Bahnhof. Verbirgt sich darin eine Bombe? Künftig soll ein Roboter Sprengstoffexperten bei ihrer gefährlichen Arbeit unterstützen. Aus sicherer Entfernung gesteuert und fähig durch den Koffer hindurchzusehen. 

Eine verdächtige Weste wird auf Sprengstoff untersucht. Künftig soll diese gefährliche Aufgabe zunächst ein mit Technik gut bestückter Roboter übernehmen, der sich aus sicherer Entfernung steuern lässt und 3D-Aufnahmen vom Inneren des zu untersuchenden Gegenstandes liefert. 

Eine verdächtige Weste wird auf Sprengstoff untersucht. Künftig soll diese gefährliche Aufgabe zunächst ein mit Technik gut bestückter Roboter übernehmen, der sich aus sicherer Entfernung steuern lässt und 3D-Aufnahmen vom Inneren des zu untersuchenden Gegenstandes liefert. 

Foto: Bienert/Bundeswehr

Meist handelt es sich zwar bei solch herrenlosen Gepäckstücken nur um vergessene Koffer, Taschen oder Rucksäcke. Manchmal allerdings steckt mehr dahinter. Mit Sprengkraft. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg haben jetzt einen Roboter mit integrierter Sensoreinheit entwickelt, der den Inhalt eines solchen Gepäckstückes in 3D scannt.

Mit der so genannten Sensor-Suite kann in kürzester Zeit ermittelt werden, ob es sich um Wäsche und Co. oder doch um eine unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung (USBV) handelt. „USBV-Inspektor“ heißt das Projekt, an dem neben den Forschern aus Wachtberg auch das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, die Leibniz Universität Hannover sowie die Unternehmen ELP und Hentschel System mitarbeiten.

Trio aus Scanner, Digitalkamera und 3D-Umgegbungserfassung

Die Sensor-Suite besteht aus einem Millimeterwellenscanner (Radarsensor), einer hochauflösenden Digitalkamera und einer 3D-Umgebungserfassung, die auf einer Roboterplattform montiert sind. Die  Einsatzkräfte können den Roboter aus sicherer Entfernung steuern. Schwenkbare 3D-Sensoren vermessen den Tat- oder Fundort dreidimensional, die digitale Kamera liefert hochaufgelöste Bilder für die spätere optische Beweissicherung. Bislang waren die Spezialisten oftmals gezwungen, die Kofferbomben zu zerstören, was die Ermittlung der Täter erschwert. 

Ein Roboter könnte künftig ein verdächtiges Gepäckstück zunächst berühungslos durchleuchten. 

Ein Roboter könnte künftig ein verdächtiges Gepäckstück zunächst berühungslos durchleuchten. 

Foto: Landeskriminalamt NRW

Der Millimeterwellensensor durchleuchtet die potentielle Gefahrenquelle und bildet das Innere ab. Der auf dem Roboter integrierte PC sammelt diese Daten und sendet sie an die Ermittler. Dort werden sie ausgewertet und zu einem Gesamtbild zusammengefügt.

Sensor-Suite kann auch in Zügen eingesetzt werden

Durch diese multimodale Bestückung gelingt eine schnelle und umfassende Einordnung der Gefahrenlage. Zudem ist das berührungslose Detektionssystem leicht, kompakt und plattformunabhängig. Das Sensor-System lässt sich auf jeden beliebigen Roboter montieren und kann auch in Zügen eingesetzt werden.

Bombenteile in 3D sichtbar

„Mit bisherigen Verfahren lassen sich Kofferbomben nicht dreidimensional darstellen, eine räumliche Zuordnung des Inhalts ist nicht oder nur bedingt möglich. Mit der Sensor-Suite können wir das Innere eines Gepäckstückes dreidimensional visualisieren und feststellen, aus welchen Teilen die Bombe besteht und wie diese im Gepäck angeordnet sind“, erläutert Stefan A. Lang, Teamleiter am FHR und Koordinator des Programms „Forschung für zivile Sicherheit“. Mit zwei Millionen Euro fördert das Bundesforschungsministerium das Projekt.

Ein Demonstrator des Radarsensors ist im April 2016 fertiggestellt. Umfangreiche Praxistests der ferngesteuerten Sensor-Suite starten Mitte 2017. Auf den Markt kommt sie 2019. 

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