Tally macht Dauer-Inventur 17.11.2015, 15:35 Uhr

Dieser kleine Scan-Roboter findet jede Lücke im Supermarkt-Regal

Jetzt sollen Roboter auch noch die Arbeit der Regaleinräumer übernehmen. Jedenfalls wenn es nach der Firma Simbe Robotics geht. Sie hat den Roboter Tally entwickelt, der selbständig durch die Gänge der Supermärkte fährt und den Inhalt der Regale autonom erfasst und analysiert.

Der mobile Scan-Roboter Tally kann auch falsch ausgezeichnete Produkte aufspüren. Der Roboter erkennt Lücken im Sortiment und falsch eingeräumte Produkte. Er wird derzeit in den USA getestet.

Der mobile Scan-Roboter Tally kann auch falsch ausgezeichnete Produkte aufspüren. Der Roboter erkennt Lücken im Sortiment und falsch eingeräumte Produkte. Er wird derzeit in den USA getestet.

Foto: Simbe Robotics

„Wenn’s nicht im Regal ist, haben wir’s nicht mehr“: Diese Auskunft ist beliebt, erspart sie doch den Gang ins Lager. Doch den Supermarkt kostet das entgangene Geschäft viel Geld. Leere Flächen in den Regalen, fehlerhaft eingeräumte Waren, Fehlplatzierungen und Lücken kosten den deutschen Einzelhandel etwa 3,9 Mrd. € jährlich. Davon entfallen 18 % auf Mängel bei der Organisation zurück. Diese 700 Mio. € könnten von Tally eingespart werden, meint das amerikanische Start-up Simbe Robotics – Erfinder des autonomen Roboters Tally.

Tally soll Fehlbestände laufend erkennen und dafür sorgen, dass die Lücken im Sortiment wieder aufgefüllt werden. Bisher ist das Erfassen die Aufgabe der Angestellten. Die sind allerdings wegen der knappen Personaldecke dazu nicht ständig in der Lage. Deshalb die Idee für Tally, der laufend durch den Supermarkt rollt. In den USA wird Tally gerade bei ersten Händlern getestet.

Tally fährt ohne Pause durch die Regale

Der in San Francisco entwickelte Roboter fährt völlig autonom und selbstständig während der Geschäftszeiten durch den Supermarkt und scannt dabei den Inhalt der Regale. Mit blinkenden Augen rollt er mit seiner Größe von etwa einem Meter und mit einem Gewicht von 15 kg durch die Gänge. Dank zahlreicher Sensoren kann Tally Kollisionen mit Kunden und Regalen vermeiden.

Bis zu 15.000 Artikel kann der Roboter Tally pro Stunde scannen. Die Daten werden an das Data-Warehouse-System des Supermarktes übermittelt. Die Mitarbeiter erhalten sofort Nachricht, welche Produkte nachgefüllt werden müssen.

Bis zu 15.000 Artikel kann der Roboter Tally pro Stunde scannen. Die Daten werden an das Data-Warehouse-System des Supermarktes übermittelt. Die Mitarbeiter erhalten sofort Nachricht, welche Produkte nachgefüllt werden müssen.

Foto: Simbe Robotics

Tally bleibt etwa alle 120 cm stehen und nimmt ein Foto auf. Der Roboter kann 15.000 Artikel pro Stunde erfassen. Zum Vergleich: Ein normaler deutscher Supermarkt führt etwa 10.000 Artikel in seinem Sortiment, so das das EHI-Retail Institute. Großflächige Supermärkte führen inzwischen bis zu 25.000 Artikel. Das heißt: Der Roboter kann das Sortiment normaler Supermärkte binnen einer Stunde scannen.

Mitarbeiter erhalten Fehlermeldungen aufs Handy

Und wie funktioniert die Warenerfassung durch Tally? Die Scans übermittelt der Roboter an das Data-Warehouse-System des Supermarktes, wo sie mit den Soll-Daten verglichen werden. Die Fotos sind dabei mit Metadaten versehen, die die Waren identifizieren und beim Aufräumen helfen.

Dabei spürt der rollende Scanner aber nicht nur Lücken im Sortiment auf. Tally erfasst auch falsch einsortierte oder von Kunden falsch zurückgestellte Produkte. Auch mit unkorrekten Preisen ausgezeichnete Produkte werden entdeckt. Die Ergebnisse erhalten die Supermarkt-Mitarbeiter direkt auf ihr Mobilgerät oder Tablet, so dass sie umgehend reagieren können.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt übrigens der Jeans-Hersteller Levis. Da in Boutiquen oft die Hose in der richtigen Größe fehlt, hat Levis zusammen mit Intel einen Chip entwickelt, der jede Hose im Laden identifiziert. Liegt die Hose mit der gesuchten Größe irgendwo im Laden, wird sie dank des Chips in wenigen Sekunden gefunden. 

Von Petra Funk

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