Humanoide spielen Fußball 21.07.2014, 12:25 Uhr

Anpfiff für den Robocup 2014 in Brasilien

Fliegender Wechsel in Brasilien: Kaum ist die deutsche Nationalmannschaft abgereist, klatschen Forscher der Universität Bremen ab. Im Gepäck 60 Zentimeter große Roboter, die beim RoboCup 2014 Fußball spielen.

Tore schießen reicht nicht aus, um Weltmeister zu werden. Die Robokicker müssen der Jury auch ihre Teamplayerqualitäten zeigen. Hier spielt Software die Schlüsselrolle. 

Tore schießen reicht nicht aus, um Weltmeister zu werden. Die Robokicker müssen der Jury auch ihre Teamplayerqualitäten zeigen. Hier spielt Software die Schlüsselrolle. 

Foto: Robocup 2014

Es bleibt nur noch wenig Zeit für die jungen Wissenschaftler der Universität Bremen und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), um ihre 60 Zentimeter großen humanoiden Roboter des Teams B-Human aufzuwärmen: Die Studenten müssen noch einmal überprüfen, ob die Software zuverlässig läuft, noch einmal checken, ob alle Gelenke, Motoren und Sensoren der Elektrokicker richtig eingestellt sind. Denn um 20 Uhr MESZ ist Anpfiff für den Robocup 2014.

Roboter bewegen sich dank Sensoren autonom auf dem Fußballfeld

Team Human-B tritt bei der WM in der sogenannten Standard Platform League an: Zwei Teams mit jeweils fünf Robotern kicken dabei einen Streethockeyball auf einem Spielfeld, das sechsmal neun Meter groß ist. Und zwar autonom. Die Roboter orientieren sich mit Sensoren an Linien, Torpfosten und Mitspielern. Ohne Zutun ihrer menschlichen Trainer können sie passen, schießen, hinfallen, allein wieder aufstehen und sogar foulen. Ist ein Foul zu böse, endet ihre Autonomie allerdings: Der Schiedsrichter nimmt den Roboter dann kurzerhand in den Arm und trägt ihn vom Platz.

In der Standard Platform League arbeiten alle 19 Mannschaften mit baugleichen Robotern. Über Sieg und Niederlage entscheidet die Raffinesse der Software. „Wir sind von morgens bis abends am Vorbereiten und Programmieren“, sagt Tim Laue, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team Human-B, im Bericht des Delmenhorster Kreisblatts.

In dieser Disziplin kämpfen große humanoide Roboter eins gegen eins – allerdings im Schneckentempo. 

In dieser Disziplin kämpfen große humanoide Roboter eins gegen eins – allerdings im Schneckentempo. 

Foto: Robocup 2013

Sobald das Spiel dann aber läuft, ist Schluss mit menschlicher Einflussnahme. Dann sind die Roboterfußballer auf sich allein gestellt, sieben Spiele lang, bis zum Finale. Und für einen Sieg müssen sie mehr zeigen als nur Tore. Eine Jury bewertet auch die Teamplayerqualitäten, die bei manchen ausbaufähig erscheinen: Internetvideos vergangener Turniere zeigen Roboterspieler, die scheinbar lustlos auf dem Spielfeld herumtapsen, fernab vom Spielgeschehen. Andere versetzen die Zuschauer wiederum mit ihrem Ballgeschick ins Staunen.

Deutsches Team B-Human verteidigt Weltmeistertitel

Zwar hat B-Human einiges an Selbstvertrauen – 2013 gelang es dem Team, den Weltmeistertitel abzuräumen. Doch in der Robotik tut sich innerhalb eines Jahres viel, weiß Teamleiter Dr. Thomas Röfer: „Wir rechnen mit einer starken Konkurrenz“. Vor allem aus Australien, den USA und dem Iran, aber auch aus Deutschland. Das Nao-Team der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) hatte es Team Human-B zuletzt im Finale des Robocup 2013 schwer gemacht.

Über das Geschick dieser fahrenden Roboter staunte beim Robocup 2013 in Eindhoven auch schon Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande.

Über das Geschick dieser fahrenden Roboter staunte beim Robocup 2013 in Eindhoven auch schon Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande.

Foto: Robocup 2013

Insgesamt sind rund 4000 Wissenschaftler und Ingenieure aus aller Welt nach João Pessoa im Nordosten Brasiliens gereist, um am Robocup 2014 teilzunehmen. Interessant ist auch eine der fünf anderen Disziplinen, bei der fast menschengroße Roboter eins gegen eins spielen. Sie bewegen sich allerdings in so langsamen Gänseschritten zum Ball, dass in Internetvideos regelmäßig vorgespult wird. Bis die Technik hier das Tempo von Lahm, Müller und Co. erreicht, wird noch einige Zeit vergehen, bestätigt auch Laue. „Bis die Mechanik in der Lage ist, den Ball mal locker dreimal hochzuhalten und ihn dann zu köpfen, wird es ewig dauern“. Ziel sei erst einmal, stabil und schnell zu laufen und nicht umzufallen. 

Von Patrick Schroeder Tags:

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