Kultur 11.01.2008, 19:32 Uhr

Wo der Avatar die Exponate erklärt  

VDI nachrichten, Bonn, 11. 1. 08, cha – Holografische Scheiben, erklärende Kurzfilme neben dem Exponat, Dokumentationen zum Hintergrund in museumseigenen Kinosälen, Avatare im Gespräch mit Besuchern, die Liste für den Einsatz digitaler Medien – vor allem interaktiver und dialogischer – in Museen ist lang. Wer erzählen und unterhalten will, braucht sie im Prozess der Vermittlung. Doch entscheidend ist nicht, dass neue Technologien eingesetzt werden, sondern wie es geschieht.

Seit ein paar Monaten präsentiert das Deutsche Museum in München seine neue foto- und filmtechnische Sammlung. Hunderte von Exponaten fordern die Aufnahmebereitschaft der Besucher heraus. Doch allein beeindruckende Technik zu zeigen, genügt nicht, um einen nachhaltigen Lernprozess auszulösen. Menschen sollen Exponate in ihrem Kontext verstehen. Museen suchen sich immer häufiger digitale Unterstützung, um interessanter zu präsentieren und um individueller zu informieren.

Das Deutsche Museum setzt – einmalig in Deutschland – in der neuen Dauerausstellung unter anderem interaktive holografische Projektionsflächen als Informationsmedium ein. Man muss sich das so vorstellen: In unmittelbarer Nähe zur zentralen Ausstellungsvitrine wurden drei Fenster in einen Rahmen gesetzt. Diese Scheiben sind prall gefüllt mit Inhalt. Sie reagieren auf Berührung und nehmen die Besucher mit auf Informationsreise.

Besucher können an der Scheibe rund 300 Objekte aufrufen. Die Originale haben sozusagen virtuelle Doubles, die man nicht nur anschauen kann. So können Objekte gedreht und ihr Innenleben erkundet werden. Von hohem Interesse für den Sammler und Spezialisten sind Auf- und Inschriften der Objekte, die sich auf den Hersteller oder die Bedienung beziehen. Und wer noch weiter einsteigen will, kann sich kurze Filme aufrufen und so mehr über Automatisierung oder Box-Kameras erfahren.

Die „diskursiven Scheiben“, wie sie auch genannt werden und ihre Wirkung sind Untersuchungsgegenstand im Projekt „Lernen im Museum. Die Rolle von Medien für die Re-Situierung von Exponaten“. Unter der Federführung des Instituts für Wissensmedien, Tübingen, wird das besondere Lernpotenzial digitaler Medien in naturwissenschaftlich-technischen Museen und Ausstellungen untersucht. An dem interdisziplinären Forschungsprojekt, das mit 1,4 Mio. € gefördert wird, sind das Deutsche Museum und das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel beteiligt. Es läuft bis Dezember 2008.

Das Angebot an Filmen in Museen hat sich immer weiter ausdifferenziert. Entscheidend für die Rezeption ist, dass sie kurz sind. Sonst schaut sie niemand bis zum Ende an. In der Regel werden jedoch längere Fassungen als Einführung in ein Thema von Besuchern gerne angenommen. Außerdem sind sie für viele Museen ein hervorragendes Medium, um Zusammenhänge darzustellen, die sonst nur schwer zu vermitteln sind. Oder sie haben dokumentarische Funktion, weil Objekte verschwunden oder zerstört sind.

Auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden ist das 3-D-Zeitalter angebrochen. Eine im deutschsprachigen Raum bis jetzt einmalige Animation mit dem Titel „Iwein – Ritter der Tafelrunde“ entführt dort in die Sagenwelt von König Artus und in die Zeit der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Dort erleben Besucher gewissermaßen die ältesten profanen Wandmalereien nördlich der Alpen nach dem Versepos Iwein des Hartmann von Aue mit zeitgenössischen Mitteln neu.

Nichtsdestotrotz fehlt Filmen klassischer Machart das Dialogische. Diese Lücke könnten Avatare, also digitale künstliche Figuren, schließen, die Museumsbesucher direkt ansprechen. Alexander Stricker, Geschäftsführer von Charamel Köln, ist der festen Überzeugung, dass Avatare im Museum einen Mehrwert für Gäste bieten. Mit einem Dummy führte er auf der Kölner Messe Exponatec vor, welche Qualitäten der computergenerierte Film hat. Eine freundliche, aber künstliche Dame sprach die Museumsgäste direkt an, stellte das Haus vor und spielte Wegweiserin, sozusagen das Leitsystem für das Museum. Ihr Vorteil: Sie ist flexibel einsetzbar. Die technische Entwicklung lässt dies – zumindest teilweise – zu: Avatare können Menschen beobachten, verstehen und kommentieren. „Niemand geht in das Museum, um Informationstechnologie kennenzulernen, sondern wegen der Exponate. Der Avatar ist eine Schnittstelle in der Face-to-face-Kommunikation. Je menschlicher er oder sie rüberkommt und je weniger synthetisch eine Stimme ist, um so stärker wird die Akzeptanz“, so Stricker. Filme – das haben „intelligente“ Museen längst gelernt – müssen szenografisch integriert sein. Die nachhaltige Vermittlung geht vor Effekthascherei. Gerade weil laufende Bilder emotionalisieren und linear Geschichten erzählen können, sind sie so gut geeignet, Menschen in besonderer Weise anzusprechen und sie gleichzeitig mit Hintergrundwissen zu versorgen. INES GOLLNICK

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