Ausstellung im Ruhr Museum 19.05.2013, 08:00 Uhr

Weltreise zu den Kohlenrevieren unserer Zeit

Stahl ist der Motor des Fortschritts. Doch um ihn zu erschmelzen, bedarf es der Kohle. So ist es nur folgerichtig, dass sich das Ruhr Museum in Essen nach der erfolgreichen Krupp-Ausstellung nun dem zweiten großen Thema des Ruhrgebiets und des Industriezeitalters widmet. Die Schau „Kohle.Global – Eine Reise in die Reviere der anderen“ zeigt, dass nie zuvor weltweit so viel Kohle abgebaut wurde wie heute. Ihre Vorkommen sind ungleich größer als diejenigen von Öl und Gas.

Treppenhaus im Ruhr Museum.

Treppenhaus im Ruhr Museum.

Foto: Ruhr Museum/Brigida González

In Deutschland endet der subventionierte Steinkohlenbergbau im Jahre 2018. Aber die Kohle wird für die heimische Industrie auch über dieses Datum hinaus eine wichtige Rolle spielen, wie Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalens, in ihrem Grußwort konstatiert: „So wird Kohle als Energieträger in der Stahlindustrie gebraucht. Die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken erfüllt in den kommenden Jahrzehnten eine wichtige Brückenfunktion in der Energiewende.“

Anders bei der Braunkohle: „Hier ist Deutschland weltweit größter Produzent und Verbraucher“, betont Ulrike Stottrop, die als Leiterin der Abteilung Geologie/Naturkunde des Ruhr Museums für Konzept und Realisation der Ausstellung verantwortlich ist. „Weichbraunkohle ist bislang der einzige Energierohstoff, über den Deutschland in wirtschaftlich gewinnbaren Mengen verfügt.“

Kohle wird in über 60 Ländern gewonnen

Kohle wird in über 60 Ländern, den geologischen Verhältnissen entsprechend, im Tage- oder im Tiefbau gewonnen. Die Ausstellung zeigt Kohlenstücke aus zahlreichen Lagerstätten und unterschiedlichen Erdzeitaltern. Die Geologin erläutert: „Von der Braunkohle mit dem geringsten Kohlenstoffanteil bis zur Anthrazitkohle fächert sich die globale Kohle in der Vielfalt ihrer Inkohlungsgrade und Qualitätseigenschaften auf.“

Heizwert, Schwefel-, Asche- und Wassergehalt variieren beträchtlich zwischen einzelnen Vorkommen. Braunkohle mit ihrer relativ geringen Energiedichte wird meist lagerstättennah verstromt. Steinkohle hat einen höheren Energieinhalt und eignet sich damit besser für einen kostspieligen Transport zu fernen Verbrauchern.

In vielen Ländern schafft der Bergbau eine spürbare Verbesserung. Doch mit dem Garant für bessere Infrastrukturen, für Fortschritt, Arbeitsplätze und Wohlstand gehen Umweltbeeinträchtigungen einher, wie Landverbrauch und Emissionen. In Europa gilt das einstige Schwarze Gold nicht mehr allein als vielgeschätzter Brennstoff, sondern als Klimakiller Nr. 1.

Unterschiedlichste Kohlemenschen

Den Besucher erwartet eine Weltreise zu den Kohlenrevieren unserer Zeit von Spitzbergen bis Feuerland, von Indonesien bis Südafrika, Wyoming bis Sibirien. Er begegnet unterschiedlichen „Kohlenmenschen“ und erlebt die Vielfalt der Welt der Kohle: „Einerseits die hypermoderne Förderung, die Größe der Technik, eingebunden in global getaktete, hoch rationelle Produktions- und Transportketten, andererseits eine atavistisch anmutende, immer noch allein auf (Selbst-)Ausbeutung des Bergmanns fußende Kohlegewinnung“, differenziert „Reiseleiterin“ Ulrike Stottrop.

Ausstellungsplakat.

Ausstellungsplakat.

Foto: Ruhr Museum

„Aus einer zunächst europäischen und dann nordamerikanischen Energiequelle hat sich die Kohle während nur eines halben Jahrhunderts zu einer hauptsächlich asiatischen Energiequelle entwickelt“, erläutert Jean-Marie Martin-Amouroux, ehemaliger Direktor für Forschung am französischen Zentrum für Nationale Forschung (CNRS). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren es zunächst Japan und Korea, anschließend Indien, China, Vietnam und Indonesien.

Heute sind es die Mongolei, Bangladesch, die Philippinen und Thailand.

Die Essener Ausstellung beschreibt den Energiehunger der alten und der neuen Industriegesellschaften. Sie schärft das Bewusstsein für die Chancen und die Folgen der Globalisierung, die Grenzen des Wachstums, den Umgang mit mineralischen Rohstoffen und für Fragen der Verteilungsgerechtigkeit. Im Kohlekosmos geht es um die großen Zukunftsfragen unserer Zeit!

Der Ausstellungsort hätte nicht besser gewählt werden können: Eine Schau über die weltweiten Lagerstätten der Kohle und ihre Gewinnung auf Zollverein, der einst größten Steinkohlenzeche der Welt – heute Unseco-Welterbe der Menschheit.  

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