Kultur 25.07.2003, 18:26 Uhr

„Was willst Du denn hier?“

Nicht erst seit diesem Sommer prägen Sympathie und Antipathie das Verhältnis zwischen Italienern und Deutschen, wie die Ausstellung „Neapel-Bochum-Rimini. Arbeiten in Deutschland, Urlaub in Italien“ in Bochum zeigt.

Von Pesaro an der Adria, dort wo Kanzler Schröder eigentlich den Urlaub verbringen wollte, machte sich Celso Curzi vor 44 Jahren auf, um auf der Zeche Hannover in Bochum unter Tage sein Geld zu verdienen. „Mein erster Eindruck war geprägt von der schweren Arbeit. Aber auch mit den Deutschen war es am Anfang nicht gerade leicht“, erinnert sich Curzi.
In der rauen Sprache der Kumpel musste sich der damals 20-Jährige Sprüche anhören, wie: Was willst du denn hier? Briefmarke auf den Hintern und ab nach Rimini. Curzis Vater hatte noch gewarnt, dass der Sohn sich im fernen Deutschland nicht wohl fühlen werde und vorsorglich ein Portemonnaie mit 50 000 Lire für die Rückreise in den Koffer gepackt.
Doch es kam anders. Aus dem Barackenlager – wo schon die Zwangsarbeiter während des Krieges hausen mussten – fand Curzi recht schnell den Weg in den deutschen Alltag, heiratete eine Einheimische und blieb. „Ich bin froh über mein Leben als Italiener in Deutschland. Ich habe mich hier eigentlich immer wohl gefühlt, kann vergleichen, da ich zwei Mal im Jahr nach Italien fahre“, zieht Celso Curzi ein positives Fazit.
Als 12-Jährige reiste 1958 zum ersten Mal Monika Clasen in den Süden und fand das fremde Land und die Adria geradezu berauschend: „Blauer Himmel, Sonnenschein in der ganzen Ferienzeit: das kannte man ja gar nicht aus unseren Breiten“, gerät Monika Clasen noch heute ins Schwärmen. Typisch deutsch war wohl die erste Reaktion auf das ganz andere italienische Essen. „Wir rümpften die Nase, weil es fremd war, probierten und fanden es dann köstlich“.
Die Ausstellung in Bochum zeigt liebe- und humorvoll inszeniert, wie sich Deutsche und Italiener seitdem gegenseitig beeinflussten, aber auch ihre Klischees und Vorurteile weiter pflegten und sich deshalb, bei aller Nähe, auch fremd blieben. 350 Exponate sind zu sehen – 40 private Leihgeber, darunter 28 Italiener, haben persönliche Gegenstände und zahlreiche Fotos beigesteuert. Da gibt es unter anderem die typische italienische Eisdiele im Ruhrgebiet, die Campingausrüstung mit Geschirr aus bruchsicherem Bakelit, das deutsche Wohnzimmer, hergerichtet für den gefürchteten Dia-Abend, italienische Mode als Mitbringsel aus dem Urlaub, Erinnerungsstücke, wie die Spaghettimaschine, die Don Catoldo mit über die Alpen nahm oder die gehäkelten „Schlafsocken“ von Mama Malviani aus Sizilien, die sie ihrem Sohn für das Leben im kalten Ruhrgebiet mitgab.
Sieben Biographien berichten abschließend und beispielhaft über das Leben ehemaliger Arbeitsmigranten in Deutschland oder wieder in der alten Heimat Italien, eine Fotoserie zeigt die zur Tradition gewordenen jährlichen Passionsspiele der Italiener im Ruhrgebiet, und es wird die Frage gestellt: Was bleibt? Italienische Momente im deutschen Leben.
MANFRED BURAZEROVIC
www.zeche-hannover.de
Vom 12. Juli bis 26. Oktober 2003 im
Westfälischen Industriemuseum Zeche Hannover, Günnigfelder Straße 251, Bochum-Hordel, Sonntag 11 bis 18 Uhr, Dienstag, 17 bis 20 Uhr. Führungen nach Anmeldung, Informationen unter 0231/6961–233

Von Manfred Burazerovic

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