Kultur 24.10.2008, 19:38 Uhr

Was macht die Bank mit unserem Geld?

Vor drei Jahren wurde der österreichische Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer mit „We feed the world“ bekannt, einem Film über die globale Nahrungsmittelproduktion. Sein neues Werk behandelt das weltweite Finanzsystem und das zeugt von Weitblick. Denn gedreht wurde natürlich vor der aktuellen Finanzkrise. Jetzt trifft der Film auf die Realität – und kann standhalten.

Städteplaner Ramon Fernandez Duran von der Universität Madrid spricht von einem „Zement-Tsunami“. Er meint die riesigen Feriensiedlungen, die in den letzten Jahren an den Küsten Spaniens gebaut wurden. In Luftaufnahmen sehen sie ja noch ganz schön aus. Aus der Nähe zeigt sich das Desaster: Zehntausende Häuser stehen leer. Sie sind nicht zum Wohnen gebaut worden, sondern als Investment. Wahrscheinlich stecken auch unsere Rentenfonds darin.

Die spanische Immobilienblase ist nur einer unter vielen Schauplätzen der Finanzkrise in Erwin Wagenhofers Film zur Krise „Let’s make money“, der kommende Woche in die Kinos kommt. Der österreichische Autor ist vor drei Jahren bekannt geworden mit „We feed the world“ über die globale Nahrungsmittelproduktion. Sein neuer Film behandelt nun das Finanzsystem und zeugt von Weitblick. Denn geplant und gedreht wurde natürlich vor der aktuellen Finanzkrise.

Das Roadmovie zum Finanzdesaster: In der Ahafo Mine in Ghana wird Gold gefördert, eingeschmolzen und direkt in die Schweiz geflogen. 3 % bleiben für Afrika, 97 % für den Westen. In der indischen 8-Mio.-Stadt Chennai wird billig produziert, Investoren aus London investieren und der österreichische Industrielle Mirko Kovats freut sich über die Abwesenheit von Sozialstandards. Die Wiener Verkehrsbetriebe haben ihre Straßenbahnen per „Cross boarder Leasing“ einem amerikanischen Rentenfonds überantwortet – ein Problem, das bisher kaum noch ins Auge gefasst ist, auch nicht in Deutschland.

Die Diagnose des Films ist eindeutig: Wir haben es nicht mit einer Finanzkrise zu tun, sondern mit einer Gesellschaftskrise. Wesentliche Elemente des globalen Wirtschaftssystems sind „out of balance“. Dabei geht der Autor mit fast naivem Blick an die Probleme heran. „Es gab noch nie so viel Geld“, lautet eine seiner Fragen, „aber wo ist es?“.

Wie er es mit seiner Ethik halte, fragt er den Finanzinvestor Mark Mobius. Der verwaltet als Präsident von „Templeton Emerging Markets“ einen der größten Fonds, mit dem Geld in Dritte-Welt-Länder investiert wird, um danach das Vielfache herauszuholen. Die Antwort ist entwaffnend: „Ich glaube nicht, dass ein Investor verantwortlich ist für die Ethik, für die Verschmutzung oder das, was eine Firma verursacht, in die er investiert. Seine Aufgabe ist zu investieren und Geld für seine Klienten zu verdienen.“

„Let’s make money“ führt auch durch die jüngere Finanzgeschichte. Angefangen hat das alles mit der Deregulierungspolitik von Nixon, Reagan und Thatcher. Anfang der siebziger Jahre hat Margret Thatcher London in den führenden Finanzplatz verwandelt und den Banken gestattet, Transaktionen offshore, also über Steuerparadiese, abzuwickeln – dorthin sind Unsummen von Geld verschwunden, und zwar ein Vielfaches von dem, was die Staaten derzeit in ihre Bankensysteme pumpen. Anfang der 70er Jahre, so die These des Films, habe Nixon die Währungsdeckung des Dollar von Gold auf Öl umgestellt – offiziell ist das nicht, aber jedenfalls eine These, in der der Film namhaften Wirtschaftshistorikern folgt.

Einer von ihnen ist der Finanzökonom John Christensen, ehemaliger Wirtschaftsberater der Regierung von Jersey. Er kann aus eigener Wahrnehmung schlüssig darstellen, was Neoliberalismus in der Wirtschaftspolitik meint: Deregulierung der Finanzmärkte, Liberalisierung des Handelns, Reduzierung des Staatseinflusses und Privatisierung der Industrie: „Das sind die vier politischen Druckmittel, die vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank angewandt werden.“

Keine Frage: Der Film ist parteiisch und will es auch sein. Er polemisiert bis hin zu der Zuspitzung, ob die Welt sich die Reichen noch leisten kann. Er bewegt sich entlang der Gegensätze von Armut und Reichtum. Der Züricher Wirtschaftsredakteur Gerhard Schwarz propagiert, man könne doch von Migranten einen Eintrittspreis nach Europa verlangen.

Die Antwort kommt postwendend. Wenn der Westen seine Baumwollsubventionen nicht stoppe, sagt Francis Kologo aus Burkina Faso, wo wegen des Preisverfalls die Bauern nicht mehr von der Baumwolle leben können, „dann werden wir bei Euch einfallen. Wenn wir auswandern, können sie ruhig zehn Meter hohe Mauern bauen. Wir werden trotzdem nach Europa kommen.“ FRITZ WOLF

Von Fritz Wolf

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