Museumsschiff 30.07.2010, 19:48 Uhr

Vor Anker und doch in voller Fahrt

Das größte Exponat des Technoseum – Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim – liegt direkt unterhalb der Kurpfalzbrücke im Neckar: Ein prachtvoller, historischer Schaufelraddampfer, vor mehr als 80 Jahren ausgelegt für Ausflüge von bis zu 2500 Passagieren, heute ein Teil des Technoseums. Das Museum sucht nun Zeitzeugen.

Der Dampfer „Mannheim“ ist nicht nur Ausstellungsstück, sondern auch Ausstellungsort des Museums. Um die wechselvolle Geschichte des Schiffs noch besser darstellen zu können, ist das Technomuseum jetzt auf der Suche nach Zeitzeugen, die in den 1940er-, 50er- oder 60er-Jahren als Sommerfrischler mitgefahren sind oder auf einem Ausflugsdampfer gearbeitet haben. Pressereferentin Marit Teerling forscht nach „Erinnerungen von Fahrgästen, die einst eine Fahrt mit einem Ausflugsdampfer unternommen haben“. Außerdem würden z. B. Kapitäne und Matrosen, Maschinisten und Heizer, Kellner und Küchenpersonal gesucht, die von ihrer Arbeit an Bord erzählen können.

Ziel sei es, das Freizeitverhalten sowie die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit zu rekonstruieren und die Vergangenheit des Museumsschiffes durch Geschichten für die Besucherinnen und Besucher wieder lebendig werden zu lassen. „Gerade auch Details wie etwa der Speiseplan aus der Kombüse, ein aufbewahrtes Ticket oder ein mitgenommener Bierdeckel, Fotos sowie die Bekleidung der Passagiere sind daher von besonderem Interesse.“

Die Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrts AG hatte den Raddampfer in Auftrag gegeben. Ende Mai 1929 lief er vom Stapel, und seine Jungfernfahrt unternahm er unter seinem ursprünglichen Namen „Mainz“ im Juni des Jahres auf dem Rhein. Für die Mainzer Schiffswerft Christoph Ruthof war es der tausendste Neubau: knapp 84 m lang, mit einem Tiefgang von gut 1 m und mit einer 900 PS starken, zweizylindrigen Verbund-Dampfmaschine ausgestattet. „Schon bei der Konstruktion der Aggregate für Energieerzeugung und Kraftübertragung war die ,Mainz“ technisch gesehen veraltet“, erläutert Schifffahrtsexperte und Technoseum-Konservator Hartmut Knittel. „Der Schraubenantrieb hatte sich zu dieser Zeit bereits durchgesetzt, und auch die ersten Dieselmotoren kamen auf Binnenschiffen zum Einsatz. Schaufelräder und Dampfantrieb setzte man bei der ‚Mainz’ aber ganz bewusst ein, denn schon damals erwarteten Touristen von einem Ausflug auf dem Rhein auch etwas Nostalgie und Romantik.“

Bis zum Zweiten Weltkrieg zählt die „Mainz“ zu den schnellsten Schiffen auf dem Rhein, stromabwärts ist sie bis zu 23 km/h schnell. Ab 1933 fährt das Schiff für die NS-Organisation „Kraft durch Freude“, umgeht den Befehl zur Selbstversenkung und übersteht als eines der wenigen Passagierschiffe den Krieg unbeschadet. Bald ist der Dampfer wieder als Ausflugschiff im Einsatz, kollidiert jedoch 1956 am Deutschen Eck bei Koblenz mit einem Motorschiff und sinkt. Nachdem das Schiff geborgen und auf die Werft gebracht worden war, wird es bis 1957 grundlegend umgebaut und nach dem damaligen Zeitgeschmack modernisiert: Den kohlebefeuerten Kessel ersetzt eine Hauptfeuerung mit Schweröl. Im Jahr 1980 wird die „Mainz“ außer Dienst gestellt. 1985 überlässt die Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrts AG das Schiff der „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschifffahrtsmuseums e.V.“. Am 17. Oktober 1986 schließlich wird die „Mainz“ als „Museumsschiff Mannheim“ dem Landesmuseum übergeben.

Heute dokumentiert dieses in seiner ständigen Ausstellung den tiefgreifenden wirtschaftlichen, sozialen und technischen Wandel der Flussschifffahrt. Durch den Fall der Zölle und Abgaben brachte die „Mannheimer Rheinschifffahrtsakte“ im Jahre 1867 die Gewerbefreiheit auf dem Rhein. Das Umschlagrecht wurde aufgehoben, die Schifferzünfte wurden abgeschafft. Selbstständige Schiffer, die so genannten Partikuliere, schlossen sich zu Schiffergilden zusammen. Sie haben sich behauptet und sind fester Bestandteil der Binnenschifffahrt auf dem Rhein.

An den neuen, interaktiven Versuchsstationen können die Besucher experimentieren und herausfinden, warum Fische schwimmen und Vögel fliegen oder wie eine Schleuse funktioniert. Im Neckarlabor können unscheinbare Organismen unter dem Mikroskop untersucht werden. Wasserproben zeigen die Qualität des Neckarwassers.

Im Juli und August heißt es sonntags „Familie aktiv“. „Unter dem Thema ,Neckar – Wasser – Schiffe’ können kleine Bootsbauer Modellschiffe entwerfen und bauen“, erläutert Marit Teerling. „Dabei wird geklebt, geraspelt und dekoriert. Das neu entstandene Wasserfahrzeug wird anschließend in dem Nachbau einer Neckarschleuse, der sich auf dem Achterdeck des Museumsschiffes befindet, auf seine Seetüchtigkeit hin überprüft.“ Jeden Mittwoch im August ist das Museumsschiff außerdem Gastgeber der Konzertreihe „Haste Töne“ mit Chansons, Klassik, Jazz, Pop und Kabarett.

ECKART PASCHE

Von Eckart Pasche

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