Museum 29.01.2010, 18:33 Uhr

„Volkshalle“ für die Kunst ist lichtdurchflutet

Funktional und transparent: Das Ruhrgebiet rockt im Jahr der Kulturhauptstadt weiter und bietet ab Samstag das neue Folkwang-Museum. Der britische Stararchitekt David Chipperfield hat das 55 Mio. -Gebäude entworfen. Alleiniger Förderer des neuen Museumsteils ist die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. VDI nachrichten, Düsseldorf, 29. 1. 10, cha

Im altnordischen Volksepos Edda bezeichnet der Begriff Folkvangar (Volkshalle) den Palast der Göttin Freya. Als Karl-Ernst-Osthaus das Folkwang-Museum 1902 in Hagen gründete, waren nordische Mythen beliebt, als Kontrast zum bürgerlich-wilhelminischen Zwang. Neben dem Museum initiierte er eine Folkwang-Malschule, einen Folkwang-Verlag, eine Künstlerkolonie. „Kunst für alle“, das war sein Motto.

Doch 1921 verstarb Osthaus und die Essener Fachschule für Musik, Tanz und Sprache sowie der Handwerker- und Kunstgewerbeschule durfte sich fortan mit dem Einverständnis des Museums Folkwang nennen. 1929 erhielt das Museum einen Neubau und der damalige Leiter füllte es mit wertvollen Arbeiten moderner Kunst, doch 1937 unter dem Barbarismus der Nationalsozialisten wurde ein großer Teil der außergewöhnlichen Sammlung zerstört. Nach dem Krieg gelang es, einige Werke zurückzukaufen, zudem erhielt das Museum 1960 ein neues Zuhause, ein modernes Gebäude, in dem die klassische Moderne Unterkunft fand und es entwickelte sich zu einem der renommiertesten deutschen Kunstmuseen mit herausragenden Sammlungen der Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne, der Kunst nach 1945 und der Fotografie, die seit 1979 eine eigene Abteilung hat. 1985 wurde es zusammen mit dem Ruhrlandmuseum in ein großes Zentrum umgewandelt. Und da jetzt das Ruhrlandmuseum im spektakulären Ruhr Museum in der Kohlenwäsche auf Zollverein aufging, ist es laut Museumsdirektor Hartwig Fischer „Das Wunder von Essen“, dass auch das Folkwang in neuem Glanz erstrahlt.

David Chipperfield hat das Museum nach eigenem Bekunden „nach dem Vorbild eines kleinen Dorfes mit Häusern und Plätzen geplant“. Das mit langen Sichtachsen gegliederte Gebäude habe das Paradox aller Museen lösen müssen, erklärt der Architekt: „Man will sich darin verlieren, aber man will sich auch orientieren.“ Stahlbeton- und Glasfassaden, das passt ins Revier. Die Kombination aus Kuben und hellen Innenhöfen wird nicht nur die Essener begeistern. Chipperfield hat den modernen Bau aus dem Jahr 1960 in seinen neuen Entwurf integriert. Dieser wird allerdings zurzeit noch auf den modernsten Stand gebracht (Zusatzkosten etwa 11 Mio. €) und erst im März eröffnet, dann ist auch wieder die Kunst des 19. Jahrhunderts dort zu bewundern. Samstag wird der Neubau eröffnet, gezeigt wird Kunst ab 1945. Die Bausünde aus den 80er-Jahren ist verschwunden, hier hat der Architekt nun einen mit 22 000 m2 Nutzfläche versehenen Erweiterungsbau gesetzt. „Es sollte einen klaren Zugang geben, und die Besucherströme sollten problemlos durch das Museum zirkulieren können“, sagt der Architekt.

Die Besucher betreten das Gebäude jetzt von der viel befahrenen Bismarckstraße durch einen verglasten Innenhof. Das Innere ist zweigeschossig, die Ausstellungsräume befinden sich aber alle im Erdgeschoss und auf einer Ebene mit dem Altbau. Der Baugrund zur Stadt fällt ab, der in sechs flache Quader gegliederte Baukörper befindet sich an seinem nördlichen Ende auf einem Sockelgeschoss aus Beton. „Architektur ist Erneuerung und gleichzeitig Tradition“, hat Chipperfield einmal gesagt. Ab dem 20. März gibt es die Sonderausstellung „Das schönste Museum der Welt“. Bis zum 25. Juli werden Werke gezeigt, die das Folkwang vor 1933 erwarb. Darunter auch Franz Marcs Weidende Pferde IV, das für vier Monate aus den Vereinigten Staaten nach Essen zurückkehrt. CLAUDIA HANTROP

www.museum-folkwang.de

Von Claudia Hantrop

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