Kultur 15.08.2008, 19:36 Uhr

Unternehmenstheater vermittelt mit viel Emotionen harte Fakten  

Unternehmenstheater.

Der Kollege kommt spät, das Abendessen für das Team ist bereits serviert. Zunächst fällt er der Runde nicht weiter auf. Doch dann steht er auf. Er beginnt einen Monolog, berichtet aus seinem Arbeitsalltag, streut bekannte Anekdoten ein. Die anderen Gäste hören gebannt zu – geht es doch plötzlich um ihre Schwierigkeiten mit den neuen Vertriebsvorgaben.

Nach einem Jahr Training hatte die Geschäftsleitung der HeidelbergCement AG beschlossen, die Themen der neuen Vertriebsoffensive Beton in diesem Frühjahr noch einmal mit einem Theaterstück zu untermauern. „Uns ist es damit gelungen, das Projekt in den Köpfen der Teilnehmer mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren zu lassen“, so Geschäftsführer Klaus Schneider. „Es gab begeisterte Rückmeldungen.“

Zum dritten Mal engagierte HeidelbergCement Dany und Bernhard Strobel, Inhaber der Visual Communication Group in Mannheim. Die Theatermacher inszenieren ihre Stücke nicht in erster Linie für Kulturfans. Ihre Zielgruppe sind vielmehr das Entwicklungsteam, das Marketing- oder das Vertriebsteam eines Unternehmens. Denn die Strobels machen „Business-Theater“. „Wir versuchen bei unseren Inszenierungen immer, vom Menschen auszugehen“, erklärt Bernhard Strobel das Konzept. „Wenn wir etwa die Einführung einer neuen Tasse begleiten sollen, fragen wir nicht nach den Eigenschaften der Tasse – wir fragen danach, die wievielte Tasse das für den Außendienst ist, ob die letzte Tasse ein Flop war und so weiter.“ Nach intensiven Gesprächen mit den Auftraggebern und Nachfragen im Unternehmen entwickelt der Autodidakt Bernhard Strobel ein Drehbuch, seine Frau Dany übernimmt die künstlerische Leitung. Für ein 30-Minuten-Stück arbeiten Autoren, Regisseur und Schauspieler gemeinsam mit den Unternehmensverantwortlichen etwa sechs bis acht Wochen. Das Textbuch wird vom Auftraggeber freigegeben.

Unternehmenstheater hat viele Gesichter. Während sich Visual Communication auf Business- und Seminartheater spezialisiert hat, setzen etwa Good Vibrations oder Clamotta aus Köln auch auf Improvisationstheater, also entwickeln die Stücke spontan nach Zurufen aus dem Publikum. Good Vibrations tritt zudem mit Comedy zum Thema Vertrieb an, entwickelt aber auch eigene Stücke für Firmen oder arrangiert ein Krimi-Dinner – hier müssen Mitarbeiter dann im Team gemeinsam einen kniffligen Fall lösen. Auch das IQ-Businesstheater aus Kirchseeon fertigt Auftragsstücke an, dazu gibt es Musikeinlagen.

Für das Unternehmenstheater gibt es seit Jahren typische Themen, weiß Experte Prof. Georg Schreyögg vom Lehrstuhl für Organisation und Führung am Institut für Management der FU Berlin. Dazu gehören etwa Konflikte bei Akquisitionen und Fusionen, Konflikte zwischen umsatzorientiertem Verkauf und kostenorientierter Fertigung oder Kommunikations- und Kompetenzprobleme zwischen Zentrale und Niederlassungen.

Meist, so Bernhard Strobel, gehe es in irgendeiner Form um das Thema Veränderung. Doch egal, welche Darstellungsart oder welches Thema gewählt wird, das Mittel ist beim Unternehmenstheater immer dasselbe: die Emotion. „Die Situationen auf der Bühne werden durchlitten, bekämpft und so weiter. Das lässt sich leicht beobachten, wenn man als Zuschauer einer Unternehmenstheater-Aufführung beiwohnt und die Spannung, das befreiende Lachen und vor allem die Schweißausbrüche miterlebt“, beschreibt es Schreyögg. Damit die Stücke funktionieren, sollten Theatermacher allerdings Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge mitbringen. „Man sollte nicht vergessen, dass das Publikum beim Unternehmenstheater aus Fachleuten besteht und jeder sachliche Fehler die Glaubwürdigkeit der Aufführung infrage stellt“, sagt der Wissenschaftler.

Genau hier will Visual Communication bei den Kunden punkten. Denn Bernhard Strobel arbeitete lange als Unternehmensberater und kennt die Prozesse und Konfliktfelder in Betrieben. Reine Schauspieler und Kabarettisten hätten meist noch nie eine Company von innen gesehen und wüssten somit auch nicht, welche Zwänge in Unternehmen herrschten, sagen die Strobels. Christiane Bohlmann, Leiterin Marketing Deutschland der HeidelbergCement AG bestätigt diese Meinung. Sie habe das Projekt in sehr kurzer Zeit gemeinsam mit Visual Communication umsetzen können. „Die Mitarbeiter haben danach bestätigt, dass die Inhalte den Nagel auf den Kopf getroffen haben.“

Viele Auftraggeber seien nach Erhalt des ersten Textbuches allerdings „regelrecht schockiert, wenn sie lesen, welche Stimmung in ihrem Unternehmen herrscht“, berichtet Bernhard Strobel aus seiner 19-jährigen Tätigkeit. Zwei Kunden haben in dieser Zeit ihre Projekte sogar abgebrochen. Trotzdem lohne sich der Mut, Projekte auf diesem Weg zu visualisieren, sagt Christiane Bohlmann: „In unserem Fall konnten die Mitarbeiter durch den Monolog des Schauspielers erkennen, dass die Geschäftsleitung ihre Probleme wahrnimmt – sie fühlten sich ernst genommen.“

Ausgesprochen günstig ist diese Kommunikationsform allerdings nicht. So muss bei einer Buchung etwa von Visual Communication mit einer fünfstelligen Summe gerechnet werden. Doch Dany Strobel relativiert die Zahl: „Mit Business-Theater können Sie schnell, aber tiefgründig mehrere hundert Menschen mit einer Vorstellung erreichen – in welchem Training schaffen Sie das sonst?“

Eine Erfolgsgarantie gibt es trotzdem nicht, warnt Prof. Schreyögg. „Das Unternehmenstheater kann sehr gut in Bewegung setzen, aber die Anschlusshandlungen sind damit nicht vorher bestimmbar“, so Schreyögg. Das meint auch Christiane Bohlmann: „Mit einem Theaterstück werden keine Probleme gelöst, aber es bietet die Möglichkeit, Themen zu reflektieren.“ Ein Ansatz, über den sich nachzudenken lohnt.

SIMONE FASSE

Von Simone Fasse

Stellenangebote im Bereich Naturwissenschaften

Evonik Technology & Infrastructure GmbH-Firmenlogo
Evonik Technology & Infrastructure GmbH Sachverständiger (m/w/d) Druckanlagen Zugelassene Überwachungsstelle Marl
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM-Firmenlogo
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM Wissenschaftliche Mitarbeiter / Wissenschaftlicher Mitarbeiter – Digitalisierung und Qualitätssicherung Bremen
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH-Firmenlogo
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH Trainee (m/w/d) Systems Engineering im Bereich Luftfahrt / Defence Fürstenfeldbruck
Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Wissenschaftlicher Mitarbeiter Systemdesign Beleuchtung (m/w/x) Oberkochen
Landeshauptstadt Wiesbaden-Firmenlogo
Landeshauptstadt Wiesbaden Ingenieurin / Ingenieur für den Bereich Schutz und Bewirtschaftung der Gewässer (w/m/d) Wiesbaden
MEKRA Lang GmbH & Co. KG-Firmenlogo
MEKRA Lang GmbH & Co. KG Hardwareentwickler (m/w/d) mit Schwerpunkt Bauteilverfügbarkeit Ergersheim
ESG Mobility GmbH-Firmenlogo
ESG Mobility GmbH Systemingenieur FuSi Automotive / Bahn (m/w/d) Rüsselsheim
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle-Firmenlogo
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Diplom-Ingenieurinnen (FH) / Diplom-Ingenieure (FH) bzw. Bachelor of Science / Engineering (m/w/d) Eschborn
Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Elektronik-Konstrukteur (m/w/x) Oberkochen
Fresenius Medical Care Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Medical Care Deutschland GmbH Design Verification Engineer (m/w/d) Sankt Wendel

Alle Naturwissenschaften Jobs

Top 5 Rekorde