Online-Therapie 05.12.2014, 08:33 Uhr

Uni-Forschungsprojekt: Trauerhilfe per E-Mail

Kann man stark trauernden Menschen mit einer internetbasierten Therapie helfen? Dieser Frage will die Uni Leipzig in einem Forschungsprojekt mit 60 Patienten nachgehen. Während der fünfwöchigen Therapie erhalten die Patienten einiges an Schreibaufgaben.

Für Menschen, die eine pathologische Trauer entwickeln, wird die Trauer um den verstorbenen Menschen nicht leichter, sondern schwerer mit der Zeit. 

Für Menschen, die eine pathologische Trauer entwickeln, wird die Trauer um den verstorbenen Menschen nicht leichter, sondern schwerer mit der Zeit. 

Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa

Das Forschungsprojekt „Psychotherapie per E-Mail für Trauernde“ soll im Frühjahr 2015 starten und ist auf zwei Jahre ausgelegt. „Wir gehen davon aus, in dieser Zeit etwa 60 Patienten behandeln zu können“, sagte Studienleiterin Professor Anette Kersting  gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Als Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat Kersting bereits einige Erfahrung mit Internettherapieprojekten gesammelt.

Bei knapp sieben Prozent der Trauernden wird die Trauer pathologisch

Für das aktuelle Forschungsprojekt sollen Menschen behandelt werden, die Angehörige durch einen Suizid verloren haben. In einem fünfwöchigen Programm bekommen die Patienten bestimmte Schreibaufgaben gestellt, die sie beantworten sollen. Psychotherapeuten gehen auf die Antworten ein und geben Unterstützung bei der Trauerbewältigung. Der Austausch findet per E-Mail über eine geschützte Internetplattform statt.

Vorher durchlaufen die potenziellen Studienteilnehmer außerdem eine umfangreiche Diagnostik. Trauernde, die selbst suizidgefährdet sind, Depressionen haben oder suchtkrank sind, kommen für die Internettherapie nicht in Frage. Den Wissenschaftlern geht es insbesondere um den relativ kleinen Teil der Trauernden, die eine pathologische Trauer entwickeln. Das sind, wie Kersting in einer früheren epidemiologischen Studie herausgefunden hat, 6,7 Prozent.

Bei pathologischer Trauer sind therapeutische Angebote wichtig

Für diese Menschen wird die Trauer um den verstorbenen Menschen nicht leichter, sondern schwerer mit der Zeit. Wenn der Trauernde auch nach sechs Monaten noch tief im Trauerprozess stecke, sich intensiv nach dem Verstorbenen sehne und sein eigenes Leben zunehmend als sinnlos empfinde, spreche man von einer pathologischen Trauer, sagt Kersting. Dann seien therapeutische Angebote wichtig, denn „Antidepressiva wirken bei Trauernden nicht, wenn sie nicht zusätzlich unter einer Depression leiden“.

Trauerhilfe per Email: Ab 2015 läuft an der Uni Leipzig ein fünfwöchiges Programm, bei dem Trauernde Schreibaufgaben gestellt bekommen. Psychotherapeuten gehen auf deren Antworten ein und geben Unterstützung bei der Trauerbewältigung.  

Trauerhilfe per Email: Ab 2015 läuft an der Uni Leipzig ein fünfwöchiges Programm, bei dem Trauernde Schreibaufgaben gestellt bekommen. Psychotherapeuten gehen auf deren Antworten ein und geben Unterstützung bei der Trauerbewältigung.  

Foto: Daniel Naupold/dpa

Vor zwei Jahren war unter der Leitung von Anette Kersting eine ähnliche, vom Bundesfamilienministerium geförderte Studie abgeschlossen worden. Damals ging es um internetbasierte Behandlungsmaßnahmen für Eltern, die ein Kind während der Schwangerschaft verloren hatten. „Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft bedeutet für viele Eltern ein traumatisches Erlebnis, das mit anhaltenden Trauerreaktionen und bedeutsamen psychischen Belastungen bis hin zu psychischen Störungen einhergehen kann“, heißt es in der Studie von 2012.

Internetbasierte Behandlung ist laut einer früheren Studie erfolgreich

Für die Studie wurden die Teilnehmer zufällig eingeteilt und zwar in die fünfwöchige internetbasierte Behandlung, oder in eine Kontrollgruppe ohne Behandlung. Während der kognitiven Verhaltenstherapie sollten die Teilnehmer insgesamt zehn Texte über ihr Verlusterlebnis schreiben, aufgeteilt auf mehrere Module. Darin ging es um Selbstkonfrontation, kognitive Umstrukturierung, also eine Veränderung der gedanklichen Lebenskonzepte, sowie um einen symbolischen Abschluss. Nach Angaben von Studienleiterin Kersting hat es bei den Teilnehmern der Behandlungsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Verbesserung bei der Bewältigung des Trauerprozesses gegeben.

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