Kultur 15.12.2006, 19:25 Uhr

Teures in Öl  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 12. 06, sta – Der Kunstmarkt boomt. In den vergangenen zehn Jahren ist die Nachfrage nach zeitgenössischer Kunst enorm gewachsen. Wer hier investiert, sollte aber einen langen Atem und die richtigen Berater mitbringen.

Der Leipziger Maler Neo Rauch ist der Traum der Spekulanten. Für eines seiner Bilder hat ein Sammler zuletzt auf einer Auktion 270 000 € bezahlt. „In den frühen Neunzigern kosteten seine Werke nur 3000 DM“, sagt Christina Schroeter-Herrel, Kunsthistorikerin und Kunstinvestment-Beraterin bei der Deutschen Bank. Rauch war froh, wenn er von seiner Kunst leben konnte.

Zeitgenössische Kunst wird als Anlageform beliebter. „Die Nachfrage ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gewachsen“, weiß Henrik Hanstein vom Kölner Auktionshaus Lempertz. Wer in zeitgenössische Kunst investieren möchte, muss aber die Besonderheiten des Marktes beachten.

Das Beispiel um den Leipziger Künstler Neo Rauch zeigt, wie der Kunstmarkt funktioniert. Sammler und Investoren reagieren auf Werke und Künstler, die in der Öffentlichkeit stark präsent sind. Mitverantwortlich für diese Wertsteigerung der Rauch-Werke ist der Leipziger Galerist Gerd Harry Lybke, der 1992 Bilder seines Freundes Rauch auf amerikanischen Kunstmessen ausstellte – und mit dem damals unkonventionellen Stil des Malers Begeisterung bei den Sammlern in Übersee auslöste. Damals waren eigentlich Videoinstallationen und Konzeptkunst beliebt. Lybke traute sich dennoch, Rauchs gegenständliche, grell-bunte Bilder auf den Markt zu bringen. Mit Erfolg: Seitdem ist ein regelrechter Boom um Künstler aus Sachsen ausgebrochen. Tilo Baumgärtel, David Schnell und Matthias Weischer gehören zu den Protagonisten dieser gegenständlichen Malerei. Unter dem Begriff „Neue Leipziger Schule“ ist sie fest etabliert auf dem internationalen Kunstmarkt. Die Wertsteigerung dieser Werke ist gewaltig. Bei Lempertz wechselte kürzlich ein Bild von Weischer für 120 000 € den Besitzer. „Der Verkäufer hatte es vor fünf Jahren für 5000 € gekauft“, berichtet Lempertz-Auktionator Hanstein.

Wer in Kunst investieren will, sollte den Markt aufmerksam beobachten und Rat suchen, zum Beispiel bei verschiedenen Galeristen oder Sachverständigen. Galerien sind immer die ersten Adressen. „Es reicht aber nicht, nur eine Galerie zu konsultieren“, weiß Kunsthistorikerin Schroeter-Herrel. Denn Galeristen haben natürlich in erster Linie ein Interesse daran, Werke ihrer eigenen Künstler zu verkaufen. Daher sollte der Kunstinvestor immer mehrere Galeristen unabhängig voneinander befragen. Museumsdirektoren und Kuratoren sind ebenfalls informierte Ansprechpartner. Denn sie wissen in der Regel, welche Bilder im Moment in den Museen hängen und wo gerade eine Einzelausstellung mit Werken eines bestimmten Künstlers läuft. Diese Ausstellungspräsenz gibt die Stimmung gut wieder.

Das haben auch die Macher des in der Zeitschrift Capital erscheinenden „Kunstkompasses“ erkannt. Seit 1970 veröffentlicht das Blatt im Herbst ein Ranking mit den international erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlern. Die Autoren beobachten dabei aber nicht die Preise. Sie messen, wie viele Einzelausstellungen Künstler in den weltweit bedeutendsten Museen hatten und wie oft sie zusammen mit anderen Künstlern ausgestellt haben. Außerdem bekommen Kunstschaffende Punkte, wenn internationale Kunstmagazine über sie schreiben. Die Methode hat sich als sinnvoll für Investoren erwiesen: Da sie langfristig die Stimmung in der Fachwelt erfasst, kann sie als Frühwarnsystem für kommende Trends gelten. Das Risiko von Fehlkäufen ist daher minimal.

Eine langfristige Investition in Kunst hat sich zwar als Erfolg versprechend erwiesen, zeigt der „Kunstkompass“. Nichtsdestotrotz ist in den vergangenen Jahren das Interesse am kurzfristigen Kunstinvestment stärker geworden. „Heute liegen zwischen Ersteigerung und Versteigerung eines Werkes oft nur zwei bis drei Jahre. Vor zehn Jahren noch war die Zeitspanne länger als fünf Jahre“, sagt Kunsthistorikerin Schroeter-Herrel. In den vergangenen Jahren seien zunehmend regelrechte Kunstspekulanten auf den Auktionen aufgetaucht. „Ich persönlich rate davon ab, kurzfristig in zeitgenössische Kunst zu investieren“, sagt Gérard A. Goodrow, Direktor der Art Cologne. „Das ist ein sehr gefährliches Terrain – vor allem wenn die Erfahrung mit den Mechanismen des Marktes fehlt.“

Doch auch hervorragend informierte Investoren müssen noch mit einem Restrisiko leben. „Es gibt eben kein Patentrezept für den Erfolg eines jungen Künstlers. Ob ein Werk beim Publikum ankommt, hängt auch immer vom jeweiligen Zeitgeist ab“, warnt Schroeter-Herrel. Daher empfehlen Kenner der Szene, sich nicht zu sehr von Gerüchten und angeblichen Trends leiten zu lassen. „Kaufen Sie das, was Sie interessiert und beschäftigt. Denn selbst wenn die Investition fehlschlagen sollte, haben Sie so ein Kunstwerk erworben, das Sie erfreut“, rät Goodrow.

Für Kunstliebhaber, die zu Hause ein Werk von Neo Rauch hängen haben, könnte der Verkauf im Moment viel versprechend sein. Der Künstler kann nämlich die Riesen-Nachfrage nicht befriedigen: Alle Bilder, die er voraussichtlich bis 2008 malen wird, sind schon vergeben. REBECCA SAUER

Die Serie wird in den kommenden Ausgaben der VDI nachrichten fortgesetzt

Von Rebecca Sauer

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