Gadget hat Belästigungspotential 29.04.2015, 06:55 Uhr

Tennisturnier Wimbledon verbietet Selfie-Sticks

Tradition wird in Wimbledon großgeschrieben: Deswegen verbieten die Organisatoren des berühmten Tennisturniers Zuschauern den Gebrauch von Selfie-Sticks. Die Gadgets hätten zu großes Belästigungspotential. 

Sabine Lisicki bei Wimbledon Championships: Der All England Lawn Tennis Club (AELTA) verbietet Zuschauern künftig während Wimbledon den Gebrauch von Selfie-Sticks. Englische Fußballclubs haben die Armverlängerung schon vorher verbannt. 

Sabine Lisicki bei Wimbledon Championships: Der All England Lawn Tennis Club (AELTA) verbietet Zuschauern künftig während Wimbledon den Gebrauch von Selfie-Sticks. Englische Fußballclubs haben die Armverlängerung schon vorher verbannt. 

Foto: Kerim Okten/dpa

Den Anblick sind die meisten Menschen längst gewohnt: Touristen spannen für Selbstporträts ihr Smartphone in sogenannte Selfie-Sticks und halten sich diese aus rund einem Meter Entfernung vor die Nase. Bei genügend Platz sieht die Angelei höchstens lustig aus, stört aber niemanden. Anders in einem Tennisstadion, in dem Zuschauer dicht nebeneinandersitzen. Dort habe das fotografische Schauspiel mit dem Trend-Gadget einfach zu großes Belästigungspotential für andere Zuschauer, erklärte ein Wimbledon-Sprecher gegenüber der Sunday Times.

All England Lawn Tennis Club verbietet Selfie-Sticks

Der All England Lawn Tennis Club (AELTA) hat sich daher dafür entschieden, die Armverlängerung während des Traditionsturniers zu verbieten. „Wie bei anderen sportlichen Großveranstaltungen und kulturellen Attraktionen wird auch Wimbledon keine Selfie-Sticks erlauben“, müssen Eintrittskartenbesitzer in den Richtlinien für das Tennisspektakel vom 29. Juni bis 12. Juli lesen.

Touristen mit Selfie-Stick vor dem Brandenburger Tor in Berlin: Das Gadget gehört mittlerweile weltweit zum Stadtbild. 

Touristen mit Selfie-Stick vor dem Brandenburger Tor in Berlin: Das Gadget gehört mittlerweile weltweit zum Stadtbild. 

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die Veranstalter sollten außerdem angetrunkene Menschen aus den Stadien fernhalten, die andere Fans nerven, kommentiert eine Leserin einen Onlinebericht der britischen Tageszeitung Telegraph: „Wir saßen einmal hinter irischen Fans, die Koboldhüte trugen, sodass wir überhaupt nichts sehen konnten. Ein Mitarbeiter hat mit ihnen aber nur gewitzelt, sie seien gerade im Fernsehen zu sehen gewesen.“

Selfie-Sticks fliegen weltweit aus Museen und Stadien raus

AELTA ist mit dieser Maßnahme, die auf Bewahrung der Tradition abzielt, nicht allein: Auch das Kolosseum in Rom, das Londoner Kunstmuseum National Gallery, die beiden Londoner Fußballclubs Arsenal und Tottenham und das Smithsonian Museum in Washington verbieten die Gadgets während des Besuchs. Die Fußballclubs sehen in ihnen nicht nur ein sichtverdeckendes Ärgernis für andere Zuschauer, sondern auch eine potentielle Schlagwaffe.

Südkorea: Gefängnis bei nicht zugelassenen Selfie-Sticks

Die Geschichte des Selfie-Sticks reicht zurück in die 80er Jahre.Damals hatte sich Erfinder Hiroshi Ueda in den USA eine Teleskopverlängerung für Kompaktkameras patentieren lassen, der japanische Kamerahersteller Minolta experimentierte ebenfalls mit Verlängerungsstangen. Heute erfreuen sich die Armverlängerungen weltweit steigender Beliebtheit, zahlreiche Hersteller überschwemmen den Markt. 

In Südkorea geht das übrigens nicht ohne eine Zulassung der Behörden. Denn die Smartphonekamera lässt sich in vielen Fällen über eine Bluetoothfernbedienung auslösen, die andere technische Geräte stören könnten. Verkauft man nicht zugelassene Selfie-Sticks, drohen drei Jahre Gefängnis. 

Von Patrick Schroeder

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