Musik 29.01.2010, 18:33 Uhr

Streaming wird das Herunterladen von Musik ablsen

Werbefinanzierte Angebote, die kostenloses Musikhören über das Internet erlauben, und Künstlerpräsenz rund um die Uhr auf allen Kanälen der sozialen Netzwerke: Dies gaben die Experten auf der internationalen Musikmesse Midem in Cannes als Losungen aus, um das digitale Musikgeschäft anzukurbeln. VDI nachrichten, Cannes, 29. 1. 10, jdb

„Apple könnte sein neues Tablet mit Gratis-Musik auf den Markt bringen“, mutmaßte Ted Cohen gleich zu Beginn der MidemNet zerknirscht. Der frühere EMI-Manager, heute Berater und langjähriger Conférencier des zweitägigen Technologieforums in Cannes, malte ein weiteres Schreckgespenst für die seit Jahren gebeutelte Musikindustrie an die Wand: Apple, mittlerweile größter Musikhändler der USA, könnte am Mittwoch dieser Woche ein neues Gerät in der Größe zwischen einem Smartphone und einem Netbook auf den Markt bringen, das der Musikindustrie langfristig mehr Käufer bescheren wird. Doch erst einmal klingeln die Kassen in Kalifornien.

Mit Apples neuem Coup soll zudem eine Erweiterung des iTunes-Dienstes eingeführt werden. Stimmen die Gerüchte vor Redaktionsschluss, könnten Nutzer Kopien ihrer Musikbibliotheken auf Apple-Servern ablegen. Das Ziel der Kalifornier: Außer einer Sicherheitskopie als Mehrwert könnten von nun an Musikliebhaber von jedem Gerät darauf zugreifen, vorausgesetzt, sie haben einen Internetzugang.

Apples geplanter Streaming-Dienst aus seiner Serverwolke war für viele Experten in Cannes die Zukunft. „Musik as a Service“, brachte es Gerd Leonhard auf den Punkt. „Herunterladen von Musik war gestern, Musikhören über das Internet ist die Zukunft“, sagte der Schweizer Experte rund um das digitale Geschäft von Musik.

Mark Mulligan vom Beratungsunternehmen Forrester ist zudem überzeugt. „Nur intelligente neue Produkte und Dienste, die mit sozialen Netzwerken verbunden sind, können die Umsatzeinbußen der Musikindustrie aufhalten.“ Seine zur Midem erschienene Studie „Music Industry Meltdown: Recasting the mold“ weist einen Verlust der Einnahmen allein für amerikanische und europäische Musikunternehmen um 42 % – von 25,6 Mrd. € auf 10,8 Mrd. € – in der letzten Dekade aus.

Dabei macht der Absatz rund um den digitalen Vertrieb von Musik inzwischen rund ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Dies geht aus dem „Digital Music Report 2010“, des internationalen Verbands der Phonoindustrie (IFPI) hervor. Musikfans können sich inzwischen weltweit aus knapp 400 legalen Onlineshops mit 11 Mio. Titeln bedienen. Über diese wurden insgesamt 2,9 Mrd. € kassiert.

Der Wermutstropfen: Das Wachstum im Onlinegeschäft hat sich verlangsamt. Stieg es 2008 noch um 25 %, wuchs der weltweite Umsatz mit Onlinemusik 2009 nur um 12 %. Einen Hoffnungsschimmer konnte Forrester-Analyst Mulligan in den Verlautbarungen der Werbeindustrie ausmachen. „Sie will 2010 mehr Geld in digitalen Kanälen platzieren als noch 2009.“ Dass diese Rechnung aufgehen könnte, zeigt der werbefinanzierte Musik-Streamingdienst Pandora, der Musikhören gratis erlaubt. Nach zehn Jahren konnte Pandora kürzlich erstmalig schwarze Zahlen vermelden.

Ein Stück Software namens „MusicDNA“ aus dem technischen Dunstkreis des Ilmenauer Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT soll hingegen Fans, die Musikstücke von Onlineplattformen herunterladen, mit weit mehr Informationen versorgen und damit auch ihren Musikkonsum stimulieren: „Songs, die mit MusicDNA ausgeliefert werden, bieten auch Zugang zu den Songtexten, zu den Tourdaten, zu Blogs, Twitternachrichten und Videos der Musiker“, sagte Dagfinn Bach. Automatisch werden die Metadaten von Songs mit MusicDNA bei jedem Onlinegehen aktualisiert.

Der norwegische Gründer stellte sein Unternehmen Bach Technology global auf. Das technische Know-how kommt aus Ilmenau, es gibt Zweigstellen in Peking und Bergen sowie jede Menge Risikokapital und Partner aus der Musikindustrie weltweit.

MusicDNA soll es ab Frühsommer 2010 als eigenständige, intelligente Abspielsoftware geben, die auf offenen Standards beruht oder in gängigen Playern wie iTunes, Windows Media Player oder Winamp integriert ist. „Wir entwickeln auch eine Anwendung für mobile Plattformen wie das iPhone und Android von Google“, sagte Entwicklungs- chef Sebastian Schmidt.

Weiterer Mehrwert für die Fans: MusicDNA ist zugleich ein Empfehlungssystem, das in „bis zu 10 s den Song analysiert, die Musiksammlung durchwühlt, und ähnliche Songs empfiehlt“, erklärt Schmidt. Und dies sowohl zum sofortigen Hören als auch zum Kaufen.

Erstmalig konnten sich Start-ups für das MidemNet Lab bewerben und sich eine Woche lang auf der Midem kostenfrei präsentieren. Eine hochkarätige Jury wählte 15 Newcomer rund um den Globus aus, darunter als einziges deutsches Unternehmen, das Start-up Tracks & Fields. Nach eineinhalb Jahren Entwicklungszeit startete die neunköpfige Berliner Firma ihre webbasierte Plattform.

Dort sollen Profimusiker ihre Audiodateien in einer öffentlichen Datenbank ablegen, sie mit Musikerkollegen aus aller Welt austauschen und gemeinsam auch online bearbeiten können. „Die komplexe Rechteverwaltung in der Datenbank war die technische Herausforderung, wir wollten, dass die Audiodateien zu jedem Musiker eindeutig zuzuordnen sind“, erklärt Christian Mix-Linzer, der 31-jährige Chef.

Der Clou von Tracks & Fields: Das Start-up will gleichzeitig Business-Schnittstelle zwischen Werbeagenturen oder Filmproduzenten sein, die bei Profimusikern Kompositionen in Auftrag geben. „Das ist bis zu 70 % billiger als lizenzierte Musik einzukaufen“, sagt Mix-Linzer und rechnet mit 100 000 registrierten Nutzern gegen Ende dieses Jahres. NIKOLA WOHLLAIB

Von Nikola Wohllaib

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