kulturhauptstadt 08.01.2010, 18:31 Uhr

Sonderschichten für die Kultur im Revier  

Am Samstag, 9. 1. 10, fällt mit dem zweitägigen Fest „Glück Auf 2010“ in stilgerechtem Ambiente auf dem Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein sowie der angrenzenden Kokerei der Startschuss für die europäische Kulturhauptstadt Essen plus Revier. Tief im Westen warten 2500 Veranstaltungen bei „Ruhr.2010“ ganzjährig auf Besucher. VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 1. 10, cha

Ralph Kindel ist kein Mann der vielen Worte. Der Mann ist eben „von hier“, aus Essen, aus dem Revier. Da wird nicht lang palavert, pardon, hochdeutsch: geredet. Kindel hat die Tribüne entworfen und gebaut, die am Samstag 1200 geladenen Gästen, Prominenz aus Politik und Kultur und Otto Normalbürgern gleichermaßen, den ungetrübten Blick auf ein Bühnenprogramm ermöglicht, das selbstverständlich auch Raum für ihn hat: Herbert Grönemeyer, den Verfasser der Bochumer Hymne. Wer kennt sie nicht, diese Liedzeile. „Bochum, ich komm“ aus Dir.“ Da wird nicht nur Pottis, wie die Einheimischen auch heißen, warm ums Herz. Dieses Mal wird der schon lange nicht mehr im Revier beheimatete Barde ein neues Lied präsentieren, eine Hymne an die Menschen im Pott.

Er wird sie vor atemberaubender Kulisse singen, vor den längst stillgelegten Koksöfen Zollverein, rechter Hand ist noch der Druckwagen zu sehen. „Naja, das war schon schwieriges Gelände, aber das ist ja auch eine schwierige Kulturhauptstadt“, sagt Kindel, und zeigt in die Runde über die Sitzreihen hinweg. Da klingt viel mit, er meint damit die Aufgabe, aber wohl auch das Revier, die Stadt, das Land, die vielen politischen und kulturellen Querelen im Vorfeld, die Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten bei der Programmplanung, die Finanzkrise, die schroffe Schönheit einer Region, die sich sicher nicht jedem auf den ersten Blick erschließt. 5,3 Mio. Menschen leben im Revier, aus 100 verschiedenen Ländern, der Pott ist ein Schmelztiegel, Einwanderungswellen prägten das Bild, harte Arbeit auch. „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ ist das Motto der Kulturhauptstadt Essen, die sich mit 52 anderen Städten präsentieren wird. Und diesen Wandel, der noch lange nicht abgeschlossen ist, der Strukturwandel in einer gebeutelten Region, die Lebendigkeit des Prozesses, all das hat die Kulturhauptstadt-Jury begeistert. Und soll nun, drei Jahre nach der Entscheidung, Menschen aus der ganzen Welt an Rhein und Ruhr locken.

Die Gäste, die am Samstag auf der Tribüne sitzen, müssen sich warm anziehen: Es gibt keine Überdachung, Regencapes, Schirm, Decke, das muss für das zweistündige Programm reichen, die Menschen im Revier stecken eben etwas weg, da wird auch nicht Firlefanz mit den Besuchern gemacht. Und es hätte eben auch den Zauber des Ortes gestört.

Die offizielle Eröffnung wird am Samstag im ZDF übertragen, zu diesem Zeitpunkt sind nur geladene Gäste willkommen, das eigentliche Fest beginnt ab 18 Uhr auf dem kompletten Gelände mit 268 Künstlern, Tanz, Theater, Musik, Film und Performances, ein Höhenfeuerwerk gegen 22.30 Uhr inklusive.

2,5 Mio. €€kostet das zweitägige Spektakel, zu dem 100 000 Menschen erwartet werden. Folklore und Volkstümliches wird es auch geben, Steigerlied, Knappenchor Consolidation, da mag mancher mit den Augen rollen. Aber was wäre das Revier ohne das Steigerlied. „Wenn das gesungen wird, habe ich schon so manchen mit Tränen in den Augen stehen sehen, das berührt die Menschen im Revier immer noch“, sagt Fritz Pleitgen, Ex-WDR-Intendant und Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr.2010.GmbH. Und da hat er recht.

Und dann wird noch einer da sein, dem das Ruhrgebiet viel zu verdanken hat, vor allem, dass es überhaupt ein Weltkulturerbe hat: Karl Ganser, ein Bayer, einst Chef der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (1989-1999), er hatte sich seinerzeit für den Erhalt der „verbotenen Stadt“, so wurde das riesige Areal der Zeche Zollverein und Kokerei nach der Schließung einst genannt, starkgemacht. Am Sonntag wird zusätzlich das in der ehemaligen Kohlenwäsche gebaute Ruhrmuseum erstmals für Publikum seine Pforten öffnen (Besprechung folgt). Es soll als Gedächtnis einer ganzen Region mit Montanindustrie-Vergangenheit dienen. Das Stuttgarter Architekturbüro HG Merz hat versucht, die Ausstellungskonzeption den Räumlichkeiten anzupassen: Aufbereitung, Speicherung und Verteilung von Kohle haben unterschiedliche Strukturen in der Architektur hinterlassen, die es auszuloten galt.

Ralph Kindel hat in diesem Jahr als Eventplaner noch so manches zu tun. Beispielsweise wird er auch das Volksfest auf der Ruhrgebietsautobahn schlechthin, der A 40, organisieren. Die Pulsader des Reviers wird an einem Sommertag für ein paar Stunden gesperrt, es werden Tische aufgebaut, die zuvor verlost wurden, dort können sich auch Organisationen etc. präsentieren, andere holen nur die Picknickkörbe heraus. Wie kommen die Leute da hin? Der Essen-Eingeborene Ralph Kindel schaut ein wenig ungläubig, als die Frage nach einem Shuttle-System gestellt wird. „Die Leute kommen ganz normal über die Autobahnauffahrten, die laufen, das ist ein Tag der Bewegung“, erklärt er knapp.

Eben ganz ohne Firlefanz. Glück Auf! CLAUDIA HANTROP

Mit Bundespräsident und riesigem Volksfest  

 

-Die anderen Kulturhauptstädte neben Ruhr.2010 sind in diesem Jahr: Pécs (Ungarn) und Istanbul (Türkei).

-Im Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen wird eine Show „Ruhr.2010“ aufgezeichnet, die im ZDF gezeigt wird (22.35 Uhr, 8.1.10). Die offizielle Eröffnung mit EU-Präsident Manuel Barroso und Bundespräsident Horst Köhler findet am 9.1.10 statt und wird ab 15.30 im ZDF gezeigt. Das Volksfest startet um 18 Uhr.

-Der Etat der Ruhr.2010 beträgt 62,5 Mio. €, 11 Mio. € plus 5 Mio. € an Sach- und Personalleistungen kommen von Sponsoren. cha

Von Claudia Hantrop

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