Kultur 31.03.2000, 17:24 Uhr

Schon in der Zukunft eingelaufen

Optimistisch, aber nicht unbekümmert sehen die Jugendlichen ihre Zukunft. Nach der neuesten Shell-Studie werden alte Werte durch eigene „Wertecocktails“ ersetzt.

Der Wertehimmel von Nachkriegszeit und Wachstumswunder hat sich ebenso in Wohlgefallen aufgelöst wie der Wertehimmel der Alt-68er. Die neue Unübersichtlichkeit, vor Jahren schon in Aussicht gestellt, hat uns erreicht“, stellen die Autoren der Shell-Jugendstudie fest. Die technologische Entwicklung, gestiegene Mobilität und pluralistische Lebensformen haben die alten Kategorien aufgelöst. Die Jugendlichen haben dies akzeptiert und suchen sich in der neuen Welt ihre individuellen Orientierungsmuster. Für die Wissenschaftlerin Yvonne Fritzsche heißt das: „Die Jugend ist schon in der Zukunft angekommen.“
Dennoch zeichnen viele der einzelnen Daten ein durchaus bekanntes Bild. Bei den Kriterien für den eigenen Arbeitsplatz liegt für die Jugendlichen aus dem Osten mit 54 % die „Arbeitsplatzsicherheit“ an erster Stelle, im Westen hingegen soll die Arbeit in erster Linien „interessant“ sein und „Spaß“ machen. Doch auch 48 % der Befragten aus den alten Bundesländern schätzen den sicheren Arbeitsplatz hoch ein. Während im Osten an zweiter Stelle die Höhe des Einkommens entscheidend ist – 49 % möchten „viel Geld“ verdienen -, haben für die Westler „freundliche Kollegen“ (43 %) den Vorrang.
Die von Arbeitgebern und Politikern gewünschte Mobilität finden die Jugendlichen nicht allzu erstrebenswert, stellten die Autoren der Studie fest: „Es scheint, als seien Jugendliche heimatlich relativ stark verwurzelt, sofern es sich nicht um Umzüge innerhalb Deutschlands handelt.“ Selbst bei einem „interessanten beruflichen Angebot“ würden 13 % ihren Wohnort nicht wechseln. 18 % wären immerhin bereit, innerhalb Deutschlands umzuziehen und für 9 % käme ein Wohnortwechsel sowohl in Deutschland wie in den EU-Ländern in Betracht.
Am ehesten interessieren sich noch die Jugendlichen mit „hohem Bildungsniveau“ und Fremdsprachenkompetenz für einen Auslandsaufenthalt. Doch Mädchen zieht es noch weniger in ferne Länder als ihre männlichen Altersgenossen.
Wer nicht gerne umzieht, hat auch andere Anforderungen an seinen Arbeitsplatz, stellten die Wissenschaftler fest. So wünschen sich die extrem Bodenständigen eine „nicht zu anstrengende Arbeit“, die das Privatleben auch möglichst wenig beeinträchtigen soll. Und mit der Sesshaftigkeit nimmt auch der Fernsehkonsum zu: Rund drei Stunden und mehr verbringen sie täglich vor dem Gerät. Auch virtuell zieht es sie nicht in die Ferne. Die Internet-Nutzung nimmt mit der Mobilitätsbereitschaft zu.

Oft fehlt zum Sprung ins Internet noch die Ausstattung

Doch nicht alle können, wie sie vielleicht gerne möchten. Die Ausstattung mit Computern ist in der befragten Altersgruppe relativ schlecht. 44 % der Jugendlichen haben keinen Computer – und damit auch keinen Internet-Zugang. Und nur 30 % besitzen ein Gerät, das sie alleine nutzen.
Von den technisch Hochgerüsteten nutzt jeder Vierte das Internet. Davon surfen rund 61 % etwa vier Stunden in der Woche. Doch das weltweite Netz hat dem Fernsehen noch keine Konkurrenz machen können. Die Jugendlichen schauen an Werktagen durchschnittlich 2,5 Stunden in die Röhre.
Für die Technik-Freaks gibt es offensichtlich Standort-Vor- und Nachteile: Nach der Studie leben die „Heavy User“ überproportional häufig in Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Abstinenzler finden sich öfter in Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen. Und wenn schon abstinent, dann konsequent. Wo kein PC steht und der Internet-Anschluss fehlt, gilt auch das Handy nicht als begehrenswert. Obwohl das mobile Telefon bei insgesamt 28 % der westdeutschen und 30 % der ostdeutschen Jugendlichen zum festen Ausstattungsoutfit zählt.
Doch Telefonieren ist nicht die liebste Freizeitbeschäftigung. Am liebsten sind den Jugendlichen Partys (98 %), dicht gefolgt von „zu Hause quatschen und Musik hören“ (96 %) und dem Einkaufsbummel (92 %). Bei diesem Freizeiterlebnis dominierten allerdings die befragten Mädchen. Auch „Spazieren gehen“ gehört zu den weiblichen Favoriten in den Mußestunden, während zwei Drittel ihrer Altersgenossen dies ablehnen. Mit 86 % kam auch „Rumhängen“ als Freizeitbeschäftigung unter die vorderen Plätze. Mit dem PC beschäftigen sich knapp 70 % der Jugendlichen, wenn sie Zeit haben.
Zum richtigen Aufbruch ins Internet-Zeitalter scheint es den Jugendlichen noch an der Ausrüstung zu mangeln. Doch alle Werbung und die Initiativen zum Thema Frauen und Technik haben ihre Zielgruppe offensichtlich auch noch nicht erreicht. In den vier wichtigsten IT-Berufen sind nur 13 % der Auszubildenden weiblich. Und auf die Frage, wer „sehr an Technik“ interessiert ist, meldeten sich zwar 42 % der Männer, aber nur 5 % der Frauen von den insgesamt rund 4500 befragten Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren.
Auch die Debatte um Existenzgründungen findet bei den weiblichen Jugendlichen offensichtlich weniger Resonanz. Und wenn sie an Selbständigkeit denken, zieht es sie in erster Linie in den Bildungs- und Sozialbereich oder in das Gesundheitswesen. Bei den Jungen hingegen sind es die Computerbranche, Handwerk und Industrie. Grundsätzlich gilt allerdings für beide Geschlechter: Je höher das Bildungsniveau, desto stärker ist die technische Orientierung.
Die Ergebnisse aus der Technik-Welt lösten auch umgehend politische Reaktionen aus. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Iris Gleicke stöhnte: „Die Informationsgesellschaft als reine Männersache: Was für ein Albtraum“.
Doch die befragten Jugendlichen werden solche Reaktionen wahrscheinlich kaum zur Kenntnis nehmen, denn das Desinteresse an Politik und Parteien ist stetig gewachsen, stellten die Jugendforscher fest. „Erdrutschartig“ ist für den Leiter der Studie, Arthur Fischer, die Entwicklung der Ablehnung. Waren es 1991 noch 51 % der Befragten, die politisches Interesse bekundeten, sind es nach der neuesten Untersuchung nur noch 43 %. Am stärksten betroffen von der parteipolitischen Abstinenz sind die Grünen. 1996 standen 21,6 % dem alternativen Spektrum positiv gegenüber, heute sind es noch 11,1 %, die sich zu den Sympathisanten rechnen. Die SPD steigerte sich knapp von 20 % auf 21,2 % in den Sympathiewerten und die CDU legte zwar kräftig von 15,4 % auf 21,7 % zu, doch betonen die Verfasser der Studie, dass die Befragung vor dem aktuellen Parteiskandal lag.
Doch auch die noch relativ positive Bewertung der Parteien führt bei den Jugendlichen nicht automatisch auch zum mitmachen. Großorganisationen sind ihnen zunehmend ein Gräuel. Ob bei staatlichen oder nichtstaatlichen Organisationen, engagieren möchten sich die Jugendlichen lieber nicht. Sie wollen ihre eigenen Wertvorstellungen umsetzen: Und im Mittelpunkt stehen für sie dabei Beruf und Familie. B. BÖHRET
Nicht alle Jugendliche haben den unbegrenzen Zugriff auf Informationstechnik. Wo der Zugang aber da ist wird diese Technik auch systematisch genutzt.

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