Kultur 23.07.2004, 18:32 Uhr

Schnitzeljagd in Industriemuseen ist „Geschmackssache“

VDI nachrichten, Essen, 23. 7. 04 -Das Rheinische Industriemuseum (RIM) bittet zu Tisch. In der Oberhausener Zentrale ist die Ausstellung „Aufgetischt – Ernährung im Konsumzeitalter“ zu sehen. Bis Oktober folgen die fünf anderen Schauplätze des RIM mit regional geprägten Einzelausstellungen als Teil des Gesamtprojektes „Geschmackssachen – Kulinarisches an sechs Schauplätzen“.

Warum beschäftigt sich denn ausgerechnet ein Industriemuseum mit Essen und Trinken?“, stellt Museumsdirektorin Milena Karabaic selbst die nahe liegende Frage. Doch die Wechselwirkung zwischen Industrialisierung und sehr viel intensiver betriebener Landwirtschaft und notwendiger Massenherstellung von Lebensmitteln ist offensichtlich. Ein roter Faden der Ausstellung in Oberhausen ist natürlich die Technik, denn wie auch immer man sich dem Thema nähert, der Einsatz von Technik entscheidet maßgeblich darüber, was und wie wir etwas auf den Teller und ins Glas bekommen.
In Deutschland konnten sich wissenschaftliche und technische Innovationen in der Landwirtschaft und bei der Verarbeitung von Lebensmitteln erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf breiter Ebene durchsetzen. So wurde in der Milchwirtschaft noch bis in die 1950er Jahre mit der Hand gemolken, erst dann gab es elektrische Melkanlagen und modern ausgestattete Molkereien mit einer wachsenden Zahl an Produkten, und das seit Jahrzehnten bekannte Fließprinzip wendeten die Schlachthöfe erst im beginnenden Wirtschaftswunder an. Aufgehängte Rinder und Schweine zogen nun an den Arbeitern vorbei, die dann wie am Fließband die Tiere zerlegten.
Selbst der Einsatz von Traktoren auf den Äckern blieb bis 1950 eher die Ausnahme. Während 1933 lediglich 23 953 landwirtschaftliche Betriebe mit Schleppern arbeiteten, stieg die Zahl der Traktoren nach dem Krieg in der alten Bundesrepublik bis 1957 auf 600 000. Zu sehen ist in Oberhausen unter anderem der legendäre „Elfer-Deutz“, ein Bauernschlepper mit 11 PS – von der Gasmotorenfabrik Deutz 1936 erstmals auf den Markt gebracht. Ein aktuelles hoch technisiertes Gerät ist hingegen der Biokollektor in der Biolandwirtschaft, der mittels Druck und Sog ganz ohne Chemie schädliche Kartoffelkäfer und Larven von den Pflanzen sammelt.
Ebenfalls nach 1950 begann der Siegeszug der Volldünger, die zwar den Wuchs der Pflanzen förderten, die Pflanzen auf den viel größer werdenden Ackerflächen aber auch anfälliger für Krankheiten und Parasiten machten, wogegen mit Fungiziden und Pestiziden angekämpft wurde. Die mitgedüngten Unkräuter sollten von den Herbiziden in Schach gehalten werden. Ein Teufelskreis, aus dem die heftig und äußerst kontrovers diskutierte Gentechnologie nach Meinung der Befürworter herausführen kann.
Bleiben wird auf jeden Fall der Druck, Lebensmittel billig herstellen zu müssen, weil die Mehrzahl der Verbraucher dies erwartet oder sich teure Lebensmittel nicht mehr leisten kann. Die großen Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre sind auch Ergebnis dieser Konstellation. Die Ausstellung zeigt den Kontrast zwischen von der Werbung vermittelter Bauernhofidylle und dem harten Geschäft in der Wirklichkeit.
Es gibt die Slowfood-Bewegung, die Kochsendungen im Fernsehen vermitteln inflationär vermeintliche oder tatsächliche Esskultur – und gleichzeitig greifen die Verbraucher nach Fertigprodukten, weil es im Alltag schnell gehen muss. Die Besucher der Ausstellung können Wasserlösungen von drei verschiedenen, je nach Verwendungszweck chemisch anders aufgebauten Erdbeeraromen probieren. Interessant ist auch die Suggestivkraft von Farben im Lebensmittelbereich. Ein verblüffend einfacher Test zeigt dies: Wer ein in grünes Papier eingepacktes Bonbon in den Mund steckt, erwartet den Geschmack von Äpfeln oder Kiwis und nicht von Tomaten.
In der „guten alten Zeit“ garantierte „Tante Emma“ in ihrem kleinen Laden, dass in der Packung auch drin ist, was drauf steht. Für die Besucher des RIM führt der Weg in einen Tante-Emma-Laden durch das Labyrinth des Warensortiments eines Supermarktes. Im Future Store hilft der Personal Shopping Assistant (PSA) beim Einkauf. Berührt man das am Einkaufswagen befestigte Display, ist auf dem Bildschirm beispielsweise zu sehen, wo Brot oder Butter liegen, was die Waren kosten, aber auch, dass man sonst eine andere Kaffeemarke gekauft hat. An der Selbstzahlerkasse scannen die Kunden ihre Artikel selbst ein und bezahlen bargeldlos mit der Kreditkarte. M. BURAZEROVIC

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