Weltausstellung 2010 03.07.2009, 19:41 Uhr

Puzzeln am deutschen Pavillon in Schanghai  

Am kommenden Mittwoch ist Richtfest für den deutschen Pavillon auf dem Expo-Gelände in Schanghai. Gut 400 Stahlpfähle wurden bisher auf dem Pavillon-Gelände bis zu 20 m tief in das Schwemmland am Ufer des Huangpu gepresst. Darauf ruht das Stahl-Tragwerk des deutschen Pavillons. Die Arbeit am Pavillon ist eine internationale Kooperation und obwohl Ingenieure und Architekten unter hohem Zeitdruck stehen, sind sie voll des Lobes über das hohe Niveau bei der Planungs- und Bautechnik ihrer chinesischen Kollegen. VDI nachrichten, Schanghai, 3. 7. 09, moc

Schanghai im Juni 2009: Hunderte von Lastwagen rollen in den schwül-heißen Nächten durch das Hochhausmeer von Pudong, den jungen Wirtschafts- und Hightech-Bezirk Schanghais. Sie liefern Tonnen von Baumaterialien an das Ufer des Huangpu: Hier entsteht auf 5,28 km² die derzeit größte Baustelle der Welt.

Tausende chinesischer Wanderarbeiter errichten am Huangpu Pavillons für 191 Nationen und 48 internationale Organisationen. Pünktlich sollen sie am 1. Mai im kommenden Jahr zur Eröffnung der Expo 2010 fertig sein.

Seit Monaten beherrscht der riesige chinesische Pagoden-Pavillon die Baustelle. Nur die Deutschen können derzeit mit dem Pavillon der Chinesen einigermaßen mithalten, von den anderen Pavillons ist nur vereinzelt etwas zu erkennen.

Die Arbeit am deutschen Pavillon begann schon früh: Am 15. November war der erste Spatenstich, am kommenden Mittwoch ist Richtfest auf dem 6000 m2 großen Pavillon-Gelände.

Regen, tropische Hitze und das weiche Schwemmland machen das Bauen schwierig

„Der Stahlbau, die Decken und die innere Fassade stehen jetzt“, sagt Dieter Gigler. Dutzende chinesischer Arbeiter wuseln durch die Stahlträger, ihre gelben Helme leuchten unter dem trüben Himmel über Schanghai.

Seit Monaten verbringt der 48-jährige Bauingenieur tagein tagaus mindestens zwölf Stunden auf dem Pavillon-Gelände. Gigler, der für Bauriesen wie Bilfinger Berger und Strabag schon Stadtautobahnen in Doha gebaut hat, leitet die Baustelle im Auftrag von Nüssli Deutschland, Tochter eines Spezialisten für temporäre Bauten aus der Schweiz.

Die letzten Monate waren hart. Regen, um die 30° C und mehr und dann das weiche Schwemmland des Huangpu. „Zwei Wochen lang haben wir Teilstücke der Stahlpfähle hydraulisch in den Boden gepresst, die gingen rein wie Butter“, beschreibt Gigler den Beginn der Bauarbeiten. Um 20 m tief in den Sandboden zu kommen, wurden an die 30 cm dicken Rohre immer wieder Teilstücke geschweißt. Die Außenfläche der Rohre „klebt jetzt am umliegenden Boden fest“, so Gigler zuversichtlich.

Für das Fundament des Pavillons wurden schließlich quadratische Pfahlköpfe samt Stützen auf die Rohre betoniert.

Gleichzeitig haben die je nach Arbeitsanfall bis zu 300 chinesischen Wanderarbeiter unter seiner Aufsicht mit dem groben Stahlgerippe des 800 t schweren Pavillons begonnen. „Wir bauen von oben nach unten und von den Seiten hin zur Mitte, wo die 20 m hohe Haupthalle steht“, sagt Gigler und zeigt in Richtung des mächtigen Stahlgerippes, das in den grauen Himmel ragt.

Dazu wird bis zu 15 m langer, fertig angelieferter Baustahl auf dem Boden zu den drei Gebäudeeinheiten zusammengeschweißt, per Kettenzug nach oben gezogen und auf eine Hilfskonstruktion gesetzt.

Gut 80 solcher Einzelrohre können in zwei Schichten pro Tag verarbeitet werden. Gigler beschreibt die Ausführung wie ein Riesenpuzzle. „Der deutsche Pavillon ist von der Geometrie her einer der Kompliziertesten auf der gesamten Expo-Baustelle“, sagt er sichtlich angetan, „es gibt keinen Quadratmeter, der einem anderen gleicht.“

Dies gilt auch für die gesamten weiteren Bauphasen. Die skulpturale Architektur wird wie ein aufwändiges Puzzle zusammengesetzt – vom zweiten Stahlgerippe über die Sandwichpaneele, die das Gebäude umschließen bis hin zur silberschimmernden, transparenten Membran, die den Pavillon umhüllt.

Möglich werden solch komplexe Gebäude durch ein dreidimensionales Planungsmodell. „Vom Fundament über die Haustechnik bis hin zu allen Aufmaßen und was sonst noch so anfällt, sind alle Daten in ein dreidimensionales digitales Muttermodell eingetragen und werden ständig von unserem Schanghaier Planungsbüro aktualisiert“, erklärt Lennart Wiechell.

Der 36-Jährige ist der Architekt des Pavillons und Geschäftsführer bei Schmidhuber + Kaindl in München.

Wiechell war 2008 ein halbes Jahr in Schanghai, um mit den chinesischen Kollegen die Planung fertig zu stellen. Jetzt läuft der Austausch in der Regel über eine 80 Mbyte große Datei des Modells, die regelmäßig zwischen Schanghai und München elektronisch hin- und hergeschickt wird.

„In Deutschland muss man lange suchen, um dieses hohe Niveau in der Planungs- und Bautechnik zu finden“, so Wiechells Erfahrung in China. Hier in Schanghai, so seine Erklärung, baut eine junge Generation chinesischer Ingenieure, die in Großbritannien oder Australien studiert hat, und jetzt an Design-Instituten in Schanghai arbeitet.

Die Daten aus dem Modell gehen direkt zu den CNC-Fräsen in einer chinesischen Fabrik, wo Schweißroboter die komplexen Knotenverbindungen des Stahlgerippes automatisch zusammenfügen.

Auf diese Weise wird ein Großteil der Verbindungen und Knoten in der Fabrik vorgefertigt, die Endmontage erfolgt dann auf der Baustelle.

Trotz des frühen Starts sitzt den Ingenieuren und Architekten die Zeit im Nacken

Doch auch der Pavillon selbst wartet mit einer Reihe von Besonderheiten auf.

So etwa eine Solarfassade des Mainzer Spezialglasherstellers Schott. „Wir integrieren eine 2 m mal 1,2 m große Solarzelle an der dreigeschossigen Rückfassade des Pavillons, wobei die Solarzelle zwischen zwei Glasscheiben eingelassen ist“, erklärt Lennart Wiechell. Das soll dann wie ein transparentes Rollo vor einer Scheibe aussehen. Diese Lösung könne ein Prototyp für großflächige Hochhausfassaden sein. Die Fassaden könnten so zu Energieproduzenten werden, hofft der Architekt. Ein Exponat im Pavillon soll zudem zeigen, wie viel Energie die Solarzelle produziert.

Innovativ ebenfalls die Umluftsysteme, die die Räume der Ausstellung nur bis 2,5 m Höhe kühlen – also nur wenig über Kopfhöhe der Besucher. Kombiniert mit einem ausgefeilten Kälte-rückgewinnungssystem, sollen die enormen Wärmelasten im heißen Schanghai durch Beleuchtung, Computer und Menschen energetisch verträglich bewältigt werden.

Während Lennart Wiechell die technischen Schmankerl des Pavillons aufzählt, sitzt Dieter Gigler die Zeit im Nacken. „Wir können uns nicht einen Tag Bauverzögerung leisten.“ Leicht gemacht wird ihm das nicht, bei den enormen Strommengen, die auf der Baustelle gebraucht werden, und den regelmäßigen Stromausfällen.

Schon gar nicht daran denken mag Gigler, was passiert, wenn im fertigen Pavillon mal die Klimaanlage ausfällt. Immerhin sollen bis zu 3600 Besucher pro Tag durch den Pavillon laufen.

Doch bis dahin ist noch Zeit. Von der Baustelle aus kann Gigler schon die Schlange der Lastwagen sehen, die neue Stahlträger bringen. „Erst mal sehen“, sagt er gut gelaunt, „was jetzt noch alles auf uns zukommt.“ N. WOHLLAIB

Von N. Wohllaib

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