Kultur 07.12.2007, 19:32 Uhr

Momas neue kreative Konkurrenz  

In dem 50 Mio. Dollar teuren Design-Gebäude im eher wenig feinen Stadtteil Lower East Side.

New Yorks Moma ist eine Mischung aus moderner Kunst und edlem Konservatismus. Damit passt das Museum exakt in New Yorks teuerste Büro- und Shopping-Gegend zwischen nobler Fifth Avenue und der pulsierenden Büromeile entlang der Avenue of the Americas. Ganz anders dagegen ist die Konzeption von New Yorks neuestem Museum für zeitgenössische Kunst, dem New Museum of Contemporary Art (NMCA).

Statt im edlen Midtown befindet es sich auf der Lower Eastside, in einer Nachbarschaft, in der die Spuren der Tristesse und Kriminalität der späten 80er- und frühen 90er-Jahre unübersehbar sind. Und dessen Nachbarschaft ist Chinatown – nicht der Central Park.

Das neue futuristische Gebäude des NMCA passt folglich optisch überhaupt nicht in diese Gegend. Der von den Japanern Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa entworfene Bau sieht aus wie ein paar wahllos gestapelte Bauhaus-Objekte. Diese sind von einer Aluminium-Folie umhüllt, die an die nichtssagenden Fassaden der Hightechbüros im Silicon Valley erinnern. Aber gerade dieses Provozieren von Gegensätzen gehört zum Konzept des NMCA, das sich auch sonst ganz bewusst in einen deutlichem Kontrast zu seinen großen Konkurrenten stellt, zu denen außer dem Moma auch noch das Whitney und das Dia im Norden von New York gehören. „Wir verfolgen einen mehr praktischen Ansatz, bei dem die Kunst alltäglich, anfassbar – und auch bezahlbar ist“, sagt Museums-Direktorin Lisa Phillips, die zuvor 23 Jahre Kuratorin bei Whitney war.

Zu diesem Konzept gehört auch, dass sich das NMCA nicht nur als avantgardistischer Ausstellungsort versteht, sondern darüber hinaus ein Markt-Enabler sein will, der Künstler, Galleristen, Mäzene und Artbuyer zusammenbringt. „Der Kunstmarkt ist heiß und es ist ein geschickter Schachzug von denen, auf diesen Trend aufzuspringen. Das ist doch genau das, was viele talentierte Künstler suchen: Eine Präsentations- und Marktplatz-Plattform“, sagt Jody Kane, Kunstmarkt-Analystin bei Sidoti & Co.

Um zu vermeiden, dass das Projekt ins Kommerzielle abrutscht, wurden eine Reihe international anerkannter Kuratoren verpflichtet. Mit dabei sind Richard Flood, der zuvor Chefkurator beim Walker Art Center in Minneapolis war und Laura Hoptman, die vom Carnegie Museum of Art in Pittsburgh nach New York wechselte.

„Hier gibt es keine Kunst-Verwalter, wir sind alle besessen von unserer Liebe und Leidenschaft für moderne Kunst – und das ist es, was uns von den monumentalen Ausstellungen der großen Museen unterscheidet“, erläutert Phillips ihr Konzept. Konsequenterweise heißt ihre erste Ausstellung auch Unmonumental. „Unmonumental ist eine Ausstellung, die weniger daran interessiert ist, etwas zu definieren und damit festzulegen. Die Ausstellung will vielmehr zeigen, dass bildende Kunst genau den Moment definieren kann, in dem wir gerade leben“, sagt deren Kurator Richard Flood.

Statt Standhaftigkeit geht es hier also um kurze Bestandsaufnahmen der Gegenwart, die nie gleich bleiben können und dürfen. Und folglich soll die Ausstellung ständig von den Künstlern verändert werden. „Wir leben in einer schnellen Zeit und New York ist die hektischste Stadt schlechthin – das wollen wir hier reflektieren“, erläutert Flood seine Motive.

Das aktuelle Jahrhundert betrachten die Künstler als nicht monumental: „Der Beginn des 21. Jahrhunderts scheint von dem Verschwinden von Monumenten und Symbolen gekennzeichnet zu sein, markiert durch den Fall der Zwillingstürme am elften September“, so Flood weiter. Entsprechend zeigt die Ausstellung Kunstwerke, die gewalttätig und zerstörerisch sind, die aber auch den dringenden Wunsch in sich hegen, die Einzelteile und Bruchstücke, die verwendet wurden, aufzusammeln und zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. So haben die 30 internationalen Künstler aus Fundstücken und scheinbar wertlosem Material ihre unmonumentalen Objekte entwickelt, die auf drei Stockwerken gezeigt werden.

Beispielsweise ist Flechten wieder im Künstlertrend: Eva Rothschild“s Werke „Bambi“ und „Sweet Thing“ erinnern an einen dreidimensionalen Piet Mondrian.

Die großflächige Papierfront „Proscenium“ von Elliot Hundley, abgehängt von der Decke, ist eines der wenigen malerischen Werke. Seine Collagenhaften Malereien verknotet der Künstler mit Schnüren und Draht zu schwebenden Raumobjekten, die eindeutig die Schule von Robert Rauschenberg beweisen.

Der erste Teil von Unmonumental dauert bis April 2008, doch schon am 16. Januar beginnt der zweite Thementeil „Collage: The Unmonumental Picture“. Im Februar kommt dann der dritte und vierte Teil hinzu: „The Sound of Things: Unmonumental Audio“ sowie eine Online-Ausstellung.

HARALD WEISS

www.newmuseum.org

Von Harald Weiss

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