Kultur 19.03.1999, 17:20 Uhr

Mit einem kleinen Drachen auf Höhenflug

Am 24. 9. hat Peter Maffays Musical „Tabaluga & Lilli“ in Oberhausen Premiere. Das frühe Aus für die beiden Stella-Produktionen kann Maffay und Co. nicht schrecken: Sie setzen auf ein eingeführtes Produkt und auf technische Finessen.

Die Stella AG hat sich im Ruhrgebiet übernommen. Nach dem großen Erfolg des Bochumer „Starlight Express“ wagte der Marktführer 1996 gleich zwei neue Produktionen: die biblische Geschichte von „Joseph“ in Essen, das Revolutionsstück „Les Misérables“ in Duisburg. Doch die Zuschauer blieben aus. 1998 hatten die beiden Musicals unter 60 % Auslastung – zu wenig für die knappe Stella-Kalkulation.
Konsequenzen: Am 12. Dezember wird „Joseph“ abgesetzt, am 28. November „Les Misérables“. Stella entläßt in Essen und Duisburg 511 Beschäftigte. Günter Irmler, der Vorstandsvorsitzende, wurde abgelöst und durch den früheren Bahn- und Lufthansavorstand Hemjö Klein ersetzt. Seine erste Aufgabe lautet „Sanierung“. Für 1998 rechnet der Konzern mit 95 Mio. DM Verlust.
Klein begründet die Pleite in Essen damit, daß man das falsche Stück gespielt habe: „,Joseph ist ein Kurzläufer.“ Duisburg dagegen sei „der falsche Standort“ gewesen. Das Duisburger Haus wird aufgegeben. Was nach „Josephs“ Ende aus dem Essener „Colosseum“ wird, ist offen.
Wo der Marktführer gleich zwei Reinfälle erlebt hat, will nun Maffay mit „Tabaluga & Lilli“ Erfolg haben. Sein Geschäftsführer, der ehemalige Stella-Manager Rüdiger W. Fölske, zählt „die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren“ auf, warum in Oberhausen gelingen könne, was in den Nachbarstädten schiefgegangen ist: „Der Standort, das künstlerische Produkt und die Markenwelt.“
Das eigens für „Tabaluga“ errichtete „Theatro“ liegt direkt am Centro, Europas größtem Einkaufszentrum mit seinen Gratis-Parkplätzen. Touristen und Einheimische sollen ihren Einkaufstag künftig im Musical beschließen. Die Karten und Infomaterial bekommen sie unter anderem in bundesweit 14 000 Filialen der Deutschen Post AG – eine neue Form des Ticketvertriebs.
„Tabaluga“ sei besonders familienfreundlich, betont Fölske, das gelte auch für die Preise (billigste Karte 66 DM/ermäßigt 33, teuerste 155/ 111 DM). Die Sonntagabendvorstellung ende gegen 22 Uhr: „Unsere Gäste haben dann noch ausreichend Zeit, um nach Hause zu fahren und für den Montag rechtzeitig ins Bett zu kommen.“ Freitags und samstags abends beginnt die Vorstellung dafür besonders spät, um 21 Uhr. Die unübersichtliche Preis- und Terminstruktur wird den Mitarbeiterinnen des Callcenters (Tel. 01805–11 30 11) noch viel Kummer bereiten.
Das „künstlerische Produkt“ hat laut Pressesprecherin Astrid Lenz den Vorzug, „eine deutsche Produktion zu sein, nichts aus Amerika Eingekauftes“. Vielleicht ist das tatsächlich das Geheimnis des bisherigen Erfolgs der „Markenwelt Tabaluga“. Peter Maffays und Rolf Zuckowskis Geschichte vom kleinen Drachen Tabaluga hat seit 1983 ihre Fangemeinde. 700 000 Menschen sollen die Produktion als Tourneemusical gesehen haben. 4,5 Mio. Tonträger mit der „Tabaluga“-Musik wurden verkauft, von den Plüschdrachen und anderen Merchandising-Artikeln ganz zu schweigen. Die samstägliche ZDF-Zeichentrickserie „Tabaluga tivi“ schalten angeblich eine Million Kinder pro Woche ein.
In Oberhausen hat Tabaluga neue Abenteuer zu neuer Musik zu bestehen: Er, der Bewahrer des Feuers, das Leben, Licht und Wärme verkörpert, verliebt sich ausgerechnet in Lilli, die eisige Tochter seines Gegenspielers Arktos. Arktos ist der Herrscher im Reich der Kälte. Am Ende wird Tabalugas Feuer Arktos besiegen und die Liebe entzünden.
Der Drache muß sich das Happy-End ohne Maffays Hilfe erkämpfen. Anders als bei der Tourneeversion wird Maffay im festen Haus nicht auf der Bühne stehen. Auf der Baustelle aber schaut er gelegentlich nach dem Rechten: Der Rohbau des „Theatro“ steht, rund 1800 Sitzplätze werden in Arenabauweise angelegt, so daß kein Platz weiter als 20 m vom Bühnengeschehen entfernt sein wird. Das Dach, gestützt von Stahlwerk, besteht aus zwei Schichten grüner Kunststoffmembranen das war billiger als Massivbauweise. Im 2500 m2 großen Foyer werden Garderoben und Restaurant Platz finden. Geprobt werden kann hier allerdings erst nach der Fertigstellung im Hochsommer.
Damit Tabaluga nicht so schnell abstürzt wie „Joseph“, greift Peter Maffay seiner Schöpfung mit üppiger Technik unter die Flügel. „Tabaluga & Lilli“ soll mit gewaltiger Lasershow, eingespielten Clips und mit eines Drachens würdiger Pyrotechnik überzeugen. Während in Berlin, Hamburg und Amsterdam noch die Künstler ausgewählt werden, proben Techniker das Zusammenspiel mit den live agierenden Darstellern und der Band schon jetzt – am Modell.
Das steht in Hürth bei Köln. Hier, in Deutschlands größtem Studiokomplex (derzeit 38 Fernsehstudios auf einem Gelände von 130 000 m2), hat auch ein Studio seinen Sitz, das sich zwar „4:1“ nennt, bei dem sich aber alles um den Maßstab 1:4 dreht.
Eine vierfach verkleinerte Veranstaltungshalle bietet bewegliche Bühnenelemente samt maßstabsgerechter Dekoration. Ergänzt werden sie durch Miniatur-Verstärker und winzige Traversen, an denen voll funktionsfähige Scheinwerferchen hängen.
Bei „4:1“ haben schon Maffay, Otto oder „Pur“ ihre Live-Tourneen vorbereiten lassen. Nun kann hier ein Mini-Tabaluga unter großem Getöse und Nebelwallen aus seinem Vulkan steigen und eintauchen in ein Gewitter von Lasereffekten. Dampfdüsen schießen Geysire in die Höhe, Videoclips werden auf „Groß“bildleinwände übertragen.
„Tabaluga“-Regisseur Andras Fricsay Kali Son und der technische Leiter Bernd Haefner können Team und Technik hier voraussichtlich 20 Tage lang aufeinander einstimmen, ohne Schwerlastkräne für die Umbauten einsetzen zu müssen. Das spart Kosten und Kräfte, und im Falle von „Tabaluga“ könnte ja ohnehin noch gar nicht am tatsächlichen Produktionsort getestet werden, solange das „Theatro“ nicht fertig ist.
Sind denn Modelle noch zeitgemäß im Zeitalter virtueller Animation? Ja, sagt „4:1“-Operations Manager Helmut Protte: „Mit Animationen gibt es dasselbe Problem wie mit herkömmlichen Modellen, etwa in 1:100, nämlich mangelnde Imginationsmöglichkeit. Im Maßstab 1:4 ist das Erscheinungsbild viel realistischer und greifbarer für die Kreativen. Das ist eine sehr emotionale Geschichte.“ Und das Modell garantiere Umsetzung in Echtzeit.
Der von Patrick Woodroffe, dem Lichtdesigner der „Rolling Stones“, entwickelte Maßstab 1:4 sei der günstigste, sagt Protte. Bei größerem Maßstab würde das Ganze schnell unhandlich, bei noch kleinerem Maßstab sei die Technik „nicht mehr finanzierbar“.
So leuchten Miniaturscheinwerfer die Bühne aus, werden winzige Verfolger auf eine gut 40 cm hohe Tabaluga-Holzpuppe gerichtet. Der Erfolg des Musicals freilich, da sind sich alle einig, sollte schon ein wenig größer ausfallen.
PATRICK BIERTHER/Wip
Der Herr und sein Geschöpf: Seit 1983 hat der von Peter Maffay und Rolf Zuckowski „Tabaluga“ getaufte kleine Drache großen Erfolg. Das soll sich jetzt auf das Musical übertragen.
Ausgerechnet in Lilli, die eisige Tochter seines Gegners Arktos, hat sich Maffays Drache Tabaluga verliebt, doch sein Feuer entflammt selbst das Herz einer Eisprinzessin. Entflammen soll die romantische Geschichte der niedlichen Comicfiguren auch das Herz der Musicalzuschauer – und nicht nur der kleinen.
Das Centro in Oberhausen erhält für die Tabaluga-Aufführungen ein eigenes Theater. Der Aufführungsort, die rein deutsche Produktion und das Zugpferd Maffay sollen diesem Musical im Ruhrgebiet zum großen Durchbruch verhelfen, obwohl hier Musicals bisher nur wenig – ökonomischen – Erfolg hatten.

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