Video im Zeitraffer 21.05.2015, 06:55 Uhr

Millionen Fotos aus dem Internet ausgewertet und zum Film gemacht

Im Internet befinden sich Millionen Schnappschnüsse von Sehenswürdigkeiten. Aus diesen öffentlich zugänglichen Fotos haben Wissenschaftler der Washington Universität und Google-Mitarbeiter jetzt Zeitraffer-Dokumente erstellt. Sie zeigen den Wandel in New York und das Schmelzen von Gletschern in Norwegen.

Die Karte zeigt, woher die Schnappschüsse stammen. Die meisten wurden in Europa entdeckt.

Die Karte zeigt, woher die Schnappschüsse stammen. Die meisten wurden in Europa entdeckt.

Foto: University of Washington, Google,

Es gibt sie zuhauf, die klassischen Fotomotive: das Brandenburger Tor, den Kölner Dom, das Schloss Neuschwanstein beispielsweise. All diese Bauwerke werden tagein, tagaus von Touristenscharen umringt, die ihre Fotoapparate oder Smartphones in Augenhöhe reißen und auf den Auslöser drücken. Und dann werden die Schnappschüsse in den sozialen Netzwerken gepostet, geteilt, kopiert und wieder geteilt. Dieses Spiel geht nun schon einige Jahre so. Im Prinzip schlummert in dieser Bilderflut ein Schatz, weil all diese Aufnahmen zwar das selbe Motiv zeigen, aber zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Und immer häufiger sind diese Bilder im Hintergrund mit Geodaten versehen, die Zeit und Ort exakt wieder geben.

Kette bewegter Bilder

Es wird Zeit, diesen Schatz zu heben, dachten sich die Forscher Ricardo Martin-Brualla, David Gallup und Steven M. Seitz von der Universität Washington und von Google. Sie durchforsteten all diese öffentlich im Netz zugänglichen Quellen nach ähnlichen Bildern von Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen oder interessanten Landschaften, um aus ihnen eine Kette bewegter Bilder zu erstellen. „Zeitraffer-Bergbau“ nennen die Forscher diesen aufwändigen Prozess, der beeindruckende Ergebnisse generiert.

Die geschaffenen Bildketten dokumentieren nun beispielsweise die Veränderungen des Briksdalsbreen-Gletschers in Norwegen in der Zeit zwischen 2005 und 2014. Während dieser neun Jahre zieht sich dieser Gletscher dramatisch zurück, wächst dann wieder für kurze Zeit, um dann allerdings fast zu verschwinden.

Für eine Sekunde Film braucht es 25 Fotos

Ein solches Zeitraffer-Video zu erstellen, bedarf Zeit, Beharrlichkeit und Ausdauer. Für eine Sekunde Film werden 25 Bilder benötigt. Bekannt sind beispielsweise Zeitraffer-Studien von Pflanzen, deren zarten Keimblätter dem Licht entgegenwachsen. Am Ende öffnet sich auf zauberhafte Weise die prachtvolle Blüte.

Aus Millionen von Fotos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, haben die Forscher Zeitraffer-Filme generiert. 

Aus Millionen von Fotos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, haben die Forscher Zeitraffer-Filme generiert. 

Foto: University of Washington, Google

Für diese Studien wurde täglich ein Bild vom gleichen Standpunkt und zur gleichen Stunde aufgenommen. In einer Zeitreihe montiert ergibt sich später die Zeitraffer-Studie, die das gierige Wachstum der Pflanze dokumentiert. Ihre Faszination entfalten diese Videos dadurch, dass sie dem Zuschauer ermöglichen, einen Prozess, der sich über einen langen Zeitraum hinzieht, in kürzester Zeit vollständig mitzuerleben.

86 Millionen Bilder durchforstet

Genau das machen die drei Wissenschaftler mit den Abermillionen von Schnappschüssen aus den sozialen Netzwerken. Sie haben 86 Millionen Bilder von den Google-Plattformen Picasa und Panoramio automatisch ausgewertet und anhand vorhandener Geodaten katalogisiert. So entstand eine Liste mit 120.000 Wahrzeichen, Sehenswürdigkeiten und interessanten Landschaften. Die Herausforderung für die Wissenschaftler bestand darin, diese Schnappschüsse in eine nahtlose zeitliche Abfolge zu bringen. Dann mussten sie Faktoren wie verschiedene Blickwinkel, Helligkeiten und Wetter korrigieren.

Algorithmus sortiert die Bilderflut anhand eines Referenzbildes

Dafür entwickelten die Bilderforscher einen Algorithmus. Dieser sortiert anhand eines vorgegebenen Referenzbildes im ersten Schritt alle Fotos aus, die für eine Zeitraffer-Montage nicht in Frage kommen, weil das Motiv nicht vollständig abgebildet ist oder das ganze Bild schlicht zu dunkel oder zu hell ist.

Referenzbild und Computermaske für den Briskdalsbreen Gletscher in Norwegen und den Goldman Sachs Tower in New York. Warme Farben repräsentieren Pixel mit guter Übereinstimmung zum Refernzbild.

Referenzbild und Computermaske für den Briskdalsbreen Gletscher in Norwegen und den Goldman Sachs Tower in New York. Warme Farben repräsentieren Pixel mit guter Übereinstimmung zum Refernzbild.

Foto: University of Washington, Google

Im Anschluss harmonisiert der Algorithmus die Bilderflut, indem er die Blickwinkel korrigiert und die Bildqualität und -farbe mithilfe von Filtern bearbeitet und aufhübscht. Am Ende entsteht so jeweils eine Bildfolge von mindestens 300 bis zu mehr als tausend Einzelbildern, die nacheinander abgespielt ein fast flackerfreies Zeitraffer-Video ergeben.

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