Neues Fossil entdeckt 07.03.2015, 06:55 Uhr

Menschheit scheint 400.000 Jahre älter als gedacht

Die Menschheit könnte 400.000 Jahre älter sein als bisher angenommen. Das legt der Fund eines versteinerten Kieferknochens in Äthiopien nahe. Das Fossil liefert zudem ein Bindeglied zwischen dem affenartigen Vormenschen und Homo habilis.  

Die gefundene Unterkieferhälfte mit fünf Zähnen datiert die Menschheitsgeschichte um: Sie legt nahe, dass Frühmenschen bereits vor 2,8 Millionen Jahren lebten.

Die gefundene Unterkieferhälfte mit fünf Zähnen datiert die Menschheitsgeschichte um: Sie legt nahe, dass Frühmenschen bereits vor 2,8 Millionen Jahren lebten.

Foto: Kaye Reed/dpa

Anthropologen machten einen erstaunlichen Fund in der Afar-Senke in Äthiopien: Im staubigen Boden in der Region Ledi-Geraru entdeckten sie einen in zwei Teile zerbrochenen versteinerten Kieferknochen mit fünf Zähnen. Dieses Knochenstück ist nur acht Zentimeter groß – verändert jedoch alle bisherigen Theorien und Berechnungen über die Entstehung der Menschheit.

Bisher gingen die Forscher davon aus, dass die ersten Frühmenschen der Gattung Homo vor 2,4 Millionen Jahren in der Afar-Senke in Äthiopien lebten. Der neueste Fund in dieser Gegend jedoch datiert ihr Vorkommen jetzt noch weitere 400.000 Jahre weiter zurück – auf 2,8 Millionen Jahre.

Fossil ist Bindeglied zwischen affenartigem Vormenschen und Homo habilis

Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (EVA) in Leipzig nahmen eine digitale Rekonstruktion der Bruchstücke vor. Sie fanden heraus, dass der Kiefer einige Merkmale der affenähnlichen Gattung Australopithecus afarensis und schon einige der Gattung Mensch aufweist: So gehören die symmetrisch stehenden Backenzähne und die gleichmäßigen Kieferknochen zum Frühmenschen, die primitive Kieferform hingegen erinnert an den affenartigen Vormenschen, zu deren berühmtesten Vertretern die 3,2 Millionen Jahre alte Lucy gehört.

Der Unterkiefer hat Merkmale der affenähnlichen Gattung Australopithecus afarensis (Vormensch) und schon einige der Gattung Mensch. Wissenschaftler feiern den Fund als evolutionäres Bindeglied zwischen beiden Gattungen. 

Der Unterkiefer hat Merkmale der affenähnlichen Gattung Australopithecus afarensis (Vormensch) und schon einige der Gattung Mensch. Wissenschaftler feiern den Fund als evolutionäres Bindeglied zwischen beiden Gattungen. 

Foto: William Kimbel/dpa

Der Fund ist deswegen so wertvoll, weil aus dieser Übergangsphase bislang wenige Fossilien vorliegen. „Es ist das erste Fossil, das wir auf dem Zweig haben, der zu uns führt“, erläutert der federführende Autor Brian Villmoare von der University of Nevada. „Der Ledi-Geraru-Kiefer liefert uns ein plausibles evolutionäres Bindeglied zwischen Australopithecus afarensis und Homo habilis“, erklärt der Anthropologe Fred Spoor, der am University College London und am EVA in Leipzig forscht.

Umwelt zeigte sich vor drei Millionen Jahren von der ungemütlichen Seite

Die Forscher rekonstruierten anhand von Sedimenten zudem die Lebenswelt in der äthiopischen Afar-Senke vor drei Millionen Jahren. Eine Welt, die für die Vormenschen ungemütlich war: Plattenbewegungen des Kontinents führten zu Klimaveränderungen, die vor allem in Ostafrika zu Trockenheit führten. Zudem waren in der Region viele Vulkane aktiv. Möglicherweise führte diese Lebenswelt dazu, dass sich aus den Vormenschen der Gattung Australopithecus afarensis die Frühmenschen der Gattung Homo entwickelten.

Von Petra Funk

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