Kultur 27.02.2004, 18:28 Uhr

„Man muss die Leute versöhnen“

Auch für den Frieden braucht man Profis. Dafür gibt es spezielle Kurse, in denen Menschen aus unterschiedlichen Berufen zur Friedensfachkraft ausgebildet werden. Ingenieure können dabei oft ihre Berufskenntnisse verwenden.

Für Heinz Reinhardt war der Einsatz als ziviler Friedenshelfer eine interessante berufliche Alternative. Der Diplom-Ingenieur aus Rheindürkheim hat Architektur studiert und sechs Jahre in einem Architekturbüro gearbeitet. Danach war er selbstständig. „Doch in beiden Fällen war die Auftragslage schwierig“, erzählt er. So begann er das Aufbaustudium „Umweltschutz im Bauwesen“. In dieser Zeit las er das Stellengesuch des Technischen Hilfswerkes: Ein Architekt wurde gesucht, für den Häuserbau in Bosnien. Reinhardt ging für ein halbes Jahr in die Krisenregion. Kurz nach seiner Rückkehr ging er wieder nach Bosnien, für das Forum Ziviler Friedensdienst. Er blieb zwei Jahre. Diesmal ging es um Versöhnungsarbeit mit verfeindeten Gruppen: beim Aufbau eines Friedenszentrums und mit einem Landwirtschaftsprojekt, an dem ehemals gegeneinander kämpfende Soldaten teilnahmen. „Es bringt nichts, nur Häuser zu bauen“, weiß Reinhardt, „man muss die Leute versöhnen.“ Damit Bosnier und Serben sich nicht gegenseitig die neuen Häuser zerstören.
Für die schwierige Aufgabe der Konfliktlösung und Vertrauensarbeit absolvierte der Ingenieur einen Trainingskurs. In Deutschland gibt es zwei Stellen, die Friedensfachkräfte ausbilden. Zum einen das Zentrum für internationale Friedenseinsätze (ZIF) in Berlin, Träger ist das Auswärtige Amt. Zwei Wochen dauern dort die Kurse. Der zweite Anbieter ist das Forum Ziviler Friedensdienst in Walberberg bei Bonn, das von Land und Bund unterstützt wird. Das Training, das auch Heinz Reinhardt besucht hat, dauert vier Monate. Die Inhalte sind in beiden Kursen ähnlich: trainiert werden die Wahrnehmung und Analyse von Konflikten, das Verhalten bei Stress und Bedrohung, dazu kommen Mediation und Projektmanagement.
Geeignet für die Ausbildung zur Friedensfachkraft sind Menschen unterschiedlicher Berufe. Sie sollen jedoch lebens- und berufserfahren sein, am besten schon im Ausland gearbeitet haben. Offenheit und Flexibilität sind wichtig. Gut sind auch Erfahrungen in sozialer und interkultureller Arbeit. Viel Erfahrung bringt auch die Agrar-Ingenieurin Agnes Berkemeier mit. Vor der Wende war sie im Friedenskreis Leipzig aktiv, später ging sie zu Pax Christi. Beruflich leitete sie eine private Schäferei. Nach der Wende absolvierte sie ein Aufbaustudium als Bautechnikerin und war danach in der Stadtumland-Entwicklung tätig. Doch am Herzen lagen Agnes Berkemeier auch die Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien, die oft unter Fremdenfeindlichkeit leiden mussten. „Ich wollte etwas gegen die wachsende Gewaltbereitschaft tun.“ Sie engagierte sich in Aktionen wie der „Kette gegen Gewalt“. Doch die Flüchtlinge interessierten sie auch nach deren Rückkehr – und so ließ sie sich beim Forum ziviler Friedensdienst zur Friedensfachkraft ausbilden. „Die Möglichkeit der konstruktiven Konfliktbearbeitung fand ich reizvoll“, erzählt sie. Agnes Berkemeier ging für knapp zwei Jahre in den Kosovo. Die Leipzigerin leistete Basisarbeit für die Versöhnung von Serben und Albanern: Sie organisierte Workshops, Wanderungen, Fußballspiele und förderte Diskussionen und Gruppenbildungen zwischen den entzweiten Bevölkerungsgruppen.
Als Agrar-Ingenieurin konnte sie ihre Kenntnisse bei der Ansiedlung eines serbischen Dorfes – inmitten neun albanischer Dörfer – einbringen, sie gründete eine Landwirtschaftsgruppe. „Letztlich geht es um Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Agnes Berkemeier. Die Menschen müssten Verantwortung übernehmen und Visionen entwickeln. Für die Arbeit als Friedensfachkraft braucht es jedoch viel Geduld. Der Erfolg lässt oft länger auf sich warten. Agnes Berkemeier hat festgestellt, dass sie die Fähigkeit zur Motivation anderer besitzt. Ingenieur Heinz Reinhardt sagt, dass er in der Zeit offener geworden sei. Zudem habe er viel über sich gelernt – und über das „Stresssystem Deutschland“. Das hat er übrigens im Dezember wieder verlassen. Für den Deutschen Entwicklungsdienst wird er zweieinhalb Jahre lang als Stadtplaner in Nepal arbeiten.
 ANNETTE ZELLNER
www.zif-berlin.de
www.friedenbrauchtfachleute.de

Von Annette Zellner

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